Auch der Pferdebesitzer kann auf Wunsch von der Inhalation profitieren. Weitere Informationen zur Salzkammer auf dem Niershof und Kontaktdaten unter www.niershof.de  Fotos: Simone Stähn

Es liegt Salz in der Luft

Wenn Pferde mit Atemwegserkrankungen oder Allergien zu kämpfen haben, ist die Therapie oft aufwendig und zeitintensiv. Unterstützt werden können schulmedizinische Behandlungen zum Beispiel durch Besuche in mobilen oder fest eingerichteten Salzkammern. Dort atmet das Pferd solehaltige Luft ein, die mittels Vernebler in die Kammer geleitet wird.  

Jens Vollbrecht aus Marienheide ist einer der Vorreiter auf dem Gebiet der alternativen Solesysteme für Pferde und verleiht schon seit über acht Jahren seine “Halo-Hänger”. Das sind Pferdehänger, die er zu einer mobilen Salzkammer umgebaut hat. Salzkammer ist ein feststehender Begriff aus der Höhlen- oder Speläo-Anwendung, einer Therapie, die auf Salz basiert. Hierbei hält man sich für längere Zeit in Grotten, Salzbergwerken oder salzhaltigen Höhlen auf und nutzt deren gesundes Klima zur Behandlung von Atemwegs- und Allergieerkrankungen. Geschlossene Räume, in denen das Mikroklima von Salzbergwerken nachgeahmt wird, werden deswegen Salzkammern bzw. Salzgrotten genannt. „Als ein Bekannter von mir damals eine Salzkammer für den Humanbereich gebaut hat, stand bei uns im Stall ein dämpfiges Pferd. Da stellte sich für mich die Frage, warum es so etwas nicht für Pferde gibt”, erzählt Jens Vollbrecht, wie er auf die Idee zu der Halo-Inhalation für Vierbeiner kam. Mittlerweile betreibt er mit seinen Halo-Hängern mehrere mobile Salzkammern, die er sogar bis ins benachbarte Ausland verleiht.   

Die Kunden von Jens Vollbrecht sind Pferdebesitzer, deren Tiere an verschiedensten Krankheiten leiden: „Mit unseren Halo-Hängern kommen wir zu Pferden, deren Atemwege entzündet oder stark verschleimt sind oder die mit akuten Infekten zu kämpfen haben. Auch Allergiebeschwerden wie Asthma, chronische Bronchitis oder Dämpfigkeit können unserer Erfahrung nach deutlich reduziert werden. Die Halo-Inhalation kann aber auch, durch ihre antiseptische Wirkung -die allerdings nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist- die Symptome von Sommerekzemen, Mauke oder Schuppenflechte nach Kundenaussagen lindern. ” Oft sei, laut Vollbrecht, die mobile Salzkammer auch die letzte Anlaufstelle für Besitzer von kranken Pferden, da herkömmliche Therapien nicht den gewünschten Erfolg brachten.  

„Bei der Benutzung unseres Halo-Hängers wird die Thermal-Sole mit Hilfe eines Generators in den geschlossenen Pferdeanhänger gepumpt und so fein zerstäubt, dass es bis in die unteren Atemwege dringen kann ”, erklärt Jens Vollbrecht. „Dadurch wird der festsitzende Schleim in den Atemwegen verflüssigt und die Flimmerhärchen können wieder besser arbeiten und den Schleim abtransportieren. Hinzukommt, dass die Thermal-Sole eine antiseptische sowie beruhigende Wirkung auf den Atemtrakt hat. Die Entzündungen auf der Bronchialschleimhaut und im Atemtrakt können somit deutlich reduziert werden. Wir verwenden ausschließlich eine natürliche Thermal-Sole mit einem Mindestgehalt von zwölf Prozent und verzichten gänzlich auf Zusatzstoffe oder unnötige Chemie.” Damit die fein zerstäubten Salzteilchen sich gleichmäßig in der mobilen Salzkammer verteilen und sich nicht sofort absetzen oder verklumpen, werden sie durch einen starken mechanischen Impuls elektrostatisch aufgeladen. Somit kann sich die salzhaltige Luft laut Vollbrecht optimal entfalten.  

Die mobilen Salzkammern von Jens Vollbrecht sind auch außerhalb von Deutschland heiß begehrt. Foto: privat

Der Halo-Hänger wird von Jens Vollbrecht zu dem vierbeinigen Patienten gebracht und steht den Kunden dann für die gewünschte Zeit zur Verfügung. Doch ist die Handhabung auch für technisch nicht so versierte Menschen geeignet? „Abgesehen davon, dass der Pferdebesitzer von uns eine Einführung erhält, ist die Bedienung wirklich nicht sehr schwierig”, betont Jens Vollbrecht. „Das Gerät ist für den Anwender wartungsfrei und theoretisch wäre eine durchgängige Benutzung über drei Monate möglich. Der Pferdebesitzer muss bei der Benutzung des Halo-Hängers nur den Steuerungsschlüssel umdrehen, dann startet automatisch ein Programm, das nach einer gewissen Zeit von selbst wieder aufhört. Aus Erfahrungswerten haben wir einen Modus ermittelt, bei dem der Gehalt des Salznebels und die Dauer des Inhalierens den besten Erfolg bringen.” Um eine deutliche Verbesserung feststellen zu können, muss allerdings unserer Erfahrung nach, eine gewisse Anzahl an Sitzungen erfolgen. Wir haben festgestellt, dass, wenn das erkrankte Pferd nur dreimal im Halo-Hänger inhaliert hat, sich noch keine signifikante Verbesserung einstellt. Deshalb wird der Halo-Hänger nur ab einer Mindestanzahl von acht Sitzungen vermietet. Denn erst ab dann merkten wir in unserer damaligen Testreihe eine zuverlässigere Veränderung des Gesundheitszustandes”, erklärt Vollbrecht.  

Bei der Halo-Inhalation ist aber auch die Bewegung des Pferdes ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. „Während der Sitzungsphase muss das Pferd nicht geschont werden, sondern kann ganz normal – natürlich abhängig von der Erkrankung – bewegt werden. Wir empfehlen den Pferdebesitzern sogar die Bewegung direkt nach der Behandlung.”  

Der Aufenthalt in einer mobilen Salzkammer, der pro Sitzung in der Regel 45 bis 60 Minuten beträgt, funktioniert auch fast mit allen Pferden. „Nach unseren Erfahrungswerten kommen 95 Prozent der behandelten Pferde gut mit dem Konzept zurecht und gehen gerne in den Halo-Hänger. Sie stehen während der kompletten Behandlung ruhig und dösen manchmal sogar. Man kann den Pferden aber auch ein Heunetz hinhängen, damit sie beschäftigt sind”, so Vollbrecht.  

Neben dem Verleih des Halo-Hängers gibt Jens Vollbrecht den Pferdebesitzern aber auch gerne Tipps in Hinblick auf Fütterung, Bewegung und Haltung der Pferde. „Die Anwendung der mobilen Salzkammer kann den Gesundheitszustand des Pferdes nur dann verbessern, wenn das Umfeld und alle weiteren Faktoren stimmen. Wenn ein Allergiker zum Beispiel auf staubigem Stroh steht, kann man so viel inhalieren wie man möchte, das wird dann nicht den gewünschten Erfolg bringen.“  

Bisher fehlt es allerdings noch an wissenschaftlichen Studien, die den Heilungsprozess durch Salzkammern in der Tiermedizin dokumentieren. Daher dürfen Salzkammern für Pferde bisher nicht als medizinische Anwendungen deklariert werden.  

Salzkammern aus tierärztlicher Sicht 

Auch Tierärztin Dr. Marion Wickert ist von der Therapiemöglichkeit durch die mobile Salzkammer überzeugt. „Meiner Ansicht nach ist die Therapie durch die Salzkammer eine gute alternative Behandlung, da sie sehr schonend und komplett dopingfrei ist. Die Behandlung wirkt auch sehr gut in Kombination mit Akupunktur und Homöopathie”, betont Marion Wickert. Die Tierärztin betreibt mit ihrem Konzept der „sanften Tiermedizin“ eine eigene Praxis und kooperiert mit dieser bereits seit über zehn Jahren mit der Tierarztpraxis am Flügel in Burscheid, wo auch ihre eigenen Praxisräume untergebracht sind. Dr. Marion Wickert behandelt nicht nur Hunde und Pferde im nationalen und internationalen Leistungssport, auch diverse Deutsche Meister und Europameister verschiedener Disziplinen werden von der erfahrenen Tierärztin seit vielen Jahren betreut. 

„Der Einsatz von Salzkammern sollte nie für sich allein stehen, sondern stets die Schulmedizin begleiten. Denn neben der allgemeinen schulmedizinischen Untersuchung des vierbeinigen Patienten können spezielle Untersuchungsmethoden, wie zum Beispiel Auskultation (Abhören), Perkussion (Abklopfen), Bronchoskopie oder Blutgasanalysen vor, während und/ oder nach der Halotherapie angewendet werden. Zusätzlich ist je nach Gerät die Gabe von Medikamenten oder ätherischen Ölen möglich”, führt die Tierärztin fort, die über Zusatzqualifikationen in den Bereichen Akupunktur (ATF), Chiropraktik (IVCA), Laser-Photo-Therapie (COLLL), Goldimplantation und Verhaltenstherapie beim Pferd verfügt. 

„Die Anwendung und der Erfolg hängen dabei immer von dem Befund und der Konstitution des jeweiligen Pferdes ab. Deshalb kann man eine solche Sole-Therapie nicht generalisieren. Trotzdem kann ich bei Erkrankungen der Atemwege durchaus dazu raten, den Einsatz der Salzkammer – natürlich unter Anleitung – auszuprobieren“, erklärt die Veterinärin, die ebenfalls betont: „Um eine erkennbare Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes zu erzielen, muss man das Pferd allerdings mindestens 14 Tage lang kontinuierlich in der Salzkammer inhalieren lassen, wenn möglich sogar zweimal am Tag. Zehn Minuten reichen dabei nicht aus, sondern eine Mindestdauer von einer halben Stunde ist empfehlenswert.“  

Auf dem Niershof werden die vierbeinigen Patienten in der geräumigen Salzkammer wie im Pferdehänger festgebunden.

Eine sinnvolle Inhalationsbehandlung sieht für Dr. Marion Wickert dabei wie folgt aus: „Für mich wäre es optimal, das erkrankte Pferd nach dem Aufenthalt in der Salzkammer zu bewegen, denn es ist nicht nur mit der Inhalation der solehaltigen Luft getan. Nur wenn die Pferde danach bewegt werden, kann die Behandlung Erfolg haben. Dabei muss man natürlich den Krankheitszustand berücksichtigen. Ein Pferd mit chronisch obstruktiver Bronchitis kann man natürlich nicht eine halbe Stunde galoppieren lassen. Zusätzlich sollte man danach Futter auf dem Boden anbieten, damit das Pferd den Kopf senkt, sodass der durch Inhalation und Bewegung gelöste Schleim abfließen kann.“ 

Wichtig ist nach Ansicht der Tierärztin auch die Wahl des Standortes für die Salzkammer: „Da die Pferde sich pro Sitzung mindestens 30 Minuten in der Salzkammer befinden, sollte man darauf achten, dass die Anwendung an einem ruhigen Ort geschieht, um den besten Therapieerfolg zu erzielen. Im Sommer muss man außerdem bedenken, dass die Salzkammer im Schatten stehen sollte. Bei einem großen Stall mit genügend Bedarf lohnt es sich sicherlich, eine Box in eine feste Salzkammer umzubauen.“ 

Ebenfalls nicht zu vergessen: Jede Salzkammer ist anders. „Der Erfolg der Therapie hängt sehr stark von dem Vernebler ab, der eingesetzt wird“, weiß die Tierärztin. „Da in der solehaltigen Luft die Größe der Wassertröpfchen durchaus sehr unterschiedlich ausfallen kann, ist es schwierig, die Qualität und den Erfolg einer solchen Therapie zu verallgemeinern. Bei der Inhalation entscheidet die Tröpfchengröße auch darüber, ob das Inhalat in die tieferen Atemwegsregionen vordringen kann. Zu große Tröpfchen (>10µm) gelangen nicht bis in die tieferen Atemwege, zu kleine Tröpfchen (<0,5µm) werden hingegen wieder ausgeatmet und können ihre Wirkung in der Lunge nicht entfalten. Je nach Befund sollte man die Tröpfchengröße berücksichtigen.  

Daher sollten die Salzkammern stets nur als Ergänzung zur Behandlung mit schulmedizinischen Präparaten angewendet werden, vor allem wenn ein Pferd sehr stark verschleimt ist.“  Auch bei der Behandlung von Pferden mit metabolischen Problemen sieht Dr. Marion Wickert Behandlungserfolge. „Durch die Inhalation wird der ganze Stoffwechsel angeregt und Giftstoffe können besser abtransportiert werden.“ 

Fest installierte Salzkammer auf dem Niershof 

Die mühsame Therapie von Atemwegserkrankungen ist auch Heinz-Theo Stähn vom Niershof ein Begriff. „Da wir hier im Ruhrgebiet die Pferde nicht durch das natürliche Meeresklima therapieren können, habe ich mich dazu entschieden, einfach das Meer an den Niershof zu holen.” Etwas abseits von den restlichen Stallungen entstand so eine festinstallierte Salzkammer. Diese steht nicht nur den Einstallern zur Verfügung, sondern kann ab sofort auch von externen Pferdebesitzern genutzt werden. „Dadurch, dass das Gebäude komplett isoliert ist und man die abwaschbaren Wände sehr gut desinfizieren kann, ist es kein Problem, dass auch Pferde von außerhalb auf ärztliche Empfehlung hier behandelt werden können”, erklärt Heinz-Theo Stähn.  „In unserer Salzkammer wird bei der Solevernebelung ein mikrofeiner, trockener und tragfähiger Nebel erzeugt. Durch einen Ultraschallvernebler wird ein Mikroklima erzeugt, das dem eines Salzbergwerkes oder eines Meeresklimas nachgebildet wird. Wir bieten eine vier- bis achtprozentige Salzlösung an, wobei wir Salz aus den Salinen in Österreich benutzen. Die Salzaerosole bewegen sich in einer Größe zwischen 0,5 und 5 µm.” Auch auf dem Niershof dauert die Behandlung ungefähr 40 Minuten, um einen möglichst guten Effekt zu erzielen. 

Auch der Pferdebesitzer kann auf Wunsch von der Inhalation profitieren. Weitere Informationen zur Salzkammer auf dem Niershof und Kontaktdaten unter www.niershof.de Fotos: Simone Stähn

Genau wie bei der mobilen Salzkammer werden neben der Reinigung der Atemwege auch Lunge und Immunsystem gestärkt. Der Stoffwechsel wird angeregt und einem Leistungsabfall entgegengewirkt.  „Dadurch, dass das Pferd nicht nur durch eine Maske inhaliert, sondern der gesamte Raum vernebelt wird, hüllen die Salzpartikel auch die komplette Haut des Pferdes ein und werden in den Orgasmus eingeschleust. So kann sich die Salzinhalation auch positiv auf das Hautbild auswirken”, erläutert Stähn. 

Da die Salzkammer auf dem Niershof sehr geräumig ist, können dort – getrennt voneinander – zwei Pferde gleichzeitig behandelt werden. „Natürlich kann man unsere Salzkammer auch für ein einzelnes Pferd buchen. Zusätzlich bieten wir die Therapie außerdem auch für Hunde und Katzen an”, so der Stallbetreiber. Und auch der Pferdebesitzer, der seinen Schnupfen nicht loswird, kann zusammen mit seinem Pferd die Inhalation genießen und verschleimten Atemwegen den Kampf ansagen. 

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