
Emely Schermuck hat sich das Goldene Reitabzeichen erritten. Dahinter steckt nicht nur eine beeindruckende Reihe sportlicher Erfolge, sondern vor allem eine Geschichte von besonderen Pferden, wichtigen Wegbegleitern und dem festen Willen, auch in schwierigen Zeiten weiterzumachen.
Wer Emy Schermuck kennt, weiß: Hinter ihren Erfolgen steckt viel Leidenschaft, Herzblut und manchmal auch eine gehörige Portion Wahnsinn.
Eine ganz besondere Verbindung zu ihrer reiterlichen Entwicklung hat dabei der Reitstall Löckenhoff bei Diethelm. Dort gab es auch einen Moment, in dem Emy selbst nicht mehr so recht wusste, wie es weitergehen sollte. Sie war müde, frustriert und desillusioniert und fragte sich, ob der eingeschlagene Weg wirklich der richtige für sie sei.
Doch manchmal braucht es genau die richtigen Menschen zur richtigen Zeit. Eine davon war Pucki, die Emy mit klaren Worten wieder auf den richtigen Weg brachte: „Manchmal passiert es einfach, ein Fehler. Aber sein Talent deshalb wegzuwerfen, das ist eine Schande. Reiß dich zusammen Emy und schwing dich wieder aufs Pferd.“
Die Worte blieben hängen. Und Emy machte weiter.
Der erste S-Sieg mit dem „Hasen“
2019 folgte beim Herbstturnier bei Reitanlage Löckenhoff der erste S-Sieg und damit gleichzeitig die Qualifikation für die erste S**. Die Freude war riesig. Emy war stolz, Diethelm war stolz und auch das Umfeld fieberte mit.
Nach der anschließenden S**-Prüfung war die Reiterin allerdings ziemlich geschafft. Ein Sauerstoffzelt wäre vermutlich nicht die schlechteste Idee gewesen. Aus dem Viereck gekommen, schaute sie ihre Begleitung an und fragte lediglich: „War doch okay, oder?“
Die Antwort konnte nur ein Lachen sein, schließlich hatte Emy gerade den nächsten S-Sieg eingefahren.
Die ersten drei S-Siege gelangen ihr mit Surprise du Jour, liebevoll „der Hase“ genannt. Ein Pferd mit ganz eigenen Ideen und Vorstellungen. Diethelm bewies auch hier sein Gespür für das perfekte Match und ließ die beiden ihren Weg gehen.
Bei der ersten S** sorgte das Paar zudem für einen besonderen Moment. Vor Beginn der Prüfung ritt das Paar ins Viereck ein und galoppierte an, Emy ging in den leichten Sitz und sauste zunächst außen herum. Für so manche Zuschauer sah das offenbar gewöhnungsbedürftig aus. Doch das Ergebnis gab den beiden Recht.
Vertrauen, das Türen öffnete
Eine weitere entscheidende Person in Emys Karriere ist Vivica. Sie schenkte der jungen Reiterin ein ganz besonderes Vertrauen: Emy durfte ihre Stute Desty reiten und sie im Viereck vorstellen.
Für Emy war diese Entscheidung alles andere als selbstverständlich. Im Stall gab es zahlreiche erfahrene und erfolgreiche Bereiter. Dass Vivica sich trotzdem für sie entschied, bedeutete ihr entsprechend viel. Gleichzeitig war die Nervosität groß, diesem Vertrauen auch gerecht werden zu können. Doch Emy nutzte ihre Chance.
Mit Carlo zu großen Momenten
Mit ihrem Herzenspferd Carlo folgten die Siege vier bis acht. Mit Carlo erlebte Emy einige ihrer wohl prägendsten Momente, darunter die Starts beim Bundeschampionat und zwei Runden bei den Weltmeisterschaftssichtungen für junge Dressurpferde.
Sechsjährig ging es für beide erstmals zum Bundeschampionat. Beide waren noch unerfahren und entsprechend aufgeregt, doch sie kämpften sich durch.
Ein Jahr später folgte erneut die Qualifikation. Diesmal mit mehr Erfahrung, aber nicht weniger Herzklopfen. Über das kleine Finale führte der Weg ins große Finale.
Kurz vor dem Start lagen die Nerven blank. Carlo begann plötzlich mit der Zunge zu spielen, etwas, das er bis dahin noch nie gemacht hatte. Also hieß es kurz innehalten, Zügel weg, Pause, Kopf aus.
Dann kam Vivica und nahm Emy den Druck. Mit der Hand auf ihrem Oberschenkel sagte sie ihr sinngemäß, dass sie bereits viel weiter gekommen seien als erwartet und einfach Spaß haben solle. Schlechter als Platz zwölf könne es schließlich nicht mehr werden.
Die Worte wirkten. Emy ging mit freiem Kopf ins Viereck und wurde Siebte.
Der neunte S-Sieg macht das Gold perfekt
Und auch beim nächsten entscheidenden Schritt war Vivica an Emys Seite. Sie überließ ihr Giovanni und mit ihm gelang Emy der neunte S-Sieg. In diesem Sommer folgte auf dem Uhlenhof außerdem die noch fehlende Drei-Sterne-Platzierung.
Damit waren die Voraussetzungen für das Goldene Reitabzeichen erfüllt.
Ein Erfolg, der für Emy weit mehr bedeutet als eine goldene Anstecknadel. Denn hinter diesem Abzeichen stehen zahlreiche Prüfungen, viele Trainingsstunden, Rückschläge, Erfolge und vor allem die Pferde, die sie auf ihrem Weg begleitet und ausgebildet haben.
Surprise du Jour, Carlo und Giovanni sind dabei mehr als nur Sportpartner. Sie sind für Emy die besten Pferde und Lehrmeister, die sie sich hätte wünschen können.


Ein Erfolg, der viele Namen trägt
Ein Goldenes Reitabzeichen ist ein großes Puzzle. Viele einzelne Teile müssen ineinandergreifen, bevor am Ende das Gesamtbild entsteht. Auch Emy weiß, dass ihre Erfolge ohne die Unterstützung zahlreicher Menschen nicht möglich gewesen wären.
Da ist Linda, die ihren LKW immer wieder zur Verfügung gestellt hat. Katrin und ihre Familie, auf die sich Emy jederzeit zu 2.000 Prozent verlassen kann. Und natürlich die vielen fleißigen Helferinnen und Helfer, die sich zuverlässig um die Pferde kümmern.
Eine besondere Rolle spielen dabei drei Menschen: Vivica, die Emy ihr Vertrauen schenkte; Pucki, die sie auch in schwierigen Zeiten nie aufgeben ließ; und Diethelm, der ihr den Startschuss für ihre weitere Karriere ermöglichte.
Und natürlich gehören auch Mama Cathy und Papa zu diesem Weg. Papa kann heute leider nicht mehr dabei sein, doch auf seiner Wolke dürfte er mit Sicherheit vor Stolz platzen.
Emely Schermucks Weg zum Goldenen Reitabzeichen zeigt einmal mehr, dass sportliche Erfolge selten allein entstehen. Sie sind das Ergebnis von Talent, harter Arbeit, den richtigen Pferden und Menschen, die im entscheidenden Moment an einen glauben.
Für Emy heißt es nun: goldene Ehrenrunde drehen, den Moment genießen – und natürlich weitermachen. Denn wer sie kennt, weiß: Das war sicher noch lange nicht das letzte Kapitel.
Fotos: Fotografie Düsseldorf/Sandra Beer





