Christian Kukuk und Just be Gentle bei den Europameisterschaften 2025 in La Coruña. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Christian Kukuk und Just be Gentle bei den Europameisterschaften 2025 in La Coruña. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

FN zu Kukuk: „Definitiv nicht der Tatbestand der Tierquälerei“

Christian Kukuk und Just be Gentle bei den Europameisterschaften 2025 in La Coruña. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Christian Kukuk und Just be Gentle bei den Europameisterschaften 2025 in La Coruña. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Der FN-Vorstandsvorsitzende Dr. Dennis Peiler hat seine Aussage bezüglich der Gespräche, die es mit Olympiasieger Christian Kukuk wegen seines Reitens auf blankem Schlaufzügel in Verona gab, etwas konkretisiert und der Präsident Martin Richenhagen hat dem ZDF ein aussagekräftiges Interview gegeben, dass klar macht, wie die FN zum Thema pferdegerechter Sport steht.

Vor wenigen Wochen hatte Dr. Dennis Peiler gegenüber Rheinlands Reiter + Pferde erklärt, dass die FN potenzielles Fehlverhalten von Reitern „sorgfältig prüft, transparent bewertet und, wo nötig, Konsequenzen zieht“. Dies geschehe unabhängig davon, um welchen Reiter es sich handelt.

Vor diesem Hintergrund wollten wir wissen, ob das Verhalten von Olympiasieger Christian Kukuk, der beim Weltcup-Turnier in Verona gefilmt wurde, wie er seine Stute Just Be Gentle mit blankem Schlaufzügel reitet, Konsequenzen haben wird. Nachdem er auf die Frage in seinem ersten Statement nicht eingegangen war, erklärte er auf nochmaligen Nachhaken nun:

„Wir haben als Verband umgehend reagiert. In Gesprächen mit der FN war er selbstkritisch und sich bewusst, dass er in dieser Situation nicht richtig agiert hat. Wir erwarten, dass er es zukünftig besser macht. Als Kaderreiter und Olympiasieger hat er eine Vorbildfunktion.“

Sanktionen wird es demnach nicht geben, wie FN-Präsident Martin Richenhagen auch gegenüber dem ZDF erklärt hat.

Das sagt der FN-Präsident

Auch das ZDF hat sich mit dem Fall Christian Kukuk beschäftigt und den FN-Präsidenten Martin Richenhagen um ein Gespräch gebeten. Auf die Frage von Reporter Hermann Valkyser, wie die FN zu dem Fall Kukuk stehe, ging Martin Richenhagen zunächst auf die Erfolge des Reiters ein und darauf, dass er – wie alle Reiter des Stalls Beerbaum – für seinen feinen Reitstil bekannt ist. Dann ging er auf den Vorfall in Verona ein:

„Diese kleine Aufnahme, die wir da gesehen haben, ist natürlich etwas ungewöhnlich“, sagte er und erklärte, diese Art der Zäumung sei in Deutschland nicht erlaubt. Die Regeln der FEI seien da hingegen „etwas unklar“. Zur Erinnerung: Artikel 257 der FEI Jumping Rules besagt wörtlich:

„Reins must be attached to the bit(s) or directly to the bridle. A maximum of two pairs of reins may be used. If two pairs of reins are used, one pair must be attached to the bit or directly to the bridle. Gags and hackamores are allowed.“

Auf Deutsch: Die Zügel müssen entweder am Gebiss bzw. den Gebissen oder direkt am Zaum befestigt sein. Es dürfen maximal zwei Zügel benutzt werden. Wenn zwei Zügel benutzt werden, muss ein Paar davon befestigt sein.

Richenhagen: „Wir haben zur FEI Kontakt aufgenommen. Wir müssen da nachlegen.“ Offensichtlich habe der Steward vor Ort auch „nichts zu beanstanden gehabt“. Kukuk sitze „ja auch ein bisschen seltsam da drauf“ und zum Schluss gehe das Pferd auch „nicht ganz ordentlich im Takt“. Fazit zu dieser ersten Frage: „Ingesamt kein positiver Eindruck.“

Gespräche führen, aber tolerant sein gegenüber Fehlern

Darauf, dass das FEI Reglement sehr wohl einen Passus hat, der besagt, dass wenigstens ein Zügelpaar an Gebiss oder Zaum befestigt sein muss, geht Valkyser nicht ein. Aber er hakt nach, dass Richenhagen an anderer Stelle gesagt habe, er fände das „nicht akzeptabel“, wie denn nun die Position der FN in der Sache sei.

Martin Richenhagen erklärt, sie hätten das mit dem Reiter „so kommuniziert“, sagt aber auch: „Im Leistungssport muss man natürlich auch ein bisschen tolerant sein und muss auch mal akzeptieren, dass ein Fehler gemacht wird.“

Daraufhin sagt Hermann Valkyser, Kukuk habe an der Stelle „ja nichts Verbotenes“ getan, weil das FEI Reglement dieses Reiten nicht explizit verbiete. Warum es dann aus Sicht der FN dennoch „verwerflich“ sei. Martin Richenhagen relativiert: „Ob ich das jetzt verwerflich nennen würde, weiß ich nicht. Aber es ist nicht besonders vorbildlich, sagen wir mal so.“

Ob diese Bilder angesichts dessen, dass Verband und die Reiterwelt um ihren guten Ruf und „vielleicht auch gegen eine Glaubwürdigkeitskrise“ kämpfen, besonders schmerzen, fragte Valkyser weiter. Daraufhin Richenhagen: „Wir haben ja eigentlich einen ganz guten Ruf wieder seit einem Jahr, und ich sehe keine Glaubwürdigkeitskrise, weil wir uns immer klar zum Tierwohl bekannt haben.“ Auf Nachhaken von Valkyser, betont Richenhagen, dass gerade Christian Kukuk immer dadurch aufgefallen ist, dass er so schön reitet und dass nach dem Auftritt der Deutschen in Paris alle begeistert waren. „Man muss jetzt eben auch mal akzeptieren, dass Fehler gemacht werden.“

Fazit

Welche Möglichkeit der Sanktionen es gegen den Reiter geben werde, fragte Valkyser. Richenhagen erklärte, man mache weiter mit konstruktiven Gesprächen und versuche den Reiter ins Boot zu holen. Er sei da optimistisch. Eine Möglichkeit zu sanktionieren gebe es aber nicht, „weil es sich definitiv nicht um den Tatbestand der Tierquälerei handelt“.

Ob ihn der Aufruhr, den das Video in den Medien und den sozialen Medien verursacht hat, überrasche, fragte Valkyser weiter. Richenhagen: „Nein, als ich das gesehen habe, habe ich gleich gesagt, das ist eine Katastrophe.“ Er habe sofort das Gespräch mit Ludger Beerbaum und Otto Becker gesucht. „Das ist eigentlich jetzt nicht so, dass das was ganz, ganz dramatisches passiert ist. Die Aufregung ist wesentlich größer als das, was vor Ort gelaufen ist. Das Pferd ist nachher Dritter geworden in der Springprüfung, also so schlimm kann es ja nicht gewesen sein.“

Das vollständige Interview zwischen ZDF und Richenhagen finden Sie hier.

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