
Eine der Besonderheiten des Weltcup-Turniers in Leipzig ist das Springen um den Goldenen Sattel, eine Stilspringprüfung auf M-Niveau mit vier ausgewählten Talenten aus ganz Deutschland, die sowohl auf den eigenen als auch auf den Pferden der Konkurrenten gegeneinander antreten. Das ist fast noch interessanter als das Championat, das heute die sportlich bedeutendste Springprüfung in Leipzig war und in die Schweiz ging.
1986 hatte Hans Günter Winkler das Konzept des Springens um den Goldenen Sattel ausgearbeitet mit dem Ziel, den Nachwuchs zu fördern. Die Prüfung richtet sich an Talente der Generation U21. Schon die Teilnahme ist ein Ritterschlag. Das diesjährige Quartett wurde von Bundestrainer Peter Teeuwen zusammen mit Marco Kutscher ausgewählt. Es waren die folgenden Paare:
- Mikka Roth (20) aus Rheinland-Pfalz mit Design v. Diamant de Semilly
- Emma Bachl (18) aus Bayern auf Yoshimi v. Eldorado van de Zeshoek
- June Karlinder (17) mit Coupino v. Coupe Coeur aus Schleswig-Holstein
- Paula Fischer (20) mit A Lovely Boy v. Action Blue aus Berlin-Brandenburg
Am Ende konnte sich Mikka Roth, der derzeit bei Dietmar Gugler auf Gut Ising am Chiemsee trainiert, sich mit hauchdünnem Vorsprung gegen Emma Bachl durchsetzen. Gerade mal ein Zehntel trennte die beiden. Mikka kam auf 35 Punkte, Emma auf 34,9. Dafür konnte sie sich rühmen, mit Mikkas Design die beste Runde des Tages gedreht zu haben, Wernote: 9,2.
Doch alle vier Paare hatten Wertnoten, die sich sehen lassen konnten. June Karlinder wurde mit 34,6 Punkten Dritte vor Paula Fischer mit 33,8 Zählern. Paulas A Lovely Boy machte seinem Name Ehre und wurde bestes Pferd mit 35,4 Punkten.
Bundesstrainer Otto Becker, der gemeinsam mit Marco Kutscher traditionell der Jury angehörte, wies noch einmal auf die Bedeutung solcher gezielten Nachwuchsförderung hin. „Zu meiner Zeit hatten wir viel weniger Startmöglichkeiten“, sagte er. „Heute werden die jungen Leute über solche Prüfungen wie den Prestige Goldenen Sattel über Deutsche- und Europameisterschaften aufgebaut und bekommen so die Chance, in den großen Sport hereinzuwachsen.“ Das unterstreicht auch die Entwicklung vergangener Sieger wie Philipp Weishaupt oder Daniel Deußer.
Championat von Leipzig an Steve Guerdat
Wohin der Weg die vier Talente eines Tages führen kann, konnte das Leipziger Publikum kurze Zeit später in der zweitwichtigsten Prüfung des Wochenendes erleben, dem Championat von Leipzig.
Ganze 17 Paare qualifizierten sich fürs Stechen, doch Steve Guerdat legte als dritter Starter gleich eine solche Superzeit hin mit seiner Is-Minka, dass sich seine Konkurrenten die Zähne daran ausbissen. Fast drei Sekunden schneller als der Rest des Feldes waren der Schweizer Olympiasieger und seine 13-jährige Mylord Carthago-Tochter. Für Guerdat ist dies ein umso schönerer Erfolg nach einem schwierigen Jahr 2025, in dem er zweimal aufgrund von Rückenproblemen pausieren musste und einer OP unterzogen wurde. Nun ist er wieder da, so gut wie eh und je.
Platz zwei sicherte sich Gerrit Nieberg mit der Stute IB Queen, mit der gestern bereits vorne dabei gewesen war. In 38,58 Sekunden kamen sie unter den fehlerfreien Ritten der Guerdat’schen Fabelzeit am nächsten. Nieberg hatte Guerdats Ritt im Stechen auf dem Bildschirm verfolgt. Danach stand sein Urteil fest: „Mir war eigentlich ziemlich klar, dass an seine Zeit nicht ranzukommen ist. Ich dachte Platz zwei ist drin, wenn alles nach Plan läuft!“ Das tat es. Somit hatte er heute alles erreicht, was möglich war.
Rang drei holten Belgiens Rik Hemeryck und Navarro van het Eelshof in 39,62 Sekunden nach Belgien. Er hätte noch ein paar Sekunden rausholen können, meinte Hemeryck, aber eine Wendung traf er nicht wie geplant und das kostete ihn Zeit, aber glücklicherweise keinen Abwurf.





