Wetterextreme wirken sich nicht nur auf die Pferdehaltung aus – auch die Reitböden, vor allem auf Außenplätzen, müssen den Kapriolen trotzen. Im Sommer werden sie schnell zur Sandwüste, in der kälteren Jahreszeiten müssen sie den Wassermassen trotzdem. Welche Systeme helfen, dass die Plätze dennoch bereitbar bleiben, haben wir für Sie herausgefunden.
Der vergangene Winter hatte es in sich: Dauerregen war an der Tagesordnung, in ganz Deutschland hatten die Reitbetriebe mit den Wassermassen zu kämpfen. Vielerorts schwammen die Pferde mehr auf den Paddocks als dass sie standen und in Ställen, die nur über einen Außenplatz verfügten, war an Training nicht zu denken, denn auch das wurde regelrecht zur Schlammschlacht.

Ebbe und Flut: Auch bei Wetterextremen
Eine Lösung, die sowohl für Starkregenfälle und nasse Perioden, aber ebenso für Dürrezeiten ideal ist, sind Ebbe-Flut-Reitplätze. „Wer seinen Platz das ganze Jahr über nutzen möchte, ist mit diesem System am besten beraten“, sagt Martin Nobbe. Er hat sich mit seinem Unternehmen D&N Bewässerung nicht nur auf Garten- und Sportplatzbewässerung, sondern auch auf die Bewässerung von Reithallen, -plätzen sowie Ebbe-Flut-Systeme spezialisiert. „Ein Ebbe-Flut-System ist eine ausgeklügelte Bewässerung, die den Feuchtigkeitsgehalt des Reitbodens konstant hält und die Bodenbeschaffenheit erheblich verbessert. Dabei wird das Prinzip der Gezeiten genutzt – daher der Name. Die Installation erfolgt direkt unter der Reitfläche und ist somit unsichtbar und sicher für Reiter und Pferd“, erklärt Nobbe. „Der Reitplatz wird durch ein intelligentes unterirdisches Netzwerk automatisch be- und entwässert und hält so den Reitboden in einem idealen Zustand.“ Zum einen sammele sich so kein Wasser mehr auf dem Platz, zum anderen entfalle die Staubentwicklung, da der Platz immer den perfekten Feuchtigkeitsgrad aufweise.
Ebbe-Flut-Reitblatzbewässerung vs. Traditionelle Bewässerung
| EBBE-FLUT SYSTEM | TRADITIONELLE BEWÄSSERUNG | |
| Feuchtigkeitsregulierung | Reguliert die Feuchtigkeit konstant und gleichmäßig von unten, was eine optimale Bodenfeuchtigkeit sicherstellt. | Abhängig von manueller Bewässerung und natürlichen Niederschlägen, was zu ungleichmäßiger Verteilung führen kann. |
| Wartungsaufwand | Minimaler Wartungsaufwand durch automatisierte Steuerungssysteme. | Manuelle Bewässerung erfordert ständige Überwachung und Anpassungen. |
| Bodenqualität | Fördert durch konstante Feuchtigkeit eine elastische, staubfreie und trittsichere Oberfläche. | Kann bei unregelmäßiger Bewässerung zu Staubbildung und Härten führen. |
| Witterungsabhängigkeit | Stellt unabhängig vom Wetter gleichbleibend optimale Trainingsbedingungen sicher. | Kann bei extremer Hitze oder starkem Regen zu schlechteren Trainingsbedingungen führen. |
| Umweltfreundlichkeit | Durch die effiziente Nutzung von Wasser und Energie ist das System umweltfreundlich. | Die herkömmliche Bewässerung kann aufgrund von Überschuss und ineffizientem Einsatz von Wasser und Energie weniger umweltfreundlich sein. |
| Langlebigkeit des Reitplatzes | Durch die konstante und gleichmäßige Feuchtigkeit kann die Lebensdauer des Reitplatzes verbessert werden. | Kann bei falscher oder unregelmäßiger Bewässerung zur schnelleren Abnutzung des Reitplatzes führen. |
Quelle: D&N Bewässerungssysteme
Mehrere Ablaufrohre verlegen
Um Wassermassen, die von oben kommen, besser ableiten zu können, empfiehlt Nobbe, mehrere Ablaufrohre zu verlegen, wenn ein Ebbe-Flut-System eingebaut wird. „Manchmal wird aus Kostengründen darauf verzichtet und es gibt nur einen einzigen Ablauf, da bekommt man dann schnell Probleme, wenn es viel und stark regnet“, sagt er. Und auch für die heißen Tage hat der Experte einen Tipp: „Es lohnt sich, darüber nachzudenken, eine Zisterne zu ergänzen.“ So muss nicht immer neues Wasser zugeführt werden – denn auch das schlägt sich bei Trockenperioden im Geldbeutel nieder. „Auf lange Sicht hat man die Investition schnell wieder raus“, ist Martin Nobbe überzeugt. Aus seiner Sicht empfehlenswert beim Bau eines Ebbe-Flut-Platzes sei zudem die Einbringung einer Schicht mit grobem Vulkangestein. „Kommt direkt Sand auf die Bewässerungsanlage, verstopfen die Rohre in der Regel viel schneller, als wenn man eine Zwischenschicht mit groben Steinen einfügt.“
Auch gibt es Unterschiede, was die Möglichkeiten der Automatisierung angeht. Kostengünstiger sind Systeme, die händisch nachjustiert werden müssen. Arbeitskraft hingegen gespart werden kann mit automatisierten Systemen, die eigenständig arbeiten und so die Bewässerung je nach Feuchtigkeitsgrad des Bodens selbst regulieren.
Staunässe auf dem Platz: Das können die Ursachen sein
Während ein Ebbe-Flut-Platz kein Gefälle aufweist, ist für die Entwässerung eines normalen Platzes mit Trenn-, Reit- und Tragschicht ein Gefälle unabdinglich – zwischen 0,7 und 1,8 Prozent sollten es schon sein, damit das Wasser sich nicht auf dem Platz sammelt. Auch gilt es, entsprechende Abläufe mit einzuplanen, wer dem Wasser aufgrund einer geschlossenen Reitplatzeinfassung keine Möglichkeit gibt, abzufließen, wird ebenfalls ein Problem mit Pfützenbildung bekommen.
Auch der verwendete Sand trägt entscheidend dazu bei, wie schnell sich Feuchtigkeit auf dem Platz sammelt. So speichert lehmhaltiger Reitsand das Wasser und kann schneller matschig werden und auch Hackschnitzel sind wenig ideal, um Wassermassen Herr zu werden.
Auch verschobene Sandschichten tragen dazu bei, dass es zu Staunässe auf den Plätzen kommt. Um dem vorzubeugen, ist gute Reitplatzpflege mit Bahnplanern und ähnlichem Gerät unabdinglich. Wer dennoch feststellt, dass der Boden sich verschoben hat, sollte ihn mithilfe von Lasertechnik wieder begradigen.
Zu guter Letzt sollte der Zustand des Reitplatzbodens in Augenschein genommen werden: Ist er schon älter und viel genutzt, nehmen die Schluff- und Schlämmanteile zu, die Wasserdurchlässigkeit nimmt ab. In dem Fall macht es Sinn, über einen Teil- oder Komplettaustausch der Tretschicht nachzudenken.
Reitplatzberegnung
Wer die Investition in ein Ebbe-Flut-System scheut, kann für die trockenen Sommermonate auch auf eine Bewässerungsanlage zurückgreifen – hier sorgen mehrere Sprenger dafür, dass der Boden ausreichend feucht gehalten wird, um elastisch zu bleiben und keinen Staub zu entwickeln. „Für einen 20 x 40m-Platz sind acht Sprenger ideal, um ein gleichmäßiges Ergebnis erzielen zu können“, berichtet der Fachmann. Dabei sollte auch einkalkuliert werden, dass sich der Wind auf die Reichweite der jeweiligen Sprenger auswirkt. „Auch wenn eine Reichweite von zehn Metern rechnerisch eigentlich ausreicht, empfiehlt es sich, lieber 15 oder 20 Meter zu wählen“, betont Nobbe. Da Reitplätze häufig eher auf freien Flächen zu finden sind, sei der Einfluss des Windes nicht unerheblich. „So erziele ich am Ende ein gleichmäßiges Ergebnis.“ In den warmen Monaten reiche es aus, die Bewässerung nachts 20 Minuten laufen zu lassen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Die Vorteile einer automatisierten Bewässerungsanlage liegen auf der Hand: Das manuelle Befeuchten des Bodens mit einem Wasserfass oder gar per Wasserschlauch entfällt. „Das System kann individuell nach den Bedürfnissen vor Ort eingestellt werden – man muss sich keine Gedanken mehr über den Zustand des Platzes machen“, sagt Nobbe. Viele Bewässerungen seien zudem bereits mit Regensensoren ausgestattet und passen die Intervalle entsprechend an, sollte bereits genügend Wasser von oben gekommen sein.
KASTEN
Der ideale Reitboden sollte…
…sich bei Betreten elastisch verformen
…eine Eindringtiefe von unter fünf Zentimetern haben
…scherfest sein
…Stöße absorbieren
Ein solcher Boden bedeutet gleichzeitig auch Tierschutz: Auf ihm belastet das Pferd seinen Bewegungsapparat gleichmäßig. Der Huf findet sicheren Halt, er sinkt nicht zu tief ein, die Bewegung wird abgefedert, sodass die Stoßbelastung minimal gehalten wird.
Denn: Ist der Boden zu tief, kommt es vor allem in Wendungen zu Überdehnungen der Gelenkaußenseiten und zur Stauchung der Gelenkinnenseiten. Darüber hinaus werden Oberarm- und Schultermuskulatur überdehnt. Bei zu hartem Boden ist es genau andersherum: Die Gelenkaußenseiten werden gestaucht, werden die Innenseiten überdehnt werden. Auch hier kommt es zur Überdehnung von Oberarm- und Schultermuskulatur.
Reithallenberegnung
Doch nicht nur im Außenbereich wünschen sich die Reiter besten Boden – auch in der Halle soll er optimal sein, um die Pferde gesundheitsschonend trainieren zu können. Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges auf dem Markt getan: Der Stallbesitzer kann zwischen verschiedenen Systemmodellen wählen. „Die klassische Variante ist die Düsenrohrberegnung, bei der ein festes Rohrsystem mit Nebeldüsen an der Decke der Reithalle montiert wird“, berichtet Martin Nobbe. „Die Sprühbalkenberegnung ermöglicht wiederum das mobile Besprühen der Reithalle mittels beweglicher Sprühbalken. Alternativ dazu gibt es auch das Sprühkreuz, welches ebenfalls die Reithalle abfährt und individuell ausrichtbare Düsen besitzt.“ Im klaren Kontrast zu den Deckenkonstruktionen zur Reithallenberegnung stehen Flur- und Unterflurbewässerung. Hier ist das Bewässerungssystem unter dem Reithallenboden montiert, weshalb während der Bewässerung problemlos in der Reithalle geritten werden kann. In Sachen Strangbewässerung rät Nobbe eher zu mehr als zu weniger Strängen. „Optimale Ergebnisse, mit denen man auch die tendenziell eher trockenen Bereiche erreicht, erzielt man mit acht Strängen“, ist er Experte überzeugt. So werde mittlerweile auch an den Kopfseiten der Halle ein Strang montiert.
Aber es muss nicht immer eine komplett neue Anlage sein, wenn es um die Hallenberegnung geht. „Es besteht auch die Möglichkeit, eine ältere, vorhandene Anlage zu optimieren“, betont Nobbe. Oft könne schon mit der Reinigung oder dem Austausch der vorhandenen Düsen und Filter eine deutliche Verbesserung erzielt werden. „Vielfach funktionieren die Düsen nach den Jahren einfach aufgrund von Kalk, Schmutz und Rost nicht mehr so richtig.“ Auch ist es möglich, eine computergesteuerte Bedienung aufzurüsten.





