
Eine äußerst spannende und interessante Weltcup-Etappe von Neumünster endete mit einem belgischen Doppelerfolg, einem tollen dritten Platz für João Pedro Moreira und dahinter einer Reihe viel versprechender Nachwuchsreiter.
Der Sieg in der Weltcup-Etappe von Neumünster ging an die Zweitplatzierten des Grand Prix, Larissa Pauluis und Flambeau. Mit einem neuen persönlichen Bestergebnis von 84,015 Prozent setzten sie sich gegen Justin Verboomen und Djembé de Hus durch, die heute mit 81,985 Prozent aus dem Viereck gekommen waren. Die eigene Messlatte ein Stückchen höher gehängt haben auch der im Münsterland ansässige und für den RV Graf von Schmettow Eversael reitende João Pedro Moreira mit seinem Fürst Kennedy: 81,080 Prozent sind nicht persönlicher Rekord, sondern waren heute auch ein toller dritter Platz für den Portugiesen.
Kraftpaket Flambeau
Piaffieren und Passagieren konnte Larissa Pauluis‘ Ampere-Sohn Flambeau schon immer wie ein Weltmeister – taktsicher wie ein Metronom, aktiv vom Boden wegfedernd bei vorbildlicher Hankenbeugung. Aber er musste erst 16 Jahre alt werden, bis er für Einreiten-Halten-Grüßen eine 10,0 erhielt. „Das klappt erst seit zwei Monaten und ich habe fünf Jahre dafür geübt“, berichtete Pauluis später in der Pressekonferenz. Sie strahlte aus allen Knopflöchern. Zu recht. Es war eine sehr schöne Vorstellung des Paares. Sicher, man wünschte sich den Braunen weniger hoch und eng eingestellt. Doch gleichzeitig wirkt die Reiterhand niemals rückwärts ein. Die Serienwechsel gelangen sicher, die Verstärkungen waren mutig nach vorne herausgeritten.
Schon bevor die Noten verkündet wurden, bejubelten die Zuschauer das Paar mit Begeisterung. Mit dem heutigen Sieg hat Larissa Pauluis die Führung im Weltcup-Ranking übernommen. Ob sie wirklich nach Texas fliegt, weiß sie allerdings noch nicht. „Ich würde gerne, aber die Reise ist weit und das oberste Ziel ist die Qualifikation für die Mannschaft für die WM in Aachen.“
Aufgeregter Djembe de Hus
Für Djembe de Hus ist beides kein Thema. Der Damon Hill-Sohn steht zum Verkauf. Das sagte Justin Verboomen heute noch mal in der Pressekonferenz. Wer auch immer diesen talentierten Fuchs letztlich übernimmt, er muss als Reiter in große Fußstapfen treten. Das wurde heute noch deutlicher als im Grand Prix. Djembe de Hus war aufgeregt. Stillstehen bei der ersten Grußaufstellung? Nicht dran zu denken. Er begann schon mal zu piaffieren. Doch wo andere Pferde dann auch im Körper Spannung aufbauen und ihre Reiter zu ziehen beginnen (oder auch umgekehrt), behielt Verboomen die Ruhe und ritt einfach weiter, als sei nichts. Ein Highlight folgte aufs nächste. Jede Bewegung bei dem Fuchs ging von hinten-unten nach vorne-oben durch den ganzen Körper und endete in der vertrauensvollen, federleichten Anlehnung. Es war spektakulär schön. Sähe der ganze Sport so aus, gäbe es keine Social License-Debatte.
Zumal es allein das Vertrauen zu seinem Reiter gewesen sein dürfte, das der Grund war, dass Djembe de Hus trotz seiner Anspannung so abgeliefert hat. Wie aufgeregt er war, zeigte sich in der Schritttour, in der er im Grunde durchgängig zackelte. Verboomen sagte später, er habe schon beim Abreiten gemerkt, dass der Schritt heute zum Problem werden könnte. Erst ganz zum Schluss kam er zum Schreiten. „Leider zu spät“, wie Verboomen lakonisch feststellte.
Platz drei für Kennedy
Auch João Pedro Moreira war mehr als zufrieden mit seinem Auftritt als letzter Starter heute auf seinem elfjährigen Fürsten-Look Sohn Fürst Kennedy, den er zweijährigen übernommen und selbst ausgebildet hat. Besonders, weil heute das klappte, was im Grand Prix noch nicht gelang: eine saubere Runde. „Es war es mir wichtig, eine fehlerfreie, harmonische Prüfung zu zeigen. Kennedy ist ein besonderes Pferd, und ich habe ihm wieder gesagt: Bitte hilf mir heute durch die Prüfung. Trotz seiner geringen Erfahrung hat er sich großartig angefühlt – besonders in der Trabtour. Ich bin unglaublich stolz auf ihn.“
Im Weltcup-Ranking liegt Moreira auf Rang 16. Angesichts dessen, dass bereits einige andere vor ihm rangierte Reiter angedeutet haben, ihren Startplatz beim Finale in Fort Worth eventuell nicht wahrnehmen zu wollen, stünden seine Chancen auf die Teilnahme am ersten Weltcup-Finale eigentlich gut. Aber wie Larissa Pauluis sagt auch er, dass die Reise sehr weit ist, und dass der Fokus der Saison auf der WM in Aachen und einer potenziellen Olympiaqualifikation liegt.
Tolle Auftritte von Netz und Treffinger
Zwei, die das Weltcup-Finale in Fort Worth auf keinen Fall versäumen wollen, sind Raphael Netz und Moritz Treffinger. Raphael Netz ritt seinen Great Escape Camelot mit 80,940 Prozent auf Rang vier – auch dies war ein Personal Best trotz Fehlern in den Einerwechseln. Moritz Treffinger und Fiderdance verbuchten dahinter mit 78,365 Prozent Rang fünf.
Ihre beiden Pferde könnten unterschiedlicher nicht sein, aber die Reiter haben einiges gemeinsam – beide sind unter 30, beide sind bzw. waren mehrfache U25 Europameister, beide haben einen ausgesprochen eleganten und effektiven Sitz, beide reiten mit viel Gefühl und gleichen so auch manche Schwäche ihrer Pferde aus.
Raphael Netz (26), bei dem immer wieder begeistert, wie er der Hand buchstäblich hinterherreitet, hat das Ticket für Fort Worth und damit sein zweites Welcup-Finale bereits sicher in der Tasche. Welches Pferd er reiten wird, Neumünster-Partner Great Escape Camelot, oder doch Zukunftshoffnung Dieudonné, weiß er noch nicht.
Moritz Treffinger (22) sagte nach seinem wunderbaren Ritt, der ihn selbst zu Tränen rührte, und der vom Publikum gefeiert wurde wie ein Sieg, ehe er zur ersten Weltcup-Etappe seines Lebens in Herning aufgebrochen war, habe er an das Finale keinen Gedanken verschwendet. Doch als er nicht nur hier, sondern auch in Stuttgart, London und Amsterdam gepunktet hat … Nun steht er mit einem Fuß praktisch schon im Flieger. Ob es klappt, entscheidet sich Mitte März. Dann hat er in ’s-Hertogenbosch noch einmal die Gelegenheit zu punkten.
Nach dem heutigen Auftritt ist Treffinger Zehnter der Westeuropa-Liga. Zwei Reiterinnen sind vor ihm und seiner „Mit-Zehnten“ Alexa Fairchild (BEL) gleichauf auf dem achten Platz rangiert. Die besten neun des Rankings reisen zum Finale. Wenn zwei Reiter gleichauf auf dem letzten Rang liegen, entscheidet die höhere Durchschnittsbewertung in den Qualifikationen. In der Westeuropa-Liga können die Paare bis Platz 14 nachrücken, sollte ein vor ihnen rangierter Qualifizierter sich entscheiden, nicht am Finale teilzunehmen. Insofern stehen die Chancen für Treffinger recht gut.





