
Gerrit Nieberg war schon ganz oben. 2022 gewann er der Großen Preis von Aachen gegen die Besten der Welt. Dann musste er ganz von vorne anfangen. Und spätestens seit dem vergangenen Wochenende weiß es jeder: Nieberg ist wieder da! Und wie!
Spätestens seitdem er 2022 in sensationeller Manier den Großen Preis von Aachen gewann, war klar: Gerrit Nieberg gehört zu den besten Springreitern der Welt. Aber auch der beste Reiter braucht ein herausragendes Pferd. Und nach dem Sieg in Aachen schossen die Angebote für Niebergs Toppferd Ben in schwindelerregende Höhen. Sie wurden nicht für die WM 2022 nominiert, aber für die EM 2023. Doch dort lief es nicht wie erhofft. Schließlich bekamen die Niebergs und ihr Mitbesitzer Hendrik Snoek ein Angebot, bei dem sie nicht Nein sagen konnten. Ben wechselte zu Lucy Davis in die USA. Kurz darauf verließ auch Niebergs zweites Toppferd, der Schweizer Blues d’Aveline das Gut Berl. Er ging zu Max Kühner. Gerrit Nieberg musste ganz von vorne anfangen, sagte aber, er sei sehr zuversichtlich. Zu recht, wie sich dieses Wochenende gezeigt hat.
Förderprogramm der Sorte Nieberg
Denn zu den Pferden, die er im Herbst 2023 von Karin Ernsting übernehmen konnte, gehörte der auffällige Schecke Ping Pong van de Lentamel. Der Emerald-Sohn aus einer Toulon-Mutter kam zwar in Belgien zur Welt, seine sportliche Karriere fand aber in Deutschland statt, zunächst unter Stephan Naber, dann mit Kai Schäfer und Karin Ernsting, ehe er zu Nieberg kam. Der baute den Braunschecken behutsam auf, so wie er es ja auch schon erfolgreich mit Ben und Blues d’Aveline getan hatte. Gegen Ende der Saison 2024 konnten sie sich in den ersten 1,50 Meter-Springen platzieren und im Dezember wurden sie Vierte im Großen Preis von Frankfurt. Spätestens da merkte man auf.
Ihre Saison 2025 begannen sie in Spanien, wo sie schon im Februar den 1,55 Meter Grand Prix in Vejer de la Frontera gewinnen konnten. Ping Pong war auf dem Sprung in den Spitzensport. In Mannheim gehörten die beiden zum siegreichen deutschen Nationenpreisteam, waren in beiden Umläufen des CCIO3* der EEF-Serie null. In Hohen Wieschendorf ging Ping Pong seinen ersten 1,60 Meter Grand Prix, hatte aber noch vier Abwürfe. Doch seine Lernkurve war steil. In Hamburg waren es nur noch acht. Und in Aachen hätte er fast für die nächste Nieberg-Sensation gesorgt, als er bis zur letzten Runde strafpunktfrei sprang, hier dann aber einen Fehler hatte. Trotzdem, Rang neun für den zehn Jahre jungen Wallach war eine Sensation.
In Brüssel passierte das Paar einen weiteren Meilenstein: den ersten Nationenpreis-Einsatz über 1,60 Meter. Sie schlugen sich gut mit je einem Abwurf in beiden Umläufen. Jetzt in Riesenbeck gingen sie zum ersten Mal in einem Global Champions Tour Grand Prix an den Start.
Meilenstein Riesenbeck
Für Nieberg ist Riesenbeck International quasi ein Heimspiel. Er braucht ca. 45 Minuten, bis er zuhause auf Gut Berl ist. Ein Katzensprung zum Turnier, ein Riesenschritt auf der Karriereleiter.
Nur sechs Paare waren auf dem Riesenbecker Rasen fehlerfrei geblieben und hatten es ins Stechen geschafft, darunter das 2021er Olympiapaar Harrie Smolders und Bingo du Parc, Vorjahressieger Max Kühner – allerdings nicht mit Blues d’Aveline, sondern mit EIC Cooley Jump the Q –, Christian Ahlmann und Peder Fredricson.
Smolders war der erste Reiter im Stechen und lieferte eine sichere Null-Fehler-Runde. In 48,78 Sekunden zeigte er mit Bingo du Parc, wie es gehen kann. Jack Whitaker auf Jack Jl waren als nächste dran. Michael Whitakers Sohn nahm sich ein Beispiel an Smolders, blieb null, war aber nicht schnell genug.
Dann waren Nieberg und Ping Pong van de Lentamel an der Reihe zu zeigen, ob Smolders‘ Zeit zu schlagen war. War sie. In 46,99 Sekunden flogen die beiden über den Rasen von Riesenbeck und ließen alle Stangen in ihren Auflagen. Blieben noch drei Konkurrenten. Doch keiner konnte dieses Ergebnis unterbieten.
So gewann Gerrit Nieberg zum ersten Mal in seiner Karriere einen Global Champions Tour Grand Prix. Zweiter wurde der ehemalige Weltranglisten-Erste, Mannschaftsolympiasieger und -weltmeister Peder Fredricson mit Al Capone des Carmille, gefolgt von Harrie Smolders, für den es die 28. Top drei-Platzierung in der Global Champions Tour war.
Was sagt man, wenn man gerade zum ersten Mal einen Global Champions Tour Grand Prix gewonnen hat und das auch noch vor heimischem Publikum? Man lobt sein Pferd: „Ich könnte nicht glücklicher darüber sein, wie er gesprungen ist. Er ist ein unglaubliches Pferd und ich bin so glücklich, hier nun zu stehen. Das ist definitiv bislang der Höhepunkt meines Jahres. Und er ist erst zehn Jahre als und noch ziemlich unerfahren auf diesem Niveau. Er ist so ein cooles Pferd – jeden einzelnen Tag der unkomplizierteste Charakter.“
Auch die Konkurrenz gönnte Nieberg seinen Sieg von Herzen. So meinte Peder Fredricson:
„Gerrit ist ein fantastischer Reiter, er bringt wirklich das Beste aus den Pferden heraus, die er reitet. Ich freue mich sehr für ihn.“
Was machen Ben und Blues d’Aveline?
Apropos das Beste herausholen – Ben war mit seiner neuen Reiterin 2024 einmal Dritter in einem der Großen Preise des Winter Equestrian Festivals in Wellington und gewann im Sommer in Riesenbeck den Großen Preis der CSI3* Tour in Riesenbeck. Zudem gehörten sie zum siegreichen Nationenpreisteam in Dublin. Diese Saison endeten sie allerdings meist unter „ferner liefen“.
Der nun 13-jährige Blues d’Aveline war nach zwei Springen Anfang Februar 2024 mit seinem neuen Reiter Max Kühner die gesamte Saison auf keinem internationalen Turnierplatz mehr. Erst diese Saison hat Kühner ihn wieder eingesetzt und platzierte sich jüngst auch mehrfach bei Fünf-Sterne-Turnieren.
Woher kommt das Scheck-Gen bei Ping Pong?
Um zu erkennen, woher die besondere Farbgebung von Ping Pong van de Lentamel kommt, muss man in dessen Pedigree weit zurückgehen. Zwar war schon seine Urgroßmutter gescheckt, aber daher kommt das Gen nicht direkt. Ping Pong niederländische Ahnen haben es in die Blutlinie gebracht. Der Vater der Großmutter war der KWPN-Hengst Limbo auf. Er war ein Schecke, weil seine 1983 geborene Großmutter Bira eine Tochter des Hengstes Samber v. Pericles xx war. Samber wiederum gilt als der einflussreichste Scheckhengst der europäischen Sportpferdezucht überhaupt. Er war in Dressur und Springen bis Klasse S erfolgreich und brachte ebenso rittige und talentierte Nachkommen. In Deutschland kennt man zum Beispiel die Söhne Sambuco B, Samenco und andere.





