Kutsche2

Auf den Esel gekommen

Was ist besser als ein Esel? Zwei Esel! Was es mit der Faszination Esel auf sich hat und was man beachten sollte, wenn man sich selber ein Langohr anschaffen möchte, verrät Eva Wallrath.

„Ich konnte meinen Mann nicht für ein weiteres Pferd begeistern, aber auf einen Esel konnten wir uns einigen”, erzählt Eva Wallrath von dem Start in ihr Leben mit den Eseln. „Wir kauften Eselstute Gisela, deren Bauch nach einigen Monaten immer größer wurde. Zuerst dachten wir, unsere Futterrationen wären vielleicht etwas zu großzügig bemessen, doch Gisela war einfach trächtig”, erinnert sie sich schmunzelnd. Selbst im Sattel, aber auch an den Leinen erfolgreich, bildete sie die beiden Esel selbst aus: „Da Gisela und Frieda nicht groß genug dafür sind, reiten wir sie natürlich nicht, aber es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie man Esel einsetzen kann. Beide sind eingefahren, beherrschen viele Lektionen der Bodenarbeit und werden von uns als Packtiere auf Wanderungen eingesetzt.”

Esel brauchen Aufgaben

So begeistert sie selbst auch von den Eseln ist, rät sie möglichen Interessenten, sich vorher genau über Esel und ihre Bedürfnisse zu informieren: „Man sollte sich wirklich überlegen, ob man sich einen Esel anschafft, denn man wird ihnen nicht gerecht, wenn man sie nur als Rasenmäher auf der Wiese hält. Nicht umsonst sind Esel in aller Welt als Arbeitstiere im Einsatz und brauchen auch im Freizeitbereich genügend Auslauf und eine Aufgabe.”

Auch wenn Esel und Pferde beide zur Rasse der Equiden gehören, unterscheiden sie sich nicht nur durch die Länge ihrer Ohren. „Esel verfügen – im Gegensatz zu Pferden – kaum über einen Fluchtimpuls. Wenn sie sich erschrecken, zucken sie zusammen, bleiben aber stehen und rennen nicht davon”, erzählt Eva Wallrath. Diese Eigenschaft ist den Herkunftsländern der Esel geschuldet: „Esel kommen ursprünglich aus den gebirgigen und steinigen Steppen Nordafrikas. Im Gebirge würde es den Tod für den Esel bedeuten, wenn er vor Schreck zur Seit springt.” Zu dem schwachen Fluchtinstinkt gesellt sich eine weitere Charaktereigenschaft, die bei Pferden eher selten zu finden ist: „Esel sind deutlich wehrhafter als Pferde und verteidigen sich gegen Angreifer. In vielen Ländern werden sie daher zur Bewachung von Schafen, Ziegen oder Kühen eingesetzt. Hierbei setzen sie sich erfolgreich gegen Wölfe, Kojoten und Raubtiere zur Wehr”, weiß die Eselbesitzerin.

„Esel sind keine Fluchttiere und sehr mutig. Dafür aber oftmals auch sehr stur.“

Eva Wallrath

Dadurch, dass Esel so mutig sind, sind sie perfekte Partner vor der Kutsche: „Esel eignen sich super zum Kutschefahren, weil sie nicht kopflos davonstürmen, wenn ihnen etwas Angst macht. Doch auf der anderen Seite sind sie manchmal etwas eigenwillig und bleiben stehen, wenn ihnen etwas nicht geheuer ist oder wenn sie lieber einen anderen Weg gehen wollen. Was von den Menschen als ‘stur’ ausgelegt wird, ist einfach eine evolutionär bedingte Überlebensstrategie der Esel.” So kann es schon mal passieren, dass Eva Wallrath mit der Kutsche – aber auch wenn sie mit den Eseln wandern geht – mehrere Minuten nicht von der Stelle kommt, da die Esel wie angewurzelt stehen bleiben. „Dann hilft nur Geduld. Mit Druck kommt man bei Eseln nicht weiter, sondern erreicht nur das Gegenteil. Man muss die Esel so überlisten, dass sie den Eindruck haben, es wäre ihre Idee”, erklärt Eva Wallrath. 

Wenn beispielsweise ein Pferd beim Ausreiten nicht weitergehen will, hilft es meistens, dass ein anderes Pferd vorgeht. Nicht so bei Eseln: „In der freien Wildbahn gibt es zwar Herdenbildung, aber viele Esel leben auch als territoriale Einzelgänger, die ihr Revier verteidigen. Und auch die domestizierten Esel verspüren nicht den Herdentrieb, wie man ihn von Pferden kennt”, betont die Eselbesitzerin. Aber die Eigenschaft der Esel, zwischendurch einfach mal stehen zu bleiben und sich nicht vom Fleck zu rühren, hat auch eine positive Seite: „Man bekommt einen ganz neuen Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier: Bei Eseln muss man sich in Geduld üben und akzeptieren, dass man als Mensch nicht immer die Überhand hat. Und man braucht auch durchaus Humor, wenn man mit den Eseln unterwegs ist, sie nicht weiterwollen und andere Menschen gut gemeinte Ratschläge geben”, erzählt die Eselbesitzerin schmunzelnd.

Zuckerschock! Es gibt wohl kaum etwas Süßeres als ein Eselfohlen.

Doch es gibt zwischen Eseln und Pferden auch einige Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel was das Futter betrifft, denn durch das karge Herkunftsland ist der Esel sehr genügsam. „Ähnlich wie bei Shetlandponys muss man bei Eseln aufpassen, dass sie nicht zu dick werden, da sie sehr leichtfuttrig sind.“ Bei der Haltung von Eseln muss man außerdem folgendes beachten: „Genau wie Pferde können Esel sehr gut Kälte und Hitze vertragen, sind aber empfindlich bei Nässe. Schon bei leichtem Nieselregen – den die meisten Pferde noch sehr angenehm finden – suchen die Esel im Unterstand Zuflucht.“ 

Lustige und laute Gesellen

Und was man keinesfalls unterschätzen sollte: Esel sind laute Mitbewohner. „Bevor man sich einen Esel anschafft, sollte man mit seinen Nachbarn oder der Stallgemeinschaft sprechen, denn ein Esel begrüßt jeden mit Geschrei und teilt sich generell gerne lautstark mit.”

Doch selbst wenn man sie vielleicht nicht unbedingt zum Nachbarn haben möchte: Esel sind echte Publikumsmagnete. „Sobald wir mit unseren beiden Eseln wandern gehen oder mit der Kutsche fahren, kommen immer Spaziergänger auf uns zu und wollen die Esel streicheln. Bei Pferden haben doch viele Menschen Berührungsängste. Das habe ich bei unseren Eseln selten erlebt”, so Wallrath.

So macht Schlittenfahren Spaß: Eva Wallrath und Esel Gisela genießen die weiße Winterlandschaft.

Doch so begeistert wie die Zweibeiner, sind andere Vierbeiner nicht unbedingt: „Der Großteil der Pferde, denen wir mit unseren Eseln begegnen, reagiert skeptisch bis ängstlich.“ Und egal wie gut die Esel vor der Kutsche laufen, mit dem Eselgespann an regulären Fahrturnieren teilzunehmen wäre definitiv undenkbar. „Der Vorbereitungsplatz wäre sofort wie leergefegt, wenn ich nur einmal außen herumfahren würde”, meint Eva Wallrath, die mit ihren Pferden erfolgreich an Fahrprüfungen bis zur Klasse M teilnimmt. 

Doch auch für ambitionierte Eselhalter gibt es Startmöglichkeiten, denn mittlerweile gibt es eigene Turniere für Esel und Maultiere, deren Angebot von Fahrprüfungen und Bodenarbeit bis hin zu Dressurprüfungen für die größeren Esel reichen.

Esel-Infos

Weitere Informationen über Esel gibt es unter:

http://esel.org

http://www.eselzuchtverband.de/

Titelbild: Jürgen Wallrath

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