Umweltbedingte Veränderungen in der Qualität von Einstreu, Raufutter und anderen Futtermitteln sowie zunehmende Allergien belasten die Atemwege des Pferdes. Die Folge? Husten und im schlimmsten Fall Asthma, wenn der Zustand nicht behandelt wird. Inhalationstherapien können dabei helfen, dass das Pferd wieder richtig durchatmen kann.
Die Lunge eines erwachsenen Pferdes verarbeitet etwa 90.000 Liter Luft täglich. Dabei gelangen Schadstoffe und Staubpartikel in die Atemwege, was zum Husten führt – eine normale Schutzreaktion. Staubpartikel reizen die Schleimhäute der Atemwege, was einen Hustenreflex auslöst. Dieser Mechanismus hilft, Krankheitserreger und Schleim zu entfernen. Er sollte nicht unterdrückt werden, da Pferde nur durch die Nase atmen können. Wenn ein Pferd husten muss, sollte es das jederzeit tun dürfen, auch beim Reiten.

Mildes und schweres Asthma
Wenn ein Pferd länger als drei Wochen gelegentlich hustet, insbesondere zu Beginn oder während der Belastung, könnte es sich um eine milde bis moderate Form von Asthma handeln: die Inflammatory Airway Disease (kurz: IAD). Weitere Symptome umfassen eine verminderte Leistungsfähigkeit, verstärkte Atmung während der Belastung und eine verzögerte Normalisierung der Atemfrequenz nach Anstrengung. Die Ursachen der IAD sind unter Experten umstritten und könnten auf atemwegsreizende und allergene Stoffe aus Heu- und Strohstaub oder auf anhaltende bakterielle oder virale Infektionen zurückzuführen sein. Es steht jedoch fest, dass die milde Form bei Pferden aller Altersklassen weitaus häufiger auftritt als die schwere Form des Asthmas, die Recurrent Airway Disease (kurz: RAO). Bei dauerhaft schlechter Haltung kann sich aus einer IAD eine RAO entwickeln.
Je länger die Reizung und Störung der Lunge besteht, desto flacher wird der Husten, bis er kaum noch oder nur sporadisch bei Belastung hörbar ist. Dennoch setzen sich die negativen Veränderungen tief in der Lunge fort, was zu einer erheblichen Abnahme der Leistungsfähigkeit des Pferdes führt. Charakteristische Merkmale der RAO umfassen eine Schwellung der Schleimhaut, vermehrte Schleimbildung, Hustenanfälle bzw. Krämpfe der Bronchialmuskulatur, eine erhöhte Atemfrequenz (auch im Ruhezustand) sowie im fortgeschrittenen Stadium eine erschwerte, doppelschlägige Atmung mit weit gestellten Nüstern, bei der auch die Bauchmuskeln beteiligt sind.
Chronische Atemwegserkrankungen
Ein gesundes Pferd nimmt durch die eingeatmete Luft Sauerstoff auf, welcher im Austausch gegen CO2 in den Lungenbläschen an das Blut weitergegeben wird. Dieser Prozess ist bei einem Pferd mit RAO eingeschränkt, da die Atemluft aufgrund verengter Bronchien und Schleim schlecht in die Lungenbläschen gelangt. Auch die Ausatmung, die normalerweise fast passiv erfolgt, ist erschwert. Die verringerte Lungenelastizität verhindert das Ausstoßen der eingeatmeten Luft.
Der erhöhte Atemwiderstand wird kompensiert, indem Brustkorb und die Muskulatur der Bauchwand zusammenarbeiten. Die Beteiligung der Bauchpresse an der Atmung führt zu einer seitlichen Einkerbung zwischen Bauchmuskel und Rippenbogen. Wenn dieser Prozess länger anhält und oft wiederkehrt, verdickt sich das Lungengewebe („Remodelling“), was die Funktion der Lunge einschränkt und nicht durch Medikamente behandelt werden kann.
Innerhalb der RAO gibt es zwei weitere Formen: die Stall- und die Sommer-assoziierte Variante. Im Sommer haben einige Asthmatiker aufgrund der Hitze Probleme, da die Wärmeregulation zum großen Teil über die Lunge erfolgt. Viele Pferde, die den Rest des Jahres gut mit der IAD zurechtkommen, pumpen schnell und sind erschöpft. Wichtig: Die milde Asthmaform ist nicht mit einer Allergie gegen Gräser oder Pollen zu verwechseln. Wenn Einflüsse auf der Sommerweide zu einer starken Asthma-ähnlichen Reaktion führen und es dem Pferd im Stall mit Heufütterung besser geht, ist der Fall klar.
Universität arbeitet an Asthma-Schnelltest
Studien zufolge sind fast 80 Prozent aller Pferde auf der nördlichen Halbkugel von gering- bis mittelgradigem Asthma betroffen, weshalb Fachleute schon von einer Zivilisationskrankheit sprechen. Die Freie Universität Berlin hat sich des Themas deswegen angenommen und arbeitet zurzeit an einem Schnelltest, der Asthma bei Pferde erkennen soll. Denn: Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto besser ist die Prognose für den weiteren Krankheitsverlauf. Das Team um Professorin Heidrun Gehlen von der Pferdeklinik der Freien Universität hat Marker in der Lungenflüssigkeit der betroffenen Pferde gefunden, die einen Schnelltest, ähnlich dem Corona-Test, ermöglichen könnten.
Bei Verdacht auf Asthma wird üblicherweise eine sogenannte broncho-alveoläre Lavage (BAL) vorgenommen. Dazu wird über einen Schlauch ein halber Liter Flüssigkeit in die Lunge gegeben, wieder abgesaugt und unter dem Mikroskop untersucht. Ist keine Klinik in der Nähe, schicken Tierärzte und -ärztinnen die Probe ein, was den Befund um Tage verzögern kann. Bei genauer Analyse dieser Lungen-Spülflüssigkeit entdeckten die Forschenden, dass bei allen asthmatischen Pferden die Menge bestimmter Proteine erhöht war.
Aktuell ist man für geeignetes Probenmaterial noch auf die Spülflüssigkeit angewiesen. Die Forscher arbeiten jetzt daran, ob sich schon in den oberen Atemwegen – also Nüstern und Rachenraum – oder im Blut ebenfalls Marker finden, die für eine genaue Diagnose hilfreich sind.
Außerdem soll untersucht werden, ob sich anhand weiterer Parameter auch der Schweregrad der Erkrankung ablesen lässt.
Das Projekt startete 2020 mit einer Anschubfinanzierung von Universität und Fachbereich und wird seit 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Auch die Investitionsbank Berlin ist mit ihrem Förderprogramm ProValid in die Finanzierung eingestiegen.
Derzeit prüft das Team gemeinsam mit dem promovierten Molekularbiologen Zoltán Konthur von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung die technische Machbarkeit des Schnelltests. Der bisher aussichtsreichste Marker-Kandidat wurde bereits zum Patent angemeldet.
Haltungsbedingungen als Allergieauslöser
Aufgestallte Pferde leiden im Winter oft unter Atemwegsproblemen, weil ihre Lunge auf Pilzsporen und Feinstaub in Heu und Stroh allergisch reagiert. Diese „Stauballergie“ kann bei wiederholtem Kontakt zu dauerhaften Lungenschäden führen. Pferde-Asthma kann auch genetisch bedingt sein; der Nachwuchs erkrankter Tiere hat ein fünffach erhöhtes Risiko.
Dass viele Pferde mit Husten und Asthma zu kämpfen haben, ist nicht weiter verwunderlich: Ihre natürliche Umgebung ist die offene Landschaft an der frischen Luft. Ställe hingegen im Winter oft warm, schlecht belüftet und staubig.
Deswegen halten verschiedene Helferlein immer häufiger Einzug in die Ställe: Neben Heubedampfern zur Minimierung des Staubes im Raufutter verfügen immer mehr Ställe über Solekammern. Zudem greifen viele Besitzer zum Inhalator: Er kann dafür sorgen, dass die Pferde wieder befreiter atmen können und er kann die Symptome akuter und chronischer Atemwegserkrankungen lindern.

Mobile Geräte immer beliebter
Wie häufig inhaliert wird, hängt immer von den Empfehlungen des Tierarztes ab – zwischen mehreren Malen täglich bis hin zu ein, zwei Mal pro Woche als Prophylaxe ist alles möglich. Das Wie entscheidet das Bauchgefühl des Pferdebesitzers. Allerdings greifen viele mittlerweile auf ihr eigenes Gerät zurück. „Wir haben ganz klar festgestellt, dass die Tendenz zur Inhalation mit mobilen Geräten geht“, erzählt Antonia Zellhuber von der Firma Kerbl. Die Besitzer nutzen die Inhalationsmasken während des Putzens oder auch während des Warmführens des Pferdes – oder aber nach getaner Arbeit entspannt unterm Solarium.
Auch fest installierte oder in Anhängern eingebaute Solekammern werden vermehrt genutzt, allerdings gibt es dort im Zweifelsfall einen entscheidenden Nachteil: „Wichtig ist dabei zu klären, ob und wie oft die Solekammer tatsächlich gereinigt wird“, gibt Caroline Kliess von der Firma Nortev zu bedenken.
Wer sich für sein eigenes Inhalationsgerät entscheidet, hat die Qual der Wahl: Mittlerweile gibt es die verschiedensten Anbieter und Geräte auf dem Markt, aus denen der Pferdebesitzer wählen kann. Welches der richtige sein könnte, haben wir auf den Seiten ??? bis ??? für Sie zusammengetragen – in unserem Inhalatoren-Test erklären wir ausführlich die Vor- und Nachteile verschiedener Geräte und geben damit eine Entscheidungshilfe für die Produktauswahl.
Vorteile der Inhalationstherapie
Tiefenwirksame Medikamentenaufnahme: Im Gegensatz zu oralen oder injizierten Medikamenten gelangen Wirkstoffe direkt in die Lunge.
Schleimlösung und Befeuchtung: Besonders bei trockenen oder entzündeten Schleimhäuten fördert Inhalation die Schleimlösung.
Schonende Therapie: Im Vergleich zu Medikamenten mit systemischer Wirkung ist die Inhalation oft besser verträglich.
Medikamente gezielt einsetzen
Insbesondere bei akuten Erkrankungen liegt der Nutzen von Inhalationsgeräten auf der Hand: Die helfen dabei, hartnäckigen Schleim zu lösen und abzutransportieren. Gleichzeitig haben sie den entscheidenden Vorteil, dass Medikamente so gezielt dort eingesetzt werden können, wo sie wirken sollen. „Wenn ein Lungenproblem besteht, ist es für den gesamten Organismus besser, wenn das Medikament direkt am Bestimmungsort ankommt und nicht gespritzt werden muss. Gleichzeitig werden kleinere Medikamentenmengen zur Behandlung benötigt“, nennt Lalenya Tepper von der Firma Nebu-Tec einen Vorteil.
Entscheidet sich der Besitzer für einen Inhalator, sollte er dem Pferd Zeit geben, sich daran zu gewöhnen. „Es ist wichtig, dass man das Pferd langsam daran gewöhnt und ihm die Chance gibt, sich selbst und ohne Zwang mit dem Gerät auseinanderzusetzen“, betont Tepper. „Haben sie es verstanden, entspannen die meisten beim Inhalieren und genießen es richtig.“ Gerade am Anfang sei es wichtig, die Inhalation nur kurz zu halten und so mit einem positiven Gefühl abzuschließen. „Bei Pferden, die eher angespannt ist, kann es helfen, sie Schritt zu führen, so atmen sie automatisch tiefer ein“, sagt die Expertin. „Am effektivsten ist es, wenn sie ganz entspannt tief ein- und ausatmen.“
Langsame Gewöhnung
Auch Antonia Zellhuber empfiehlt eine schrittweise Gewöhnung des Pferdes an das Gerät. „Wir raten dazu, erst einmal nur das Aufsetzen der Maske zu üben, ohne das Gerät überhaupt anzuschließen. Wenn das gut klappt, kann der Inhalator dazu genommen werden. Erst danach würde ich vorsichtig mit dem Inhalieren beginnen.“ Die Besonderheit des Kerbl-Gerätes: Es entsteht ein Kamineffekt, durch den der Inhalator eng am Pferdekopf anliegt und keine Dämpfe nach außen verloren gehen. Gerade dieses System erfordert das Verständnis des Pferdes. „Zunächst wird das Rädchen ganz offengelassen und erst bei weiteren Einheiten nach und nach mehr geschlossen“, sagt Zellhuber. „Irgendwann erreicht man dann ganz entspannt die 100 Prozent und das Pferd atmet richtig tief ein und aus.“
Werde das Rädchen zu schnell zu stark geschlossen, könnte das manch ein Pferd in Panik versetzen, da sie das Gefühl haben, nicht mehr richtig Luft zu bekommen. „Daher lohnt es sich, mit viel Geduld an die Sache heranzugehen, um dann irgendwann die intensive Inhalation durchführen zu können.“
Um gerade bei akuten Atemwegserkrankungen die Heilung zu fördern, ist Bewegung in Kombination mit Inhalieren wichtig. „Bei verschleimten Pferden ist es sehr wichtig, sie danach zu bewegen, um die Durchblutung zu fördern und natürlich auch das tiefe Atmen“, sagt Lalenya Tepper von der Firma Nebu-Tec.
Dabei sei der Galopp besonders hilfreich: „Die Atmung wird mit dem Galoppsprung synchronisiert und kann so gut dafür sorgen, dass das Pferd abhustet“, erklärt die Expertin. Galopp käme aber nur denn in Frage, wenn das Pferd entsprechend Luft bekommt. „Leidet es gerade unter akuter Atemnot, sollte man es nicht unbedingt Runde um Runde galoppieren lassen.“
Bei stark verschleimten Pferden könne es darüber hinaus helfen, nach dem Inhalieren tief fressen zu lassen – beispielsweise aus einer Schale oder Leckschale, oder unausgebunden zu longieren, um das möglichst tiefe Absenken des Kopfes zu ermöglichen.

Prophylaxe ist sinnvoll
Doch nicht nur im akuten Zustand kann Inhalation sinnvoll sein. „Viele Besitzer reagieren leider erst, wenn das Pferd bereits Symptome zeigt“, nennt Karoline Kliess von der Firma Nortec ein Problem. „Wenn ich weiß, dass mein Pferd dazu neigt, Atemwegsprobleme zu entwickeln, macht es durchaus Sinn, es ganzjährige zu unterstützen und prophylaktisch zu Inhalieren. Schließlich sei die Pferdelunge in der normalen Stallhaltung unter Dauerbeschuss: „Im Winter ist es Staub aus Einstreu oder Futter, im Sommer kommen weitere Allergieren durch Pollen und andere Umwelteinflüsse dazu“, erläutert Kliess.
Ob und wie oft inhaliert wird, entscheidet am Ende aber vor allem das Bauchgefühl: „Jeder kennt sein Pferd am besten. Wer genau zuhört, wird merken, wenn es seinem Pferd guttun würde“, sagt die Expertin.
Verneblergeräte
Vernebler sind die effektivste Methode für die Inhalation beim Pferd. Sie zerstäuben Flüssigkeiten in feinste Partikel, die tief in die Lunge eindringen können. Es gibt verschiedene Modelle:
Druckluftvernebler: Arbeiten mit einem Kompressor und erzeugen feine Aerosole.
Ultraschallvernebler: Besonders leise, aber oft nicht für alle Medikamente geeignet.
Membranvernebler: Moderne Geräte mit hoher Effizienz und feiner Partikelgröße.
Als Inhalationslösung kommen isotonische Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %), hypertone Kochsalzlösung (3–7 % für schleimlösende Effekte) oder medikamentöse Lösungen (z. B. Kortison oder Bronchodilatatoren) zum Einsatz.





