
Nachdem der CHI Donaueschingen Knall auf Fall abgesagt wurde, musste ein neuer Austragungsort für das Finale des Piaff-Förderpreises 2025 gefunden werden. Einmal mehr ist der Hof Kasselmann in die Bresche gesprungen und hat die Entscheidung in der Serie für Deutschlands U25-Dressurreiter ins Programm des ohnehin für dieses Wochenende geplanten CDI aufgenommen. Heute begann das Turnier mit dem Grand Prix für die Kür, wo ein ehemaliger U25-Europameister nicht zu schlagen war.
Sieger des mit 24 Paaren besetzten CDI3*-Grand Prix für die Kür wurde mit 72,130 Prozent Raphael Netz im Sattel des zwölfjährigen DSP-Wallachs Dieudonné. An zweiter Stelle reihten sich Carina Scholz und die San Amour-Tochter Soiree d’Amor ein mit 70,739 Prozent. Platz drei ging ein Paar, das die Gastgeber vertritt, Frederic Wandres mit dem neunjährigen Verrenberg, den der neue Mannschaftseuropameister in Hamburg für das Finale des Louisdor-Preises qualifizieren konnte (69,630).
Dichtauf folgte an vierter Stelle das Paar, das den Piaff-Förderpreis 2023 gewinnen konnte: Felicitas Hendricks mit Drombusch, die ebenfalls in Hagen beheimatet sind. Sie sind im Stall von Christoph Koschel ansässig. Das Turnier ist also auch für sie gewissermaßen ein Heimspiel, bei dem sie 69,413 Prozent erhielten.
Platz fünf ging an ein neues Paar: die Australierin Lyndal Oatley auf Forever Young. Man kennt die 13-jährige Westfalen-Stute v. Fürst Fugger eigentlich unter dem Schweden Patrik Kittel. Ihr internationales Debüt unter Kittels Ehefrau beendete sie mit 69,326 Prozent.
Familienausflug
Man muss Dieudonné nicht selbst geritten haben um zu erkennen, dass es schon des Feingefühls und des tiefen, ausbalancierten Sitzes eines Raphael Netz bedarf, um diesen hochsensiblen und hyperbeweglichen Dante Weltino-Sohn so durch einen Grand Prix zu reiten. Nach dem starken Galopp erschreckte der Rappe sich einmal. Technische Fehler passierten ansonsten keine. Dies war das erste internationale Turnier für die beiden seit dem CDI München im Mai. Netz war zufrieden:
„Dieudonné hat Ruhe ausgestrahlt und war schön bei mir“, sagte er. „Wir hatten nur einen kleinen Moment, als ein Blumentopf — dem Winde geschuldet — sehr ‘spannend’ aussah und wir deswegen leider einen technischen Fehler hatten. Aber ich hatte insgesamt ein super Gefühl, der Schritt und die Piaffen waren gut und ich freue mich auf die Flütlicht-Kür morgen Abend.“
Ehe sie sich heute in Hagen wieder aufs internationale Parkett gewagt haben, konnten sie vor vier Wochen schon einen nationalen Grand Prix für sich entscheiden. Ein Probelauf, wie Netz sagt: „Wir haben noch einmal ein bißchen was im Training und im Management verändert. Dass das jetzt hier heute so schön funktioniert hat, zeigt glaube ich, dass wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben.“
Nachdem Hagen das Piaff-Förderpreis Finale ausrichtet, lag es für ihn nahe, die Reise aus Bayern in den Teutoburger Wald anzutreten. Schließlich gehört seine Freundin Selina Söder mit dem von Dinja van Liere ausgebildeten Vita di Lusso zu den acht Finalisten. Es sei ein „schöner Familienausflug“, so der 26-Jährige.
Über Raphael Netz
Raphael Netz begann seine reiterliche Karriere vier Jahren. Mit neun bekam er sein erstes eigenes Pferd: einen dreijährigen Haflinger. Der war noch gar nicht angeritten, aber das wussten weder Raphael noch seine Eltern, und Aki hatte nichts dagegen, den kleinen Jungen auf seinem Rücken zu tragen. Dass Netz Aki in den nächsten vier Jahren selbst bis Prix St. Georges ausbilden und erfolgreich auf Turnieren vorstellen würde, konnte sich zu dem Zeitpunkt noch niemand vorstellen. Doch so kam es. Als die beiden zum ersten Mal in eine Dressurprüfung der Klasse S einritten, war Aki sieben und sein Reiter 13 Jahre jung. Nebenbei ritt Netz auch Reitponys für andere Besitzer. Mit einem, Schierensee’s Don’t do it, gewann er 2014 Bronze bei den Deutschen Jugendmeisterschaften.
Über ein Instagram-Video wurde Jessica von Bredow-Werndl auf das Talent des Teenagers aufmerksam. Sie und ihr Bruder Benjamin waren auf der Suche nach einem Bereiter. Also schrieb sie ihn an, er fuhr nach Aubenhausen, stellte sich vor und blieb. Acht Jahre lang war er bei den Werndls tätig. In dieser Zeit war er mit drei verschiedenen Pferden eine sichere Bank für Deutschlands U25 EM-Teams, erst mit Lacoste, dann mit dem KWPN-Hengst Elastico und schließlich mit dem von Jessica von Bredow-Werndl selbst seit Remontealter ausgebildeten Ferdinand BB. Mit allen drei Pferden sammelte er EM-Medaillen, mit Elastico zwei in Gold und eine Silber (Kür) und mit Ferdinand drei in Gold.
Sowohl Dieudonné als auch sein Toppferd Great Escape Camelot hat Netz in dieser Zeit unter den Sattel bekommen. Hier lernte er auch Selina Söder kennen, die bei den Werndls trainierte. Im Frühjahr 2024 beschlossen die beiden, sich selbstständig zu machen. Zusammen mit einigen Berittpferden und Schülern zog es Netz und Söder aufs Gut Weiglschwaig, wo sie nun einen Turnier- und Ausbildungsstall betreiben. Kurz danach feierte Netz mit Camelot seinen bislang größten Erfolg im Seniorenlager, Platz fünf beim Weltcup-Finale in Riad.





