
Die Bilder, wie der in den USA beheimatete Kolumbianer Cesar Parra Pferde unter dem Sattel und an der Longe eng ausgebunden mit Strippen und Gerte malträtiert, gingen um die Welt. Nun hat der Weltreiterverband FEI sein Urteil gegen den einstigen Championatsreiter bekannt gegeben.
Cesar Parra wurde für 15 Jahre wegen „Handlungen wider das Pferdewohl“ gesperrt. Zudem muss er 15.000 Schweizer Franken Strafe zahlen und trägt die Prozesskosten in Höhe von 10.000 Schweizer Franken. Parra ist bereits seit dem 2. Februar 2024 vorläufig gesperrt. Diese wird angerechnet. Somit endet die Sperre am 1. Februar 2039. Bis dahin darf Parra Parra an keinerlei Turnieren, anderen Veranstaltungen oder damit verbundenen Aktivitäten unter der Zuständigkeit der FEI oder eines nationalen Verbandes teilnehmen. Außerdem ist es ihm untersagt, FEI-registrierte Reiter und/oder FEI-registrierte Pferde zu trainieren.
Der gebürtige Kolumbianer nahm 1999 an den Panamerikanischen Spielen, 2004 an den Olympischen Spielen in Athen, 2002 und 2006 an den FEI World Equestrian Games und 2005 am FEI World Cup Finale teil. Nach seinem Wechsel der Staatsangehörigkeit im Jahr 2008 trat Parra für die Vereinigten Staaten bei den Panamerikanischen Spielen 2011 und dem FEI World Cup™ Finale 2014 an.
Lebenslange Sperre möglich?
Es stellt sich die Frage, ob es auch eine härtere Strafe, zum Beispiel eine lebenslange Sperre hätte geben können. Darauf erhielten wir von der FEI folgendes Statement:
Das FEI-Tribunal arbeitet als unabhängiges Justizorgan vom FEI-Hauptsitz aus und bewertet jeden Fall auf der Grundlage der Beweise, rechtlichen Argumente und geltenden Regeln.
Die FEI beantragte eine lebenslange Suspendierung im Fall von Cesar Parra, was die Häufigkeit, Anzahl und Vielfalt der Anklagepunkte des Missbrauchs von Pferden widerspiegelt. Obwohl das FEI-Tribunal dem Antrag der FEI nicht vollständig stattgegeben hat, respektiert die FEI die Entscheidung des Tribunals, zumal eine 15-jährige Suspendierung eine der härtesten Strafen darstellt, die jemals verhängt wurden.
Die Anklagepunkte
Die FEI hatte nach Bekanntwerden der Fälle in Abstimmung mit US Equestrian eine sofortige Untersuchung der Vorwürfe eingeleitet, dass Parra über mehrere Jahre hinweg wiederholt und vorsätzlich die meisten, wenn nicht sogar alle Pferde, die er besaß und trainierte, wiederholten und schweren Misshandlungen ausgesetzt habe.
Die Untersuchung umfasste eine gründliche Überprüfung umfangreichen Video- und Fotomaterials sowie mehrerer Zeugenaussagen.
Am 22. Mai 2024 leitete die FEI ein formelles Disziplinarverfahren gegen Parra ein und erhob drei Anklagepunkte: i) Misshandlung von Pferden; ii) Verhalten, das die FEI und/oder den Pferdesport und die FEI in Verruf bringt; iii) Verstoß gegen den FEI-Verhaltenskodex zum Wohlergehen von Pferden.
Viele Pferde betroffen
„Dieser Fall ist zutiefst verstörend, nicht nur wegen der wiederholten Natur des Missbrauchs, sondern auch wegen der Anzahl der betroffenen Pferde“, sagte Mikael Rentsch, Rechtsdirektor der FEI.
„Dass ein solches Verhalten von einem Spitzensportler ausgeht, macht die Sache umso beunruhigender. Von unseren Athleten wird erwartet, dass sie die höchsten Standards der Reitkunst vertreten und aufrechterhalten. Das Wohlergehen der Pferde ist die Grundlage des Pferdesports, nicht nur ein Zusatz.
„Die Untersuchung erforderte aufgrund des Umfangs und der Komplexität der Beweise, die sorgfältig überprüft werden mussten, viel Zeit und Ressourcen. Die 15-jährige Sperre sendet eine klare Botschaft, dass unabhängig von Profil oder Position diejenigen, die gegen die Grundsätze des Pferdewohls verstoßen, mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen müssen.“
Der US-Verband USEF hat seinerseits ein Statement abgegeben, in dem er das Urteil der FEI voll unterstützt.
Parra hat 21 Tage lang Zeit, vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS Berufung gegen das Urteil einzulegen.





