
Neues Toppferd? Ja! Neues Pferd? Nein. Bereits siebenjährig bekam Philipp Weishaupt den schwedischen Wallach Kilmister unter den Sattel. Gestern im Global Champions Tour Grand Prix von Wien zeigte der, was man noch alles von ihm erwarten kann.
Es war klar, dass Philipp Weishaupt mit seinem EM-Silbermedaillengewinner und Olympiapartner Zineday eines der vielversprechendsten Pferde der Welt verloren hat, als dieser an Eve Jobs und ihren inzwischen angetrauten Mann Harry Charles verkauft wurde. Seinen treuen Coby hatte Weishaupt dieses Jahr aus dem Sport verabschiedet. Gestern zeigte sich: Weishaupt hat längst ein neues Eisen im Feuer.
Das heißt Kilmister, ist nun neun Jahre alt, ein Sohn des Diarado aus einer Hors La Loi II-Mutter mit niederländischem Stamm, und seit ziemlich genau zwei Jahren mit dem Riesenbeck International Reiter im Sattel unterwegs. Holger Wenz hatte den schwedischen Wallach bei den ersten internationalen Einsätzen gezeigt. Seitdem ging er nur unter Weishaupt.
Altersentsprechend ritt Weishaupt den Braunen achtjährig fast nur auf M-Höhe. Erst Ende November stellte er ihn daheim in Riesenbeck in einem 1,45 Meter Grand Prix vor. Mit mäßigem Erfolg: 19 Strafpunkte. Zu Beginn der Saison waren sie im Mittleren Osten im Einsatz und zeigten sich in ersten 1,50 Meter-Prüfungen. Das lief schon deutlich besser mit einigen Schleifen. Der erste Fünf-Sterne-Turnierstart folgte in ’s-Hertogenbosch im März, wo sie sich bereits in einem 1,55 Meter-Springen platzieren konnten, wenn auch noch mit einem Abwurf im Stechen, aber schneller als Europameister United Touch S, der die Prüfung gewann. Über die Saison sammelte Kilmister Erfahrung, um nun in Wien alles zu zeigen, was er gelernt hatte.
Als vorletztes Paar im Stechen nahmen Philipp Weishaupt und Kilmister dem bis dato führenden niederländischen Dreamteam Harrie Smolders/Monaco mehr als eine ganze Sekunde ab, um sich den Löwenanteil des Preisgeldes zu schnappen – 101.838 Euro – und einen dritten GCT Triumph von Smolders in dieser Saison zu verhindern. Der wurde Zweiter, gefolgt von Bertram Allen (IRL), der ebenfalls ein neunjähriges neues Talent präsentierte: Qonquest de Rigo v. Fantomas de Muze.
Eckermann Achte
Philipp Weishaupt war nicht der einzige Deutsche unter den Teilnehmern des Stechens. Auch Katrin Eckermann war dabei und ritt die Diarado’s Boy-Tochter Dialou Blue PS mit einem Abwurf gegen die Uhr auf Platz acht.
Hans Dieter Dreher und sein erfahrener Vestmalle des Cotis waren schneller als alle anderen im Stechen, hatten aber ebenfalls einen Springfehler, Platz sechs.
Ein Zeitfehler kostete Jörne Sprehe und Hot Easy die Stechteilnahme und damit die Chance auf eine Schleife. Die Olympiasieger Christian Kukuk und Checker hatten ebenso einen Fehler, wie Jana Wargers auf Dorette, Marcus Ehning mit Priam du Roset und Janne Friederike Meyer-Zimmermann im Sattel von Just a Dream.
Zu den vier Paaren, die das Stechen nur wegen der erlaubten Zeit verpassten, gehörte neben Katrin Eckermann auch der Doppelweltmeister Henrik von Eckermann. Der Schwede präsentierte ebenfalls ein neues Talent: die neunjährige Emerald-Kannan-Tochter Qasirah van de Reistenhoek, die er im April dieses Jahres aus belgischem Beritt übernommen hatte. Wien war ihr erster Großer Preis auf Fünf-Sterne-Niveau, bei dem sie auf Anhieb alle Latten in den Auflagen ließ.
Fast so gut wie Riesenbeck
Weishaupt sprach nach seinem Ritt weniger über sein Pferd als über die unglaubliche Turnierkulisse im Park vor Schloss Schönbrunn. „Ich sage das nicht nur, weil ich gewonnen habe. Und ich kann auch nicht sagen, dass es mein Lieblingsturnier ist, weil ich aus Riesenbeck komme. Aber wir haben das Glück, an vielen unglaublichen Orten auf der ganzen Welt zu springen – aber das? Das ist mit Abstand das unglaublichste – neben Riesenbeck, natürlich“, beeilte er sich noch, hinzuzufügen.
Mit dem Sieg hat Philipp Weishaupt sich nun auch das Ticket für die Teilnahme am Super Grand Prix in Prag gesichert, wo nur die Sieger der Saison zum großen Showdown antreten. Und die Global Champions League Teams. 2023 war Riesenbeck International in Prag siegreich und hat den Millionen-Jackpot geknackt. Wie Weishaupt in Wien noch einmal betonte: „Der emotionalste Tag meiner sportlichen Karriere.“
Vielleicht gelingt den Riesenbeckern dieses Jahr noch ein großer Wurf. In Wien haben sie jedenfalls gezeigt, dass sie unter Druck erst richtig aufblühen.
Global Champions League
Die Global Champions League-Etappe von Wien wurde am Freitagabend ausgetragen. Nach Runde eins lagen die Riesenbecker, Christian Kukuk mit Chageorge und Philipp Weishaupt mit Oreo D.R., mit je einem Abwurf noch in recht aussichtsloser Position. Doch das änderte sich, als sie im zweiten Parcours über 1,60 Meter beide fehlerfrei und schnell waren und sich damit den dritten Podiumsplatz in Folge für ihr Riesenbeck International Team sicherten, diesmal Rang zwei.
Siegreich waren die Prague Lions in Gestalt von Fernando Martinez Sommer auf Lady van de Haarterhoeve und Pieter Devos mit Primo DV und Jarina J. Sie ließen sich keinen einzigen Springfehler zuschulden kommen.
Über den dritten Platz konnten sich Marcus Ehning mit Priam du Roset und Hans-Dieter Dreher auf Vestmalle des Cotis für Valkenswaard United freuen. Ehning hatte einen Abwurf im ersten Umlauf und war im zweiten fehlerfrei. Bei Dreher war es umgekehrt.
Übrigens ist auch Weishaupts Oreo D.C. erst seit einem Jahr im Großen Sport. Der elfjährige belgische Hengst v. Kannan ging jahrelang mit überschaubarem Erfolg unter dem Jordanier Ra’ad Naser, der ihn auch an die größeren Aufgaben herangeführt hat. Im Oktober 2024 ritt Philipp Weishaupt ihn erstmals unter Turnierbedingungen. Dieses Jahr waren sie im Juni Siebte im Großen Preis der GCT Etappe von St. Tropez. Seit Mitte August 2025 steht Oreo D.C. nun im Besitz der Beerbaum Stables.





