
Die erste Entscheidung über Gold, Silber und Bronze im Aachener Allianz-Park ist gefallen. Der zweite Teil des Lambertz-Preises, dem Grand Prix mit Einzelqualifikation und Mannschaftswertung der Dressurreiter, brachte eine ordentliche Portion Nervenkitzel in das glamouröse Stadion. Am Ende siegte Deutschland vor Großbritannien und Dänemark.
Es ist die 13. Goldmedaille für Deutschland bei einer Weltmeisterschaft. Mit fast vier Prozentpunkten Abstand verwies die deutsche Equipe um Bundestrainerin Monica Theodorescu 18 weitere Nationen auf die nachfolgenden Plätze. Doch zuvor wurde es noch einmal richtig spannend im Soerser Hauptstadion, in dessen Mitte anlässlich der Weltmeisterschaften momentan das Dressurviereck zu finden ist.

Für den Teamerfolg hatten die ersten beiden deutschen Starter bereits gestern gut vorgelegt. WM-Debütant Raphael Netz gelang mit 73,338 Prozent ein Auftakt nach Maß, während Frederic Wandres mit 75,963 Prozent über Nacht die Führung an sich nahm. Heute machte zunächst Katharina Hemmer erfolgreich weiter – und wie. Mit einer ebenso ausdrucksstarken wie harmonischen Vorstellung erzielte die Reiterin aus Erwitte ihr neues persönliches Bestergebnis von 79,224 Prozent und baute damit den Vorsprung für Deutschland weiter aus. „Ich wusste, dass es ein guter Ritt war – und wenn dann die Punkte auf die Tafel kommen, kriegt man schon eine Gänsehaut”, freute sich Katharina Hemmer anschließend. Auf ihren 14-jährigen Oldenburgerwallach Denoix PCH, den sie schon als Jungpferd geritten und 2022 wieder von ihrem Ausbilder Hubertus Schmidt übernommen hat, ist sie zu Recht stolz. „Ich habe mich super gefreut, dass er das so toll gemacht und so selbstbewusst nach Hause gebracht hat – da kann man schon mal ein bisschen emotional berührt sein”, sagt sie angesichts der Freudentränen, die ihr beim Verlassen des Vierecks kamen.

Für Schlussreiterin Isabell Werth, die 2026 zum achten Mal für Deutschland an einer Weltmeisterschaft teilnimmt, war es schließlich ein Leichtes, den Sieg nach Hause zu holen. Etwas mehr als 76 Prozent musste die rheinische Dressurkönigin dafür erreiten – am Ende standen 79,876 Prozent auf der Anzeigetafel. Und auch, wenn sie damit den Mannschaftssieg und ihre zehnte WM-Goldmedaille sicherte, blieb die Rheinbergerin heute unter ihren Möglichkeiten. Im Sattel von Wendy de Fontaine, ihrer leichtfüßigen, zwölfjährigen Rappstute, hat sie in der Vergangenheit schon so oft mit Bewertungen weit jenseits der 80 Prozent das Viereck verlassen. Diesmal verhinderten leichte Unebenheiten in den Zweierwechseln und ein Patzer in den Einerwechseln eine höhere Benotung – trotz Traversalen, die wieder mal ihresgleichen suchten, und einer rundum gelungenen Schlusslinie. Die Weltklassereiterin, die im Laufe ihrer beeindruckenden Karriere bereits mit sechs verschiedenen Pferden bei Weltmeisterschaften am Start war, zeigte sich dennoch zufrieden: „It was not that easy inside, everything was very special today, but I’m really happy and proud of how it worked.”



Dass die Konkurrenz vor allem in Europa nicht schläft, wurde auch heute durch zahlreiche starke Auftritte der anderen Nationen deutlich. Allen voran sicherte sich die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit ihrer 17 Jahre alten Hannoveranerstute Mount St John Freestyle das Bestergebnis der gesamten Prüfung. 82,376 Prozent erbrachten ihr nicht nur den Sieg im Grand Prix, sondern auch die Bronzemedaille mit der Mannschaft. Auf Platz zwei reihte sich mit 80,885 Prozent Justin Verboomen ein. Der Belgier, der als einer der großen Favoriten für Einzelgold gehandelt wird, konnte seinen Zonik Plus heute nicht so harmonisch vorstellen, wie man es von dem Paar gewöhnt ist. Eine deutlich strammere Zügelführung und ein insgesamt festgehaltenes Pferd prägten die Prüfung. Und auch wenn die Richter das Paar an zweiter Stelle rangierten – ganz zufrieden waren viele Zuschauer mit dieser Bewertung nicht. Am Freitag wird sich zeigen, ob der schmucke rheinisch eingetragene Rappe heute nur einen schlechten Tag hatte.
Einer, der die prickelnde Atmosphäre im Allianz-Park sichtlich genoss, war Glamourdale. Der lackschwarze, niederländisch gezogene Hengst von Charlotte Fry machte eine leicht stockende erste Piaffe durch eine gewohnt energiegeladene Galopptour wieder wett. 80,311 Prozent bedeuteten Platz drei für das britische Dreamteam, das seiner Mannschaft damit zur Silbermedaille verhalf.





