
Die Turniere des Ankumer Dressur Clubs sind vor allem interessant, weil es hier oft neue Pferde, neue Paare, Karrieresprünge und Comebacks zu sehen gibt. So auch bei der Erstauflage 2026, wo sich besonders Dorothee Schneider mit ihren Zukunftshoffnungen in Szene setzen konnte.
Gestern im Grand Prix präsentierte Dorothee Schneider die elfjährige KWPN-Stute Karlijn V. v. Governor. Schneider hat die in den Niederlanden gezogene Totilas-Enkelin bereits seit 2019 unter dem Sattel, übernahm sie also vierjährig. Die Schwestern Gabriele Kippert und Eva-Maria Mann, denen unter anderem auch Schneiders Erfolgspferd Showtime sowie der einstige Burg-Pokal- und Grand Prix-Sieger First Romance gehören, haben die Stute damals erworben und sind bis heute die Besitzerinnen. In den ersten Jahren war es vor allem Schneiders Stallreiterin Hannah Milena Rother, die sich um die Ausbildung von Karlijn V. kümmerte. Dorothee Schneider übernahm sie, als sie bereits siegreich in der kleinen Tour war. Letztes Jahr präsentierte sie sie erfolgreich in den ersten S***-Prüfungen. Gestern in Ankum stand nun der ersten Grand Prix de Dressage auf dem Programm, ein Meilenstein, den Karlijn V. mit Bravour gemeistert hat: Sieg mit stattlichen 73,433 Prozent im ersten Anlauf.
Das war nicht der einige Grund zur Freude für Dorothee Schneider. Neben Karlijn hatte sie auch den Nürnberger Burg-Pokal Sieger von 2024 mit nach Ankum gebracht, den Oldenburger Bon Coeur-Sohn Barcelo. Der ging 2025 gar kein Turnier. Die Zeit hat Reitmeisterin Schneider gut genutzt, um ihn auf den nächsten Ausbildungsschritt vorzubereiten, wie man heute gesehen hat. Der nun neunjährige Barcelo ging seine erste Intermédiaire II, also die erste Prüfung mit Piaffe und Passage. Feuertaufe bestanden – er siegte mit 73,158 Prozent vor 14 Konkurrenten.
Ein viel versprechender Jahresauftakt also für Dorothee Schneider, die es nun nicht mehr weit hat bis nach Ankum. Schließlich werden sie und ihre Pferde nun vom Gestüt Famos in Syke aus auf Turnierreise gehen, seitdem sie dort die Ausbildungsleitung für den Gestütsbesitzer Maik Kanitzky übernommen hat. Dem gehört auch Barcelo. Er hatte den gekörten Oldenburger fünfjährig von Helgstrand Dressage gekauft. Ursprünglich saß Tessa Frank im Sattel und ritt ihn sechsjährig zum Bundeschampionatstitel. Danach ging Barcelo für die weitere Ausbildung zu Schneider.
Junioren-Europameisterin nun S***-platziert
Platz zwei ging an ein neues Paar: Marie Sohler, die nun nicht mehr bei den Geschwistern Werndl trainiert, sondern bei Bianca Nowag-Aulenbrock. Sie hat deren früheres Grand Prix-Pferd Queolito übernommen und konnte sich bei ihrem S***-Debüt mit ihrem vierbeinigen Lehrmeister heute auf einem starken zweiten Rang behaupten. 69,912 Prozent gab es von den Richtern. Dritte wurde eine andere ehemalige Nachwuchseuropameisterin: Lia Welschof auf Dolcino (69,430).
Ebenfalls platziert war die neue Schülerin von Isabell Werth, Natalie Stickling Morzynski. Wie kürzlich berichtet, hat die eigentlich aus Niedersachsen stammende Grand Prix Reiterin Werths DM-Bronzemedaillengewinner Special Blend übernommen. Sie hat aber noch ein weiteres interessantes Pferd im Stall: den schwedischen Ampere-Sohn Be Allex. Mit Jeanna Hogberg war der hochgewachsene Rappe dreimal bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde am Start und konnte sich sechsjährig die Qualifikation sichern. Inzwischen ist er neunjährig, wird von Natalie Stickling Morzynski geritten und ging heute ebenfalls seine erste Intermédiaire II, die er mit 67,237 Prozent auf Rang fünf abschloss.
Netz‘ Neue, Ascenziones Comeback
Platz zwei im Grand Prix hinter Karlijn belegte Raphael Netz mit einem Pferd, das man zumindest noch nie unter ihm in der Öffentlichkeit gesehen hat: der elfjährigen Hannoveraner Stute Sola Diva v. Sarotti Mocca-Sahne. Die Stute ist in dänischem Besitz und wurde von der US-Reiterin Catherine Haddad bis Grand Prix ausgebildet. Nun ist sie zurück in Deutschland und soll von Netz so lange weitergeritten werden, bis sie neue Besitzer gefunden hat. Jetzt in Ankum hinterließ sie zumindest schon mal einen guten Eindruck. Bei ihrem ersten Turniereinsatz unter ihrem neuen Reiter wurde sie Zweite im Grand Prix (71,0) und siegte – in Abwesenheit von Karlijn V. – im Grand Prix Special, hier mit 70,523 Prozent.
Platz zwei ging an ein Pferd, das schon fast in Vergessenheit geraten war: Die Louisdor-Preis Sechste von 2023, Straight Horse Ascenzione v. Sezuan, Vollschwester zum dreifachen Weltmeister und Spitzenvererber Sezuan. Helen Langehanenberg hat die Stute ausgebildet und sitzt nach wie vor in ihrem Sattel. Doch seit dem Auftritt in der Frankfurter Festhalle 2023 war die Stute auf keinem Turnier mehr erschienen. Bis Ankum, wo sie im Grand Prix als Achte mit 67,10 Prozent nicht platziert war, aber im Special mit 68,954 Prozent Zweite wurde.





