
Heute früh um 8 Uhr haben die Finalisten des Nürnberger Burg-Pokals mit ihrer Einlaufprüfung das Frankfurter Festhallenturnier eröffnet – und das ging schon gut los mit dem Sieg des 2024er Dressurpferde-Weltmeisters vor zwei Nachrückerinnen.
Charlott-Maria Schürmann und die Dunkelfuchshengste, das passt. World of Dreams, der ihr als Juniorin drei goldene EM-Medaillen bescherte, war ein Dunkelfuchshengst; Edward und Burlington, mit denen sie bei den Jungen Reitern EM-Medaillen hamsterte, ebenfalls. Der Breitling W-Sohn Burlington war zudem das Pferd, mit dem sie nicht nur den Einstieg in den Grand Prix-Sport schaffte, sondern 2012 auch das Finale im Nürnberger Burg-Pokal gewann. Nun hat sie mit Life Time FRH wieder einen Dunkelfuchshengst, der das Zeug dazu hat.
Seit seiner ersten Dressurpferdeprüfung der Klasse A ist der Livaldon-Sohn bei Schürmann in Ausbildung. Im Laufe der gemeinsamen vier Jahre hat Charlott-Maria Schürmann Life Time FRH dreimal bei Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde präsentiert. Jedesmal zeigte sich der Hengst besser, ausgereifter, kraftvoller. Siebenjährig gewann er schließlich den Titel. Er wäre schon letztes Jahr für das Burg-Pokal Finale qualifiziert gewesen, aber seine Ausbilderin fand, das wäre zu viel geworden und verzichtete. Nun sind sie dabei in Frankfurt und heute setzten sie gleich als zweites Paar der Prüfung ein Ausrufezeichen mit 75,927 Prozent, die zumindest in dieser Prüfung kein anderes Paar übertreffen konnte.
Man sieht Life Time FRH an, dass er bereits zwei Saisons in der schweren Klasse unterwegs ist. Vieles wirkt schon sehr sicher und ausgereift, zum Beispiel die Pirouetten. Überhaupt ist der Versammlungsgrad schon weit gediehen und die Balance dadurch ausgeprägt. Im Schritt hätte der Hengst noch mehr die Anlehnung ans Gebiss suchen und durch den Körper zur Hand hinziehen dürfen. Die Serienwechsel hätten noch gerader auf der Linie gesprungen werden dürfen. Auf der letzten Mittellinie, die ja mit der ganzen Parade, dem Rückwärtsrichten und dem Anreiten im Mitteltrab auf der Mittellinie bis zum Schlussgruß eine ganze Reihe besonderer Herausforderungen bereithält, klappte die ganze Parade nicht optimal. Beim Rückwärtsrichten wurde der Hengst dann deutlich zu eng – was allerdings sonst nicht der Fall war. Trotzdem, alles in allem eine sichere, ausdrucksstarke Runde.
Wer spät kommt …
Sowohl Vaida-Girl OLD mit Bianca Nowag-Aulenbrock als auch Bayside AK unter Juliane Brunkhorst waren erst auf den letzten Drücker ins Finale nachgerückt, nachdem Ingrid Klimke ihren Diafys zurückgezogen hatte und Hannah Laser mit Rod Laver ebenfalls auf ihren Startplatz verzichteten. Heute wurden sie Zweite und Dritte der Einlaufprüfung.
Bianca Nowag-Aulenbrocks achtjährige Oldenburger Vitalis-Tochter zeigte eine besonders gelungene Schritttour. Zwar verfügt sie von Hause aus nicht über den meisten Raumgriff, aber Takt, Losgelassenheit, Fleiß sowie Vor- und Übertritt im Rahmen ihrer Möglichkeiten hat die Stute im starken Schritt sehr gut gezeigt und ließ sich danach auch sicher im Takt zurückführen. Ein weiteres Highlight der Prüfung: die Dreierwechsel. Alles in allem kam das Paar auf 72,878 Prozent – wobei die Bewertungen von 71,098 Prozent vom Richter bei E, Dr. Dietrich Plewa, bis 74,756 Prozent von Henning Lehrmann als Richter auf der anderen Seite bei B reichten.
Bayside, die Elegante
Dass Juliane Brunkhorsts achtjährige Hannoveraner Stute Bayside AK sowohl auf der Vater- (Bon Coeur) als auch auf der Mutterseite (Sir Donnerhall) Sandro Hit-Blut führt, sieht man der Stute an – schlicht dunkel, langbeinig, feingliedrig und mit einer äußerst extravaganten Trabmechanik gesegnet, vor allem einem äußerst aktiven Hinterbein. Die Stute schien heute noch ein wenig eingeschüchtert zu sein, hatte Ohren und Augen bei jedem Weihnachtsmann in der Festhalle (von denen es einige gibt), blieb aber in der Aufgabe trotzdem konzentriert bei der Sache. Sie schien ihrer Reiterin zu vertrauen. Die beiden kennen sich schon eine Weile. Fünfjährig bekam Juliane Brunkhorst Bayside AK unter den Sattel.
Anders als bei Life Time ist bei Bayside AK noch vieles im Werden. Juliane Brunkhorst forderte noch nicht das Maximum an Versammlung von der hoch energetischen Stute, sondern sehr gefühlvoll immer nur so viel, wie die Stute bereit und in der Lage war zu geben. Juliane Brunkhorst versuchte nicht, die Stute mit der Hand mehr zu schließen, sondern ließ ihr im Gegenteil die Freiheit in der Anlehnung, um sich wirklich selbst zu tragen und auszubalancieren. So zeigten die beiden das, was man sonst vielfach vermisst: echte Rahmenerweiterung. Ausgeprägtere Verkürzung des Rahmens wird sicherlich ganz von alleine kommen. Und so leichtfüßig, aktiv und kadenziert, wie die Stute sich schon jetzt bewegt, kann man sich leicht vorstellen, dass ihr Piaffe und Passage leicht fallen. Mit 72,317 Prozent wurden die beiden Dritte.
Hoffrogges Zuperman Sechster
Auf Rang vier platzierten sich Borja Carrascosa und der hoch talentierte Morricone-Sohn Manolo FRH (72,171), gefolgt von der Burg-Pokal Debütantin Greta Busacker auf ihrer For Dance-Tochter Frieda. Über Rang sechs konnten sich Beatrice Hoffrogge und ihr Oldenburger Hengst Zuperman OLD freuen. Der achtjährige Vincent Maranello-Sohn, der sechsjährig Bronze bei der WM junger Dressurpferde noch vor Life Time FRH gewonnen hatte, präsentierte sich in der Festhalle sehr ansprechend und erhielt 71,585 Prozent.
Damit ließ er unter anderem den 2024er Bundeschampion der sechsjährigen Dressurpferde hinter sich, den Hannoveraner Hengst Be Sure v. Benicio mit Leonie Richter. Be Sure ist das einzige siebenjährige Pferd des Finales und einmal mehr gelang es Leonie Richter mit viel Geschick und Gefühl, ihm besonders im Galopp, wo der Hengst etwas zum „Schaukeln“ neigt, über so manche Unsicherheit hinweg zu helfen. 71,415 Prozent wurden es heute. Übrigens ist dies das dritte Pferd, das Richter für das Burg-Pokal Finale qualifizieren konnte, und der dritte siebenjährige Hengst nach dem inzwischen unter der Juniorin Ava Osing erfolgreichen Vitalos und Lord Europe, den sie dieses Jahr auch in der Festhalle dabei hat, allerdings für den Louisdor-Preis.
Dynoro hoch dynamisch
Alles anschnallen, jetzt kommt Duplo! Wenn Jessica Süß ihren selbst ausgebildeten neunjährigen Danone-Sohn Dynoro, Stallname „Duplo“, im starken Trab über die Diagonale fliegen lässt, ist maximale Schwungentfaltung nicht nur graue Theorie. So war es auch heute in der Frankfurter Festhalle. Leider hatten die beiden im Galopp heute noch kleine Spannungsmomente, in denen der Wallach – dessen Mutter eine Vollschwester zu Ingrid Klimkes einstigem Grand Prix-Pferd Dresden Mann ist – nicht mehr losgelassen zum Durchspringen kam. Ein Versehen in den Viererwechseln kam noch hinzu. Alles in allem gelang dem Paar eine sehr schöne Prüfung, die mit 71,390 Prozent und Rang acht belohnt wurde.
Alle Ergebnisse der Einlaufprüfung zum Burg-Pokal finden Sie hier.





