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Zwischen Tradition und Aufbruch: Pferdesport im Kreis Kleve blickt nach vorn

Die ausgezeichneten Sportler mit dem Vorsitzenden des KPSV Norbert Paeßens und Christine Nolden (rechts).

Gut besucht war die 51. Delegiertenversammlung des Kreispferdesportverbandes Kleve (KPSV), ein deutliches Signal dafür, welchen Stellenwert der Pferdesport in der Region weiterhin besitzt. Vorsitzender Norbert Paeßensbegrüßte neben zahlreichen Vereinsvertretern auch prominente Gäste wie den Ehrenvorsitzenden Rudi Lodewick, den Landtagsabgeordneten Stephan Wolters sowie die Para-Olympionikin Regine Mispelkamp. Wolters betonte in seinem Grußwort die gesellschaftliche Bedeutung des Pferdesports: „Pferdesport ist mehr als ein Hobby, er ist Vereinsleben und Wirtschaftskraft zugleich.“ Gleichzeitig verwies er auf einen Wandel innerhalb der Szene. Unter Bezugnahme auf Aussagen von Isabell Werth, die jüngst einen Rückgang der ländlichen Reiterei beklagt hatte, machte er deutlich, dass unter anderem auch ein klares Bekenntnis zur Tierhaltung notwendig sei. Gerade im Pferdesport werde die besondere Partnerschaft zwischen Mensch und Tier sichtbar. Ein Zusammenspiel, das auch im Parasport Maßstäbe setze. 

Trotz rückläufiger Zahlen, aktuell gehören dem Verband 40 Vereine mit insgesamt 5.621 Mitgliedern an, 203 weniger als im Vorjahr, zeigte sich Paeßens optimistisch: „Wir haben allen Grund, positiv in die Zukunft zu schauen.“ Gleichzeitig mahnte er an, dass insbesondere Kindern der Zugang zu Tieren zunehmend erschwert werde. 

Ein Blick auf die Vereinsstruktur zeigt jedoch die Stärke der Region: Mit 448 Mitgliedern ist der Reiterverein von Bredow Keppeln der Größte im Kreis, gefolgt vom Club der Pferdefreunde Goch (422) und dem RV von Driesen Asperden-Kessel (406). Auch erinnerte Kreisjugendwartin Anna Jacobs in der Versammlung an zahlreiche sportliche Erfolge auf regionaler und überregionaler Ebene. Doch neben sportlichen Erfolgen wurden auch strukturelle Probleme deutlich. Breitensportbeauftragte Silvia Janßen kritisierte die bürokratischen Hürden bei der Nutzung von Fördermitteln. Zwar stünden jährlich 800.000 Euro aus der Reitabgabe für den Ausbau von Reitwegen zur Verfügung, doch der Zugang zu diesen Geldern sei kompliziert. „Ich habe ein Jahr gebraucht, um Mittel für einen kleinen Reitweg in Kranenburg zu beantragen“, berichtete sie. Ein weiteres Thema war die grenzüberschreitende Mobilität mit Pferden. Wolters verwies auf eine Initiative von CDU und Bündnis 90/Die Grünen Mitte März, die den Grenzverkehr mit Pferden zwischen Nordrhein-Westfalen und den Benelux-Staaten erleichtern soll. Derzeit sei für jede Fahrt ein kostenpflichtiges, zeitlich begrenztes Gesundheitszertifikat erforderlich. Ein erheblicher Aufwand für Pferdehalter und Behörden gleichermaßen.

Die neuen Ehrenmitglieder des KPSV Georg Broeckmann und Georg Lamers, eingerahmt von Norbert Paeßens und dem Landtagsabgeordneten Stephan Wolters. 

Auch personell stellte sich der Verband neu auf. Paeßens bleibt Vorsitzender, Wilma Hebben führt die Geschäfte, allerdings nur noch für ein Jahr, nach beeindruckenden 29 Jahren im Amt. Deborah Schaap bleibt weiterhin für die Finanzen zuständig. Veränderungen gab es im Sportausschuss, während Christine Nolden künftig eine zentrale Rolle als Vertreterin der aktiven Turniersportler übernimmt. Gemeinsam mit Norbert Paeßens ehrte sie die erfolgreichen Pferdesportler des KPSV. Für ihre langjährigen Verdienste wurden Georg Broeckmann und Georg Lamers ausgezeichnet. Beide erhielten hohe Ehrungen des Pferdesportverbandes Rheinland und wurden zu Ehrenmitgliedern des KPSV ernannt. Nach Jahrzehnten ohne Anpassung beschloss die Versammlung zudem eine moderate Beitragserhöhung: Künftig zahlen die Mitgliedsvereine 1,50 Euro pro Mitglied. 

Ein inhaltlicher Höhepunkt war der Vortrag von Regine Mispelkamp zum Thema Inklusion im Reitsport. Die Goldmedaillengewinnerin von Paris sprach bewusst von „Menschen mit Einschränkungen“ statt von Behinderten und warb für mehr Sichtbarkeit des Parasports. „Wir wollen kein Mitleid“, stellte sie klar. Vielmehr gehe es um Gleichbehandlung, auch bei der Bewertung durch Turnierrichter. Besonders eindrucksvoll schilderte Mispelkampdie Rolle der Pferde: Sie kompensierten Einschränkungen ihrer Reiter mit bemerkenswerter Sensibilität und Körperspannung. „Wenn man sieht, wie ein Para-Reiter mit seinem Pferd kommuniziert, wird man demütig“, sagte sie. Zum Abschluss griff Paeßens diesen Impuls auf: „Lasst uns das Thema Inklusion gemeinsam angehen. Einfach mal machen, ein Wir-Gefühl erzeugen.“ Die Delegiertenversammlung zeigte damit deutlich: Der Pferdesport im Kreis Kleve steht vor Herausforderungen, aber auch vor großen Chancen. Zwischen Tradition, gesellschaftlichem Wandel und neuen Impulsen will der Verband seinen Weg entschlossen weitergehen. 

Stephan Derks 

Fotos: Stephan Derks

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