Christian Kukuk. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Christian Kukuk. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Christian Kukuk beim Reiten mit blankem Schlaufzügel gefilmt

Auf Social Media ist ein Video aufgetaucht, das Olympiasieger Christian Kukuk zeigt, wie er seine EM-Stute Just Be Gentle mit blankem Schlaufzügel ohne zusätzlich am Gebiss befestigte Zügel reitet, und auf dem die Stute im Trab deutlich taktunrein geht.

Es sind nur 35 Sekunden, zwei Runden auf dem Zirkel: Der Olympiasieger Christian Kukuk sitzt im Sattel seiner EM-Stute Just Be Gentle. Auf der Schabracke ist das charakteristische „B“ der Beerbaum Stables klar zu erkennen. Eineinhalb Zirkelrunden lang lässt Kukuk die Stute langsam galoppieren. Sie ist auf Trense gezäumt. Doch am Gebiss ist kein Zügel befestigt. Stattdessen führt ein Schlaufzügel durch den Trensenring in die Reiterhand, die rückwärts einwirkend die Innenstellung der Stute zu erreichen sucht. Nach eineinhalb Runden Galopp pariert Kukuk durch. Just Be Gentle trabt deutlich taktunrein. Dann endet das Video.

Das Regelwerk

Schlaufzügel sind auf Arbeitsplätzen der Springreiter ein gewohntes Bild. Allerdings besagt Artikel 257 „Saddlery“ der FEI Jumping Rules:

„Reins must be attached to the bit(s) or directly to the bridle. A maximum of two pairs of reins may be used. If two pairs of
reins are used, one pair must be attached to the bit or directly to the bridle. Gags and hackamores are allowed.“

Zu Deutsch: Die Zügel müssen entweder am Gebiss bzw. den Gebissen oder direkt am Zaum befestigt sein. Es dürfen maximal zwei Zügel benutzt werden. Wenn zwei Zügel benutzt werden, muss ein Paar davon befestigt sein.

Das Reiten auf blankem Schlaufzügel ist also nicht nur nicht pferdegerecht und mit den Richtlinien für Reiten und Fahren nicht zu vereinbaren, sondern auch nach FEI-Regelwerk, das auf internationalen Turnieren zur Anwendung kommt, regelwidrig.

Das sagt der Reiter

Wir hatten Christian Kukuk gebeten, zu erklären, warum er die Stute auf dem Bild reitet wie er sie reitet und was er dazu sagt, dass sie klar taktunrein trabt. Er sagte:

„Nach Betrachten des kurzen Videos nehme ich die Kritik ernst. Mir ist es wichtig zu sagen, dass es keinerlei Beanstandungen von FEI-Offiziellen vor Ort hinsichtlich des Abreitens oder an der Ausrüstung des Pferdes gab. Die Stute wurde beim Vet-Check von Turniertierärzten zum Wettkampf anstandslos zugelassen und auch nach dem Turnier zeigte sie keinerlei Auffälligkeiten beim wöchentlichen Tierarzttermin zuhause.“

Das sagt die FN

Zudem hatten wir die FN um Stellungnahmen gebeten, auch vor dem Hintergrund, dass Dr. Dennis Peiler, der Vorstandsvorsitzende der FN, in einem Interview, das in der letzten Printausgabe der Rheinlands Reiter + Pferde erschienen ist, auf die Frage nach möglichen Konsequenzen bei regelwidrigem Verhalten von Kaderreitern sagte:

„Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Pferd ist für uns nicht verhandelbar. Wir nehmen jeden Hinweis auf tierschutzwidriges Verhalten sehr ernst – unabhängig davon, um wen es geht. Unser Anspruch ist es, dass alle Kader-Athleten als Vorbilder agieren – sowohl im Umgang mit dem Pferd als auch in ihrer öffentlichen Wahrnehmung. Wenn Fehlverhalten im Raum steht, prüfen wir das sorgfältig, bewerten es transparent und ziehen, wo nötig, Konsequenzen.“

Auf die Frage, wie sie vor dem Hintergrund dieser Aussage mit dem oben beschriebenen Video von Olympiasieger Christian Kukuk umgehen, ließ Dr. Peiler über die Pressestelle der FN folgendes Statement verschicken:

„Nach Bekanntwerden des Videos haben wir unverzüglich Kontakt zum Reiter aufgenommen und sind mit ihm im Gespräch. Das Reiten mit Schlaufzügeln ohne einen normalen Zügel entspricht nicht den FN-Richtlinien. Wir haben vor mehr als zehn Jahren den FN-Kriterienkatalog für den Vorbereitungsplatz entwickelt, der international auch seitens der FEI Anerkennung und Berücksichtigung findet. Offensichtlich war es in der Vergangenheit so, dass das Reiten nur mit Schlaufzügeln seitens der FEI-Offiziellen nicht geahndet worden ist. Deshalb haben wir die FEI aufgefordert, hier Klarheit zu schaffen. Auch bei uns in Deutschland liegen Anspruch und Wirklichkeit nicht immer ganz deckungsgleich und deshalb müssen auch wir auf allen Ebenen darauf achten, dass wir unsere Regeln noch konsequenter auf den Vorbereitungsplätzen umsetzen.“

Auf nochmalige Nachfrage bezüglich der ursprünglich in dem Interview getätigten Aussage, erhielten wir folgende Antwort:

„Wir haben als Verband umgehend reagiert. In Gesprächen mit der FN war er selbstkritisch und sich bewusst, dass er in dieser Situation nicht richtig agiert hat. Wir erwarten, dass er es zukünftig besser macht. Als Kaderreiter und Olympiasieger hat er eine Vorbildfunktion.“

Reaktion der FEI

Ferner haben wir die FEI gefragt, ob es vor dem Hintergrund von Art. 257 der Jumping Rules eine Reaktion des zuständigen Stewards gab und wenn nicht, warum nicht. Zumal das Pferd ja nicht taktrein ging. Ein Sprecher erklärte:

„Die FEI hat Kenntnis von dem im Umlauf befindlichen Video und steht in Kontakt mit den zuständigen Verantwortlichen der Veranstaltung. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen noch nicht alle offiziellen Berichte vor, sodass noch keine formelle Überprüfung eingeleitet wurde.“

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