Pusteln und Krusten, nässende Wunden: das Regenekzem ist eine Erkrankung beim Pferd, die nicht immer sofort erkannt wird. Oftmals wird ein Parasitenbefall vermutet, während hier Bakterien der Auslöser sind. Wie die Anzeichen richtig gedeutet werden, haben wir für Sie recherchiert.
Das Regenekzem tritt – wie der Name schon sagt –vor allem dann auf, wenn die Pferdehaut längere Zeit Regen ausgesetzt ist. Kritisch wird es daher vor allem bei länger anhaltenden Regenfällen in der wärmeren Jahreszeit, wenn die Haut nicht durch Decken geschützt ist. „Das Regenekzem wird durch das Bakterium Dermatophilus congolensis ausgelöst“, erklärt Franziska Blei von der Tierklinik Maischeiderland. „Dieses zählt zu den fakultativ pathogenen Bakterien und löst somit nur unter bestimmten Bedingungen eine Erkrankung aus. Die Vorschädigung der Hautbarriere ist Voraussetzung für eine Infektion.“

Fell fällt büschelweise aus
Zu den typischen Symptomen eines Regenekzems zählt die Bildung von Pusteln mit serösem Exsudat – eine Entzündung, bei der es zur Bildung einer eiweißreichen, klaren Flüssigkeit kommt. „In der Folge kommt es zur Krustenbildung, die sich oft als ganze Haarbüschel abzupfen lassen. Darunter findet man seröses Exsudat und eine beschädigte oberste Hautschicht“, erklärt Franziska Blei. Die Symptome unterscheiden sich je nach Jahreszeit: „Im Winter findet man vor allem die typische Form wie eben beschrieben. Im Sommer präsentiert sich die Erkrankung meistens durch trockenere kleinere Läsionen mit starkem Haarausfall. Juckreiz zeigt sich im Normalfall nicht, allerdings ist die Haut oft schmerzhaft.“
Ronja Fock, Tierphysiotherapeutin und -heilpraktikerin, hat immer wieder Pferde in Behandlung, die unter Regenekzem leiden. Der Schweregrad ist oft unterschiedlich: „Anfangs können es nur vereinzelte Pusteln unter dem Fell sein, vielleicht schon leicht erwärmt und empfindlich. Aber die Erkrankung kann sich rasant ausbreiten und wird oft erst bemerkt, wenn schon großflächiger Haarausfall besteht. Wenn die Infektion fortschreitet, kann sie sich über den gesamten Körper des Pferdes ausbreiten und sogar zu Fieber und Apathie führen“, berichtet sie. „Im Gegensatz zu anderen Hauterkrankungen wie dem Sommerekzem, kommt es jedoch in der Regel nicht primär zu Schuppenbildung.“
Die häufigsten Ursachen für ein schwaches Immunsystem
- Psychischer Stress, beispielsweise verursacht durch häufige Stall- oder Besitzerwechsel, Herdenkonflikte oder Überanstrengung
- Ein Vitalstoffmangel, vor allem im Winter und während des Fellwechsels
- Antibiotika und andere Medikamente können das Immunsystem schwächen, insbesondere durch Störungen der Darmflora
- Allergien, Wurmbefall und chronische Erkrankungen.
- Ungünstige Haltungsbedingungen wie schlechte Belüftung, Staub, Schimmelsporen und Bewegungsmangel
- Schlechte Wasserqualität oder Wassermangel

Zu viel Nässe als Auslöser
Die Ursachen für den Ausbruch der Erkrankung sind vielfältig. Ein zentraler Punkt ist jedoch unzureichender Schutz vor dem Regen. „Es sind nicht gleich alle Pferde betroffen, die mal länger im Regen stehen. Fehlende Witterungsschutzmaßnahmen sind ein häufiges Problem. Wenn zum Beispiel Offenstallgruppen ihren Offenstall aus verschiedenen Gründen nicht so gerne nutzen“, nennt Fock einen Punkt. Sie hat festgestellt, dass Pferde, die einen Großteil des Jahres unter freiem Himmel leben, häufiger betroffen sind. „Auf jeder Weide sollte es einen Unterstand gegen Regen und auch Sonne geben, der für alle Tiere gleichzeitig nutzbar ist.“
Auch wenn das Regenekzem vornehmlich in der nassen Jahreszeit, also im Herbst und Winter auftritt, kann es auch im Sommer ausbrechen. „Lange Regenphasen im warmen Sommern können die Erkrankung begünstigen“, sagt Ronja Fock. „Die Erkrankung entsteht, wenn Pferde mit eher langem Fell über längere Zeit nass bleiben. In dieser feuchten und warmen Umgebung unter dem Fell finden die Bakterien des Typs Dermatophilus congolensis, die normalerweise auch zur physiologischen Hautflora gehören, ideale Wachstumsbedingungen. Das Bakterium wächst übermäßig und dringt über Mikroläsionen in die Haut ein, wenn diese durch die anhaltende Nässe geschädigt wird.“ Auf häufigsten sind Kopf, Hals, Rücken und Hinterbeine vom Regenekzem betroffen.
Regenekzem trotz Decke
Kleine Wunden bieten eine Eintrittspforte für die Bakterien, daher sollten auch sie immer direkt versorgt werden. „Auch Insekten und Parasitenprophylaxe sind unerlässlich“, betont Tierärztin Franziska Blei. Sie empfiehlt: „Bei längeren Regenperioden kann es helfen, die Pferde einzudecken oder aufzustallen.“
Doch nicht nur anhaltender Regen auf der Pferdehaut kann Auslöser für die Erkrankung sein. Selbst, wenn das Pferd eine Decke trägt, kann das Ekzem ausbrechen. Ronja Fock hat festgestellt: Schlecht sitzende Regendecken können die Infektion ebenfalls begünstigen. „Wenn es über längere Zeit regnet, dann läuft das Wasser manchmal an der Schulter unter die Decke und trocknet dann schlecht. Noch häufiger sind hier die Hinterbeine betroffen, wenn von der nassen Decke der Regen über längere Zeit hinabrinnt“, hat sie festgestellt.
Je nach Schwere der Erkrankung kann es bereits helfen, das Pferd vor weiterer Nässe zu schützen und den Bakterien so keinen Nährboden mehr zu bieten. Katharina Blei erklärt: „Bei milden Symptomen kann es zu einer spontanen Heilung kommen, wenn man die Haut trocken hält. Die Stellen werden lokal mit einem Chlorhexidin-haltigen Shampoo behandelt. Bei schweren Verlaufsformen sind manchmal systemische Antibiotikatherapien nötig. In der Literatur wird zudem eine Isolation der betreffenden Pferde empfohlen, sowie eine Reinigung von Putzzeug und Decken.“

Geschädigte Hautbarriere
Ebenfalls wichtig: „Auf fetthaltige Salben sollte unbedingt verzichtet werden, um die Vermehrung der Bakterien darunter nicht zu begünstigen“, sagt Ronja Fock. „In einigen Fällen kann es notwendig sein, das Fell des Pferdes zu scheren, um eine bessere Belüftung zu ermöglichen und einfach auch, um die Stellen leichter behandeln zu können. Wenn sich die Infektion zurückzieht und das Abheilen beginnt, kann man die Haut mit leichten, pflegenden Gelen oder Salben unterstützen.“
Besonders anfällig fürs Regenekzem sind Pferde, die ohnehin schon unter Hauterkrankungen die Mauke oder Sommerekzem leiden. „Diese Erkrankungen schädigen die Hautbarriere und erleichtern so das Eindringen von Bakterien“, erläutert Fock. Ebenso sind häufig Pferde betroffen, deren Immunsystem bereits geschwächt ist – beispielsweise sehr alte oder sehr junge Pferde, oder aber auch Pferde, die gleichzeitig mit einer anderen Infektion zu kämpfen haben.
Regenekzem: Ein Erfahrungsbericht
Ich habe ein paar Mal das Regenekzem an der Hinterhand erlebt, also vor allem im Bereich der Kniekehle der Pferde. Einige Pferde mit sensibler Haut scheinen dort anfällig zu sein. Aber es waren sehr geringe Ausprägungen. Ein Pferd hatte es am Kopf, der Bereich direkt hinter den Ohren trocknet oft auch langsamer ab. Zunächst hielt die Besitzerin es für Hautpilz, es war lediglich der Haarausfall bemerkbar. Der Bereich vergrößerte sich aber rasch innerhalb von zwei Tagen, außerdem konnte man bei genauerem Hinsehen einige winzig kleine, mit hellem Sekret gefüllte Pusteln entdecken, oder teils auch nur die Überreste der Pusteln, die dann nur als kleine rosa Hautläsionen zu sehen sind. Der Bereich war sehr stark erwärmt, wenn man nur die Hand davorhielt, spürte man die Wärme. Das Abwehrverhalten in der Nähe der Region deutete auf die Schmerzhaftigkeit hin. Wir leiteten die wichtigsten Maßnahmen wie das Pferd gut zu trocknen und auch trocken zu halten, ebenso desinfizierende Behandlungen ein. Zusätzlich verwendete ich um den betroffenen Bereich verdünnten Lebermoosextrakt, dieser kann bei Bakterien- als auch bei Pilzbefall unterstützend wirken. Das Pferd bekam Sanddornbeeren zur Unterstützung des Immunsystems und zur Zufuhr der gesunden Fettsäuren, sowie einen reinen Echinacea Presssaft, ebenfalls als Immunstimulanz. Auch Zistrosenkraut wäre eine gute Wahl, um zu unterstützen. Es gibt diverse fertige Mischungen, am besten greift man auf Hersteller zurück, die sehr auf die Pflanzen Qualität achten.

Das Immunsystem stärken
Wichtigster Schutz vor Hauterkrankungen wie dem Regenekzem ist daher ein gut funktionierendes Immunsystem, das die auslösenden Bakterien in Schach kann. „Eine gesunde Ernährung sowie die Versorgung mit essenziellen Fettsäuren können dazu beitragen, die Hautbarriere zu stärken und Anfälligkeiten zu verringern“, rät Fock. Pferde, die regelmäßig mit Hauterkrankungen zu tun haben, sollten besonders gut unterstützt und gepflegt werden, um solche Infektionen zu vermeiden. „Hier sei aber auch übertriebenes Waschen mit ungeeigneten Shampoos erwähnt, sowie übermäßige Nutzung von Sprays, die die Haut austrocknen können.“
Pferde, die generell zu Infektionen neigen, und häufiger mit Hautpilz oder auch Atemwegserkrankungen zu kämpfen haben, also vermutlich unter einem schwachen Immunsystem leiden, sollten in den herausfordernden Jahreszeiten generell unterstützt werden. „Ich greife gerne auf Kräutermischungen und -säfte für das Immunsystem zurück. Ebenso spielt die Mineralstoffversorgung eine wichtige Rolle, hier sei hochwertiges Zink besonders zu erwähnen. Wenn man über das Immunsystem spricht, sollte immer auch über das Thema Darmflora nachgedacht werden, diese spielt oft eine Schlüsselrolle bei langwierigen Problemen im Immunsystem.“
Das Immunsystem stärken
- Pflanzung von spezieller Pferdewiesensaat mit vielen Kräutern und unterschiedlichen Gräsern.
- Ergänzung des Speiseplans im Winter mit Hagebutten und Aroniabeeren. Saftfutter in Form von Äpfeln und Karotten (nicht zu viel wegen des hohen Zuckergehaltes).
- Kalt gepresste Öle mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, wie Leinöl oder Schwarzkümmelöl.
- Kräuter zur Immunstärkung unter das tägliche Basisfutter mischen. –
- hochwertiges Mineralfutter
- Basische Ernährung mit viel Raufutter und angepasster Menge Kraftfutter.
- Entgiftendes Zusatzfutter zu den Fellwechselzeiten.






