Der Samstag in Frankfurt – ein spannendes Nürnberger Burg-Pokal Finale 2025 mit einer ganzen Reihe auffallender Pferde, gutem Reiten, das entsprechend honoriert wurde, und einem starken Siegerpaar.
Besagtes Siegerpaar waren Charlott-Maria Schürmann und ihr Dressurpferde-Weltmeister 2024, Life Time FRH. Als Gewinner der Einlaufprüfung gehörten sie zu den haushohen Favoriten heute, und der Rolle wurden sie gerecht. Rang zwei blieb auch wie gehabt bei Bianca Nowag-Aulenbrock und Vaida Girl OLD. Dahinter tat sich allerdings einiges. Der Überblick.
Vom Underdog zum Burg-Pokal
Das heutige Motto von Charlott-Maria Schürmann und Life Time FRH war vom ersten Moment an offensichtlich: Nur vorne gibt’s Geld. Das begann schon in der Trabtour mit maximal herausgerittenen Verstärkungen, weit kreuzenden Traversalen – wobei die nach links etwas schöner gebogen war als nach rechts – und einem fleißigen starken Schritt. Die Rückführung gelang sicher, die erste Schrittpirouette war ein Highlight, in der zweiten verlor der Hengst ganz kurz die Balance. Die Pirouetten arbeitete arbeitete Schürmann toll heraus, wobei die erste noch besser ausfiel als die zweite. Alle Lektionen gelangen mit großer Sicherheit und Selbstverständlichkeit. Vielleicht hätte man sich die Galopptour noch eine Idee getragener vorstellen können. Als die beiden dann auf die letzte Mittellinie abbogen, um zum Halten und Rückwärtsrichten anzusetzen, kam es jedoch zu einer ungeplanten Vollbremsung. „Da hat er sich vor seinem eigenen Schatten erschreckt“, so Schürmann. Darunter litt auch noch das anschließende Rückwärtsrichten, aber als es dann im Mitteltrab auf die Richter zuging, konnten die beiden wieder punkten. 76,512 Prozent bedeuteten den Sieg, für Schürmann den zweiten nach dem mit Burlington im Jahr 2012.
Seit Life Time vierjährig ist, hat Schürmann ihn im Stall. Kein Wunder, dass die beiden sich so gut kennen, dass sie auf Angriff reiten können. Schürmann sagt: „Ich vertraue ihm zu 1000 Prozent und kenne ihn in- und auswendig.“ Der Besitzer vertraute ihr den Hengst an, nachdem er selbst ein Pferd bei Schürmann ausprobiert hatte und begeistert war, wie gut dieses ausgebildet war. „Ich glaube, damals hat niemand gedacht, dass Life Time eines Tages hier in Frankfurt ganz vorne steht“, schmunzelt Schürmann bei der Erinnerung. „Der war noch total Baby und ein Schlaks. Er trabte normal, hatte immer viel Takt und Schwung, aber war halt nicht spektakulär.“ Sie aber glaubte an ihn. Denn entscheidend ist aus ihrer Sicht „das, was zwischen den Ohren ist“. Und das stimmt bei Life Time. „Er ist ein totaler Musterschüler!“, so die Ausbilderin.
Das hat er ihr nicht zuletzt heute wieder gezeigt. „Ich bin sprachlos, weil dieser Hengst vom Kopf her eine Granate ist. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass er sich ablenken lassen könnte. Aber ich merke, er hört die Klingel, dann atmet er einmal tief durch und dann geht’s los!“ Heftiges Nicken von Chefrichterin Dr. Evi Eisenhardt, bei dem letzten Satz von Schürmann während der Pressekonferenz. „Die hatten ganz schön Dampf drauf!“
Aus dem Urlaub auf Rang zwei
Der Sieger und die Zweitplatzierte haben zwei Dinge gemeinsam: Beides sind Dunkelfüchse, beide sind laut ihren Reiterinnen sehr schlau. Die Zweitplatzierte, das war die Vitalis-Tochter Vaida-Girl OLD mit Bianca Nowag-Aulenbrock. Die Stute war sicherlich nicht das Pferd mit dem meisten Potenzial des Starterfeldes, aber sie wurde top vorgestellt und machte insgesamt einen sehr willigen, zufriedenen Eindruck, obwohl sie von Zeit zu Zeit das Maul öffnete. Zu den Höhepunkten zählten unter anderem die Schritttour, die Pirouetten sowie das Halten und Rückwärtsrichten (wofür sie den Sonderehrenpreis bekamen), aber vor allem das Gesamtbild einer sehr „aufgeräumten“, korrekten Prüfung. Das war der Plan, sagte Nowag-Aulenbrock später: „Ich hatte Moni (Bundestrainerin Monica Theodorescu) in den Ohren, die mir noch gesagt hat ,Lass keine Punkte liegen, reit in die Ecken!'“ Gesagt, getan und mit 73,780 Prozent Zweite geworden.
Und das, obwohl die beiden erst auf den letzten Drücker ins Finale nachgerückt waren. Als sie davon erfuhr, war Bianca Nowag bereits in Urlaubsstimmung. „Ja, wir hatten kurz überlegt, ob wir den absagen. Aber dann hätte ich nun einen Ehemann weniger …“ Das wollte sie nicht riskieren, fuhr in die Sonne, kam zurück und hat geliefert.
Borghese mit Traumrunde
Gleich das erste Paar heute Morgen lieferte einen richtigen Bilderbuchritt: Burg-Pokal Debütantin Kira Laura Soddemann auf dem neunjährigen westfälischen Wallach Borghese MT. Der wunderschöne Fuchs v. Baccardi zeigte einen natürlichen, kraftvollen Bewegungsablauf und wunderbar geschmeidige Traversalen im Trab. Die Verstärkungen waren ausdrucksvoll und genau im richtigen Maß mit ehrlichem Verlängern der Tritte bei passender Rahmenerweiterung. Das ganze Ausdrucksverhalten des Westfalen zeigte ein zufriedenes, gerne mitarbeitendes Pferd, das sich zu jeder Lektion losgelassen und vertrauensvoll gehorsam präsentierte. So ging es weiter im Galopp. Der Fuchs hat einen sehr guten Grundgalopp und daraus entwickelte er ausdrucksstarke, schnurgerade Serienwechsel. Die Rechtspirouette war noch recht groß und wenig versammelt, die nach links viel besser. Die Ganze Parade vor dem Rückwärtsrichten gelang nicht ganz geschlossen und das Rückwärtsrichten geriet etwas eilig. Aber alles in allem war das eine Traumrunde des Paares, die mit 73,195 Prozent bewertet wurde und lange Zeit den Maßstab setzte.
Und das, nachdem sie in der Einlaufprüfung nur Zehnte gewesen waren. „Donnerstag bin ich rausgekommen und habe zu meinem Team gesagt, Mensch wie blöd, das können wir doch viel besser! Wenn man etwas besonders schön machen möchte, geht es manchmal ganz schön schief“, stellte Soddemann schmunzelnd fest. Also, alles auf Anfang. „Ich habe mich besonders gefreut, heute als erste reiten zu dürfen und habe gesagt, so, jetzt machen wir das wie immer und ein bisschen auf Sicherheit!“ Die Rechnung ging auf. Ein Learning für die Zukunft, denn auch das verriet Soddemann: „In der Vorbereitung haben wir schon weiter geübt“. Sprich, in Richtung S***. Die beiden sind erst seit Anfang des Jahres ein Team. Zuvor war der Fuchs von Dorothee Schneider bis zur schweren Klasse gefördert worden. Dass es gleich in der ersten Saison so gut lief, hat aus Soddemanns Sicht zwei Gründe: „Borghese ist ein sehr selbstsicheres Pferd und war sehr gut ausgebildet.“
Stilpreis für Greta Busacker
Apropos Traumrunde – eine solche zeigten auch Greta Busacker und ihre elegante, leichtfüßige Primaballerina Frieda NRW. Zumindest bis zur zweiten halben Pirouette. Da musste die achtjährige For Dance-Tochter einem dringenden Bedürfnis nachgehen und dafür einmal abbremsen. Kollektives Aufstöhnen in der Frankfurter Festhalle. Das war teuer. Doppelt teuer, denn die Pirouetten zählen zweifach. Aber Greta Busacker ließ sich davon überhaupt nicht irritieren und sorgte auch nach diesem Intermezzo wieder für echte Gänsehautmomente mit ihrem feinen Reiten und ihrer wunderbar durchlässigen, willigen Stute.
Durch den Patzer kamen sie diesmal nicht über 71,903 Prozent und den siebten Platz hinaus. Kleiner Trost: Greta erhielt den Stilpreis – allein in dieser Saison schon zum vierten Mal. Was die Tochter von Ingrid Klimke dazu sagt? „Ich glaube, ich habe das große Glück, dass ich von Anfang an korrektes Reiten lernen durfte, und Frieda macht es mir leicht, weil sie so super sensibel ist“, so die 23-Jährige ganz bescheiden.
Der Nürnberger Burg-Pokal ist ganz sicher nicht das Ende der Fahnenstange für das Paar. Greta verriet, dass die Stute die Lektionen der Klasse S*** bereits beherrscht. Die U25- bzw. Louisdor-Preis-Tour, wo ja die gleichen Aufgaben geritten werden, wird das nächste Ziel für die beiden.
Die beiden Rheinländerinnen
Bestes Paar mit rheinischen Wurzeln waren Beatrice Hoffrogge vom RFV Graf von Schmettow-Evesael und ihr achtjähriger Oldenburger Hengst Zuperman. Der macht seinem Namen alle Ehre, wenn er in den Verstärkungen – insbesondere im Galopp – losfliegt. Ein Highlight war auch die Rechtspirouette. Leider wirkte der Vincent Maranello-Sohn heute in der Anlehnung etwas „nörgelig“, woraus sich dann auch ein Fehler in den Serienwechseln ergab, die ansonsten mit viel Abdruck und Ausdruck gesprungen waren. Insgesamt wurden es genau 72 Prozent für den Oldenburger Hengst, den Beatrice Hoffrogge als ihr „Hobbypferd“ bezeichnet, weil er ihr selbst gehört und nicht verkäuflich ist.
Es gab noch ein Paar, bei dem die ganze Festhalle mitgelitten hat: Jessica Süß und Dynoro. Die Prüfung des Paares begann so toll mit einer mustergültigen Grußaufstellung und einem herrlich schwungvollen, positiven Anfang in den Trabverstärkungen und den Traversalen. Noch besser wäre es gewesen, wenn Dynoro nicht nur seinen Rahmen erweitert, sondern dabei auch seine Nase vor die Senkrechte gestreckt hätte. Aber er wurde trotzdem nicht kurz im Hals und blieb vor den treibenden Hilfen. Der Moment des Aufstöhnens kam bei den Viererwechseln, die super begannen, bis Dynoro den letzten vorne nicht mitsprang. Schade! Aber alles in allem eine schöne Runde von der Ausbilderin vom RSV Krefeld und ihrem achtjährigen Danone-Sohn, den sie schon seit vierjährig ausbildet. 71,512 Prozent bedeuten Rang acht.
Pferde, die Eindruck gemacht haben
Eines der talentiertesten Pferde dieses Finales war der achtjährige Morricone I-Sohn Manolo FRH von Borja Carrascosa. Die Trabverstärkungen waren einfach „wow“. Doch leider blieb der ausdrucksstarke Braune dabei hoch und eng aufgerichtet. Im starken Schritt marschierte er fleißig, raumgreifend und taktischer los. In der Rückführung war der Takt nicht mehr ganz so eindeutig. Nach den Schrittpirouetten galoppierte der Wallach einmal kurz falsch an, die Galopppirouetten waren noch recht groß, die Serienwechsel schwankend und die ganze Parade auf der Mittellinie war verstolpert, das Rückwärtsrichten danach eilig. Es waren also viele Faktoren, die die Gesamtnote beeinträchtigten. Aber Talent hat dieses Pferd im Übermaß. Mit 73,171 Prozent wurde es heute Rang vier.
Noch ein Pferd mit Talent im Übermaß ist die Hannoveraner Bon Coeur-Tochter Bayside AK von Juliane Brunkhorst. In der Einlaufprüfung war die elegante Schwarzbraune Dritte geworden. Schon da konnte man erahnen, dass Brunkhorst alle Erfahrung, Gefühl und Können in die Waagschale werfen musste, um die sensible Stute durch die Prüfung zu lavieren. Und da war die Festhalle noch leer. Heute war sie voll bis unters Dach und die Stimmung entsprechend. Das merkte man Bayside an. Brunkhorst versuchte die Spannung übers Leichttraben zu lösen, ehe die Aufgabe anfing. Aber so ganz wollte ihr das nicht gelingen. Es spricht für das Vertrauen zwischen Pferd und Reiterin, dass sie trotz der Spannung quasi „unfallfrei“ durch die Prüfung kamen. Aber über 69,390 Prozent (Platz neun) kamen sie heute nicht heraus. Ein „Zukunftspferd erster Güte“ nannte Hess die leichtfüßige Stute, und da hat er Recht. Brunkhorst sagte: „Man hat ja gesehen, dass sie viel zu tun hat mit dieser Atmosphäre. Aber es freut mich, dass ich es geschafft habe, ihr Vertrauen zu geben.“ Zu recht.
Alle Ergebnisse vom Finale des Nürnberger Burg-Pokals 2025 finden Sie hier.
Tradition, die bleibt
Dies war das 34. Finale des Nürnberger Burg-Pokals, und Andreas Politycki als Vertreter des Sponsors beteuerte etwas, was die Familie Rath/Linsenhoff als Frankfurter Veranstalter gerne gehört haben dürften: „Diese Tradition ist gesetzt.“ Sprich, der Burg-Pokal bleibt und das Finale bleibt in Frankfurt. Für die neue Saison hatten sich 25 Turnierveranstalter beworben. Eine neue Station wird es im kommenden Jahr geben: den Fichtenhof der Familie Petit in Schäftlarn.
Die Stationen im Überblick:
• Hagen, Horses & Dreams, 22. bis 26. April 2026
• München, Pferd International, 14. bis 17. Mai
• Balve, Longines Balve Optimum, 04. bis 07. Juni
• Görlitz, Görlitzer Summerweeks , 16. bis 19. Juni
• Elmlohe, Elmloher Reitertage, 30. Juli bis 2. August
• Schäftlarn, Fichtenhof Classics, 03. bis 06. September
• Darmstadt-Kranichstein, Herbstmeeting, 17. bis 20. September
• Guxhagen-Dörnhagen, Nationales Hallenreitturnier, 16. bis 18. Oktober
• FINALE Frankfurt, Internationales Festhallen Reitturnier, 16. bis 20. Dezember





