Es surrt und brummt, beißt und sticht: Der milde und feuchte Winter hat dafür gesorgt, dass sich in diesem Jahr besonders viele Insekten rund um Weide und Stall tummeln. Was wirklich hilft, um die Blutsauger abzuwehren, haben wir für Sie zusammengetragen.
2024 ist wahrlich ein paradiesisches Jahr für die stechenden Parasiten: Wenig Frost und jede Menge Regen – der Deutsche Wetterdienst vermeldet sogar, dass in den letzten zwölf Monaten so viel Regen fiel, wie seit 1881 nicht, nämlich durchschnittlich 1000 Liter pro Quadratmeter – für die unliebsamen Plagegeister herrschen beste Bedingungen, um sich in Scharen zu vermehren. Vielerorts in Deutschland wird von wahren Mückenplagen berichtet. Gleiches gilt für die Zeckenpopulation: Auch hier werden deutlich gestiegene Zahlen vermeldet. Angezogen werden die Insekten vor allem durch Kohlenstoffdioxid, das von den Pferden ausgeatmet wird, ebenso wie vom Körpergeruch und dabei vor allem vom Schweiß.
Problematisch ist die Zunahme der Insekten nicht nur aufgrund juckender Stiche, sondern vor allem auch, weil nicht wenige von ihnen teils gefährliche Krankheiten übertragen können.
West-Nil-Virus im Vormarsch
In Deutschland auf dem Vormarsch ist das West-Nil-Virus, das von verschiedenen Stechmückenarten übertragen wird und bis vor einigen Jahren in unseren Gefilden noch gänzlich unbekannt war. Ursprünglich stammt es aus Afrika und wurde 1937 erstmals in Uganda festgestellt. Der erste bekannte Fall in Europa trat in den 60er Jahren in Frankreich auf, 2018 gab es den ersten infizierten Vogel in Deutschland, es folgten weitere Vögel sowie zwei Nachweise bei Pferden. Seitdem hat sich das Virus vor allem in Ostdeutschland immer weiter ausgebreitet, im vergangenen Jahr erreichten es das südliche Niedersachsen mit den ersten bestätigten Fällen.
Auch wenn Infektionen beim Pferd häufig symptomlos unerkannt bleiben, werden auch gefährliche Verläufe registriert: Neben Fieber kann es zu zentralnervösen Störungen verbunden mit Stolpern, Ataxien, allgemeiner Schwäche, Muskelzittern bis hin zu Lähmungen kommen. Schwerwiegende Verläufe erleiden durchschnittlich acht Prozent der Pferde, dann liegt die Sterbewahrscheinlichkeit bei bis zu 50 Prozent. Und selbst wenn sie überleben, können die betroffenen Tiere ein Leben lang unter den Folgen der Erkrankung leiden.
Immer mehr Pferdebesitzer wollen das Risiko einer Erkrankung nicht eingehen und entscheiden sich daher prophylaktisch für die West-Nil-Impfung. Für Pferde, die in den stark betroffenen Gebieten leben oder dorthin transportiert werden, wird sie auch schon seit einiger Zeit empfohlen. Bereits Fohlen können grundimmunisiert werden: Im Abstand von drei bis sechs Wochen wird zwei Mal geimpft und dann jährlich neu immunisiert. Als Stichtag für die erste West-Nil-Impfung gilt der 1. Mai.
Zecken: Borreliose, FSME, Anaplasmose
Ein weiterer blutsaugender Übeltäter, der bekanntermaßen Krankheiten überträgt, ist die Zecke, die insbesondere als Überträger von Borreliose bekannt ist. Laut Robert-Koch-Institut sind rund ein Drittel aller Zecken Überträger. Dabei ist Borreliose eine Erkrankung beim Pferd, die häufig unerkannt bleibt: Während Experten davon ausgehen, dass sie bei vielen Pferde symptomlos bleibt, kann es auch zu schweren Krankheitsverläufen kommen. Beginnend mit unerklärlichen Lahmheiten, kann eine fortgeschrittene Borreliose auch das zentrale Nervensystem angreifen, Muskeln nehmen Schäden, das Pferd wirkt antriebslos und bekommt Schluckbeschwerden in dessen Folge es abmagert. Hauptüberträger von Borreliose-Bakterien ist der gemeine Holzbock, der sich im Laufe der vergangenen Jahre in Deutschland immer weiter ausgebreitet hat. War er zunächst nur in südlichen Gefilden beheimatet, kommt er immer häufiger auch in anderen in anderen Teilen Deutschlands vor.
Auch für die Borreliose gibt es mittlerweile einen Impfschutz fürs Pferd: Seit 2017 ist ein Impfstoff auf dem Markt, der dafür sorgen soll, dass die Borrelien gar nicht erst vom Pferdekörper aufgenommen werden. Die Erstimpfung, die im Abstand von zwei bis drei Wochen in zwei Dosen verabreicht wird, empfiehlt sich vor Beginn der Zeckensaison, anschließend wird jährlich neu immunisiert.

FSME: Auch Pferde können erkranken
Beim Menschen hört man zudem immer wieder von Fällen, in denen Zecken Überträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz FSME) sind. Bis zu fünf Prozent aller Zecken tragen diesen Erreger in sich und auch wenn es nicht so häufig vorkommt, können auch Pferde daran erkranken. Ist dies der Fall, endet die Erkrankung nicht selten tödlich. Symptome können neben Fieber und Appetitlosigkeit auch schwerwiegende neurologische Schäden sein.
Weitere Erreger, die über einen Zeckenbiss ins Pferd gelangen können, sind Anaplasmose-Bakterien. Sie lösen – ähnliche wie die Borreliose – unspezifische Symptome aus: Fieber, Mattheit, geschwollene Lymphknoten und eine gelbliche Verfärbung der Schleimhäute. Mithilfe eines Bluttests lässt sich die Ursache finden und mit Antibiotika behandeln.
Besonders unbeliebt bei Pferd und Reiter ist darüber hinaus die Bremse. Ihr Stich tut nicht nur weh, sondern sorgt häufig auch für eine schmerzhafte Schwellung. Zudem kann auch sie Überträger einer schwerwiegenden Erkrankung sein: der Infektiösen Blutarmut (Equine Infektiöse Anämie). Auch wenn es in den letzten Jahren nur vereinzelte Fälle in Deutschland gab, ist die Erkrankung gefürchtet bei Pferdebesitzern, denn auch sie kann zum Tod führen. Die Bremse kann mit ihrem Stich das Lentivirus von einem infizierten Pferd auf das nächste übertragen. Symptome sind Punktblutungen insbesondere auf dem Zungenuntergrund und den Lidbindehäuten sowie Fieber, Apathie bis hin zu Ödembildungen.
Sommerekzem: Allergische Reaktion
Die am weitesten verbreitete Erkrankung, die durch Insektenstiche ausgelöst wird, ist das Sommerekzem: Die allergische Hauterkrankung wird durch den Speichel verschiedener Insekten der Culicoides Arten, zu denen Stechmücken, Gnitzen und Kriebelmücken gehören, verursacht. Die Pferde leiden unter starken Juckreiz und scheuern Mähne, Schweifrübe, aber auch Hüfthöcker oder Bauch – und das häufig so stark, dass offene, nässende Wunden entstehen, die wiederum idealer Nährboden für Bakterien oder Pilze sind.
Insekten – eine Übersicht
| Insekt | Symptome / Erkrankungen |
| Kriebelmücke/ Gnitze | Schwellungen, Juckreiz, allergische Reaktionen bis hin zu Sommerekzem |
| Stechmücke | Schwellungen, Juckreiz, allergische Reaktionen bis hin zu Sommerekzem, West-Nil-Virus |
| Bremsen | Schmerzhafte Stiche und Schwellungen, die sich entzünden konnen. Überträger von Borreliose sowie Augenwürmern und des Lentivirus (Auslöser für den Ausbruch Equiner Infektiöser Anämie) |
| Dasselfliegen | Werden die Eier aufgenommen und gelangen in den Verdauungstrakt, können Magengeschwüre und -entzündungen die Folge sein |
| Hirschlausfliege | Dermatitis |
| Zecken | Borreliose, FSME, Anaplasmose |
Dassellarven: Regelmäßig entwurmen
Auf den ersten Blick könnte man die Dasselfliege mit einer Biene verwechseln – auch wenn sie keinen Stacheln besitzt. Dennoch ist sie nicht weniger gefährlich: Das gelblich-braune Insekt legt seine Eier im Nasen- und Maulbereich oder auch an Bauch und Beinen der Pferde ab und sorgen für einen unangenehmen Juckreiz. So gelangen sie schnell ins Pferdemaul, bohren sich in die Zunge und verweilen dort für 28 Tage, bis sie schließlich in den Magen-Darm-Trakt wandern und dort ins dritte Larvenstadium kommen. Dort können sie schwere Schleimhautentzündungen auslösen. Daher empfiehlt es sich, die Eier sofort zu entfernen, wenn sie im Fell entdeckt werden. Dabei helfen spezielle Dasselkämme oder Lotionen. Vorbeugend ist es ratsam, im vorgeschriebenen Turnus mit Präperaten der Avermectine zu entwurmen.
Auch wenn es für einige der oben genannten Erkrankungen bereits Impfungen auf dem Markt gibt, wird schnell deutlich: Prophylaxe ist unabdinglich, um das Pferd vor den potenziell gefährlichen Folgeerkrankungen eines Insektenstichs zu schützen. Sowohl für den Weideaufenthalt als auch für den Ausritt gibt es die verschiedensten Ausführungen von Fliegen- und Ekzemerdecken sowie auch Fliegenhauben und -masken, die dafür sorgen, dass die unliebsamen Plagegeister gar nicht erst zustechen können. Fliegenmasken schützen insbesondere die empfindlichen Schleimhäute der Augen und beugen so entzündlichen Prozessen vor. Wer sein Pferd rundum schützen möchte – beispielsweise auch an den Beinen, über die vor allem Zecken aufs Tier gelangen, kommt zudem um Insektenschutz in Form von Pflegemitteln nicht drumherum.

Effektiver Insektenschutz
Auch hier rücken die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz immer mehr in den Fokus: Viele Hersteller verzichten mittlerweile bei der Herstellung ihrer Produkte auf Mikroplastik, Mineralöl, Silikone oder andere synthetisch hergestellte Stoffe. Auch das Thema Doping ist immer wieder aktuell – verwendete Mittel sollten nicht auf der Dopingliste für Turniere stehen. Auch muss bei dem Wirkstoff genau hingeschaut werden: Insektizide töten die unliebsamen Plagegeister ab, können gleichzeitig aber auch gefährlich für nützliche Insekten werden. Immer mehr Pferdebesitzer greifen daher auf Repellents zurück, die unschädlich für Insekten sind und diese nur abwehren und nicht töten. „Bei den Repellents kann man zwischen synthetischen und natürlichen Wirkstoffen unterscheiden oder sich für ein Produkt aus einer Kombination aus beidem entscheiden“, berichtet Christian Kloes von der Firma leovet. „Der Vorteil synthetischer Abwehrmittel ist eine meist sehr gute Verträglichkeit, auch bei empfindlichen Pferden, während natürliche Abwehrmittel, also ätherische Öle, tendenziell eher allergische Reaktionen hervorrufen.“ Welches Mittel bei welchem Pferd am besten wirke, hänge stark vom Eigengeruch des Pferdes, den vorherrschenden Insekten und vom Ort ab und könne pauschal nicht beantwortet werden. „Daher empfiehlt es sich, sich einmal durch das Sortiment durchzutesten und seinen persönlichen Favoriten herauszufinden“, rät der Experte. Bei der Anwendung rät Klös, das jeweilige Mittel in ausreichender Menge und vor allem auch flächendeckend aufzutragen, um einen umfassenden Schutz gewährleisten zu können. Dabei gibt es die meisten Produkten sowohl in Sprühform als auch als Gel oder RollOn, sodass auch das Auftragen an empfindlicheren Bereichen kein Problem ist.
Linderung bei Stichen
Auch die Firma ZEDAN verfügt über eine große Palette an Insektenschutzmitteln. Nikolai Piefel vom Hersteller MM Cosmetic sagt: „Alle unsere Produkte wirken gegen alle Insekten, wobei die einzelnen Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen ihre Vorzüge bei bestimmten Insekten haben.“ So gibt es Mittel, deren Wirkstoffe pflanzenbasiert sind und dank des enthaltenen EC-Öls nicht nur unliebsame Plagegeister abwehren, sondern gleichzeitig auch die Haut pflegen. Für einen besonders starken Schutz empfiehlt sich ein Repellent-Kombipräparat: „Durch die Komibination und hohe Dosierung von einem synthetischen (Icaridin) und einem pflanzenbasierten (EC-Öl) Wirkstoff ist es extrem wirksam gegen alle Insekten.“
Ist es doch zu spät, das Pferd wurde gestochen und es bildet sich eine Schwellung, kann das Kühlen mit Wasser eine erste Linderung bringen. Auch Salben, Gele und Pasten, beispielsweise mit den Wirkstoffen Arnika und Propolis, können dafür sorgen, dass der Juckreiz gelindert wird und die Schwellung schneller zurückgeht. Nur, wenn die die Beschwerden über mehrere Tage anhalten, empfiehlt es sich, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen.





