Katharina Hemmer und Denoix hatten allen Grund, zufrieden mit sich und ihrer Championatspremiere zu sein! Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Katharina Hemmer und Denoix hatten allen Grund, zufrieden mit sich und ihrer Championatspremiere zu sein! Foto: Sportfotos-lafrentz.de

EM Crozet: Verschreckter Vayron, Dynamischer Denoix

Aktiv, mit schöner Anlehnung und immer positiv: Denoix unter Katharina Hemmer im Grand Prix der EM Crozet 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Aktiv, mit schöner Anlehnung und immer positiv: Denoix unter Katharina Hemmer im Grand Prix der EM Crozet 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Dank einer Glanzleistung der beiden Championatsdebütanten Katharina Hemmer und Denoix hat Deutschland nach Teil eins der Mannschaftsentscheidung bei den Europameisterschaften in Crozet die Führung übernommen. So ganz glücklich war der Tag trotzdem nicht.

Nachdem der Auftritt des ersten deutschen Paares, Ingrid Klimke mit Vayron, nicht ganz so lief wie erhofft (dazu später), stand Katharina Hemmer unter Druck. Wenn es morgen etwas werden soll mit der von der Bundestrainerin klar als Ziel ausgegebenen 26. EM-Goldmedaille für Deutschland musste sie heute liefern. Und das bei ihrem allerersten Championat. Aber dass sie langjährige Mitarbeiterin von Reitmeister Hubertus Schmidt Nerven wie Drahtseile hat, hat sie schon häufig bewiesen. Und dass sie und der Oldenburger Destano-Sohn Denoix aka „Purzel“ ein eingespieltes Team sind, auch.

All das demonstrierten sie heute bei ihrem ersten EM-Auftritt in Crozet. Herrliche Traversalen, sichere Piaffe- und Passage-Reprisen mit der Schlusslinie als Highlight, tolle Zweierwechsel, kontrollierte Zick-Zack-Traversalen und ein harmonisches Gesamtbild summierten sich zum besten Ergebnis des Tages, 75,699 Prozent. Das ist die dritthöchste Grand Prix-Bewertung ihrer bisherigen gemeinsamen Karriere. Ein erst zögerliches, dann nicht taktmäßiges Rückwärtsrichten, ein Versehen in den Einerwechseln und nicht ganz hundertprozentig ausbalancierte Pirouetten ließen noch Luft nach oben für die kommenden Tage, wenn es um die Einzelwertungen geht.

Als Katharina Hemmer „im Ziel“ war und ihrem Purzel nach der letzten Grußaufstellung dankbar den Hals streichelte, drehte der sich zu ihr um als wollte er sagen: „Habe ich gut gemacht, oder?“ Hatte er! „Super fokussiert“ sei er gewesen, lobte Katharina Hemmer später und freute sich: „Ich bin richtig froh, dass wir unsere Championatspremiere heute so gut hinbekommen haben.“

Ein Berg- und Talritt

Ingrid Klimke und Vayron mit einigen Highlights, aber leider auch Tiefpunkten bei ihrem gemeinsamen Championatsdebüt in Crozet. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Ingrid Klimke und Vayron mit einigen Highlights, aber leider auch Tiefpunkten bei ihrem gemeinsamen Championatsdebüt in Crozet. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Ingrid Klimke war hingegen enttäuscht nach ihrer 69,348 Prozent-Runde mit Vayron. Wie Hemmer ist die Reitmeisterin eine der 29 Starterinnen und Starter von insgesamt 62, die in Crozet zum ersten Mal bei einer Europameisterschaft im Dressurviereck am Start sind. Bislang war sie stets in der Vielseitigkeit im Championatseinsatz gewesen. Ihr Debüt im Viereck gab sie bei der WM 2022, damals noch mit Franziskus. Der ist nun in Ruhestand, und bis auf die Farbe hat Ingrid Klimkes neue Nummer eins unter den Dressurpferden ihres Stalls sehr wenig gemein mit dem selbstbewussten Macho Franziskus. Heute war es eine merkwürdig aussehende Treckerspur, die Vayron aus der Fassung brachte.

Dabei fingen die beiden gut an. Im starken Trab steppte der Vitalis-Sohn wie immer mit Sieben-Meilen-Stiefeln los, wenngleich Ingrid Klimke ihn noch zurückhielt und Rahmenerweiterung fehlte. Es folgten wunderbar fließende und gebogene Traversalen. Doch dann nahm das Unglück seinen Lauf.

Bei C entdeckte der Hengst offenbar etwas auf dem Boden, das ihn zutiefst erschreckte. Zwar war hier ohnehin Halten und Rückwärtsrichten gefragt, aber Vayron machte eine Vollbremsung und rannte geradezu rückwärts. So war das auch nicht gedacht. Ingrid Klimke behielt bewundernswert sowohl die Nerven als auch die Kontrolle, als sie ihn etwas länger stehen ließ, um Vayron durchatmen und wieder etwas zur Ruhe kommen zu lassen. Dann wieder starker Trab. Im letzten Viertel verlor Vayron kurz den Takt. Zwischendurch hatte man aber schon wieder den Eindruck, Vayron hätte sich gefangen.

Die erste Piaffe war vielleicht die beste, die man je von dem Riesen gesehen hat, die Passagen auch ziemlich stabil. Der starke Schritt gelang. Mit ihrem ganzen Geschick lotste Klimke Vayron an dem Pferdeschreck bei C vorbei und in eine ebenfalls recht ordentliche zweite Piaffe-Passage-Tour. Es folgten schön aus der Ruhe heraus entwickelte und gut durchgesprungene Zweierwechsel. Im starken Galopp hielt Ingrid Klimke sich zurück. Die Taktik ging auf. Die Zick-Zack-Traversalen danach konnte sie gut kontrolliert und eingeteilt herausarbeiten. Die Einerwechsel waren sicher durchgesprungen, aber etwas hoch aufgerichtet und dadurch nicht ganz sicher durch den Körper.

Doch dann kamen die Pirouetten. Die fallen Vayron ohnehin nicht leicht. In der ersten stemmte er sich noch herum. Doch in der zweiten vor den Richtern schielte er schon wieder gen C und verlor die Balance. Auch auf der letzten Mittellinie war er mit seinen Gedanken wohl weniger bei der letzten Piaffe bei X als beim weiteren Weg auf C zu, so dass der Übergang stockend war. Schade! Aber eine reiterliche Meisterleistung von Ingrid Klimke, wie sie ihren Riesen durch diese Prüfung gelotst und ihm immer wieder Sicherheit vermittelt hat.

Die verflixte Treckerspur

Enttäuscht war sie verständlicherweise trotzdem: „So schlecht ist er wirklich noch nie gegangen, das kann ich wirklich sagen. Und das muss ich auch so sagen.“ Den Grund dafür kannte sie: „Genau bei C war eine breite, platte Treckerspur, wie so ein Brett. Da kam er hin und guckte er sofort: ,Oh Gott’! Beim Einreiten merkte ich schon, er schielte da hin.“

Zwischendurch habe sie ihn dann wieder bei sich gehabt. Bis zu den Pirouetten. „Da war er einfach nicht mehr bei mir. Der misst 1,86 Meter Stockmaß. Alles an ihm ist groß, dann wiegt er 700 Kilo, das ist natürlich viel Pferd für die Pirouetten. Deshalb weiß ich schon, dass ihm das schwer fällt. Aber wir haben es schon viel besser hingekriegt. Wir habe immer halbe Piroutten geübt und den Galopp schneller gemacht, was im Training jetzt schon so viel besser geworden ist. Leider konnte ich nichts davon heute ins Viereck bringen.“

Mit ihrem Ergebnis liegen die beiden aktuell an achter Stelle. Es ist ihnen sehr zu wünschen, dass sie am Freitag zu den besten 30 gehören, die noch einmal im Special an den Start gehen dürfen! Klimke: „Das hoffe ich sehr. Ja, das wünsche ich mir sehr. Wäre sehr schade, wenn nicht.“ Und weiter: „Er kann ja alles für eine 10. Ich sehe, dass da richtig viel Potenzial ist. Und Gott sei Dank Monica (Theodorescu) und die anderen auch, sonst wäre ich jetzt nicht hier.“

Das sagt die Bundestrainerin

Auf ihr Resümee des Tages angesprochen, erklärte Bundestrainerin Monica Theodorescu: „Das Fazit von heute fällt ein wenig durchwachsen aus. Vayron hat einfach Gespenster auf dem Boden gesehen. (…) Da waren diverse Unsicherheiten, die ziemlich teuer waren. Dafür umso besser Katharina Hemmer mit Denoix. Auch da misslang ein wenig das Rückwärtsrichten, das war heute dafür nicht unser Tag. Aber dafür war alles andere wirklich sehr gut mit vielen Höhepunkten!“

Was die morgige Entscheidung angeht, sieht dem Tag recht positiv entgegen: „Bluetooth und Freddy Wandres sind sehr gut in Form, Isabell (Werth) und Wendy auch. Also – grundsätzlich schaue ich positiv auf morgen!“

Los geht’s morgen wieder um 10 Uhr. Freddie Wandres und Bluetooth sind um 12.27 Uhr an der Reihe. Isabell Werth und Wendy sind viertes Paar der letzten Gruppe und um 15.58 Uhr dran.

Was macht die Konkurrenz?

Wie zu erwarten war, kristallisieren sich die Briten und die Dänen nach der ersten Hälfte des Starterfeldes als die stärksten Konkurrenten der deutschen Mannschaft heraus. Die Briten liegen mit den 74,829 Prozent von Becky Moody und Jagerbomb momentan an zweiter Stelle vor Dänemark, wo Nadja Aaboe Sloth und ihrem Foundation-Sohn Favour Gersdorf heute eine schöne Runde gelang, die mit 71,227 Prozent bewertet wurde. Rikke Dupont und der erst zehnjährige Grand Galiano erhielten genau 70 Prozent.

Morgen gehen für Dänemark noch Andreas Helgstrand mit Jovian (11.40 Uhr) und Cathrine Laudrup-Dufour auf Mount St. John Freestyle ins Viereck (15.06 Uhr). Insbesondere auf letzterer ruhen die Hoffnungen der Dänen, nicht nur was eine Mannschafts-, sondern auch was eine Einzelmedaille angeht. In welcher Farbe auch immer. Nachdem sie im vergangenen Jahr im Grand Prix Special der Olympischen Spiele von Paris die späteren Olympiasieger Jessica von Bredow-Werndl und Dalera geschlagen haben, könnte zumindest in der Einzelwertung auch Gold drin sein. Aber da war auch noch kein Zonik Plus am Start gewesen. Es wird auf jeden Fall spannend.

Spannend war es heute auch für die Briten, nachdem ihr erstes Paar, Andrew Gould mit dem KWPN-Hengst Indigro, abgeläutet wurde. Der schicke Rappe ging deutlich unklar, so dass der Däne Hans-Christian Matthiesen bei C nach dem zweiten Starken Trab zum Glöckchen griff.

Damit zählen die Ergebnisse der weiteren drei Briten. Morgen sind Carl Hester mit Fame (12.26 Uhr) und Charlotte Fry auf Galmourdale (16.17 Uhr) an der Reihe. Becky Moody und ihr selbst gezogener Jagerbomb haben das Team zwar in eine aussichtsreiche Position gebracht, blieben aber dennoch unter ihren Möglichkeiten. Zwar bestach der Dante Weltino-Sohn auch heute durch seine absolute Losgelassenheit, die gute Balance und die sichere Anlehnung, aber in den Piaffen fußte er unregelmäßig.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

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