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Teamarbeit mit dem Therapeuten

Die Betreuung eines jeden Pferdes ist aufwendig, selbst wenn das Tier kerngesund ist gibt es am Stall neben dem Reiten immer etwas zu tun. Da es sich bei den Vierbeinern nicht um ein Sportgerät wie einen Tennisschläger oder einen Fußball handelt, müssen ihre Besitzer und Betreuer sich dauerhaft damit auseinandersetzen, wie man das Wohlbefinden des eigenen Pferdes erhalten und steigern kann.

Ganz gleich ob es sich um ein Freizeitpferd oder einen Spitzensportler, um ein Pony oder ein Großpferd handelt, jeder Pferdebesitzer sollte sich intensiv damit auseinandersetzen, wie er die Gesunderhaltung seines Tieres fördern kann. Dazu gehört mittlerweile bei den Meisten auch ein regelmäßiger Check-Up mit einem Physiotherapeuten und/oder Osteopathen. Dabei sollte man bedenken, dass man den Therapeuten nicht immer erst hinzu ruft, wenn das Pferd bereits deutliche Schmerzreaktionen zeigt oder Rittigkeitsprobleme aufweist. Es ist wichtig, seinen Vierbeiner so gut zu kennen, dass man früh genug merkt, wenn im Pferdekörper eine Veränderung stattfindet. Der regelmäßige Austausch mit entsprechenden Experten sollte selbstverständlich sein. Viele Pferdebesitzer stellen ihr Pferd routinemäßig einmal im Jahr einem Therapeuten vor, in akuten Problemfällen rufen sie den Behandler zwar auch außerhalb der Reihe, in der Zwischenzeit wird das Thema aber häufig eher an die Seite geschoben.

Pferde selber massieren
Mit den richtigen Handgriffen kann der Pferdebesitzer das Wohlbefinden seines Vierbeiners nachhaltig fördern. Foto: Julia Neumann Photographie

An dieser Stelle setzt das Konzept von Sarah Panje an. Die Osteopathin für Pferde hat sich intensiv mit der Zeit zwischen den Behandlungen beschäftigt. Sie empfiehlt neben den regelmäßigen Check-Ups, die meistens öfter als einmal im Jahr nötig sind, um das Wohlergehen des Pferdes zu gewährleisten, auch in der Zwischenzeit das Thema nicht aus dem Fokus rücken zu lassen. Denn nur wenn das Pferd sich in seinem Körper wohlfühlt, ist es in der Lage die gewünschten Leistungen zu bringen. Bei diesen Leistungen muss es sich nicht unbedingt um sportliche Höchstleistungen handeln, denn auch für einen entspannten Ausritt im Schritt sollte das Pferd in einer entsprechenden körperlichen Verfassung sein. „Die Reiter können einen großen Teil zur Gesunderhaltung der Pferde beitragen“, berichtet Sarah Panje aus der Erfahrung. Und dabei meint sie nicht nur die Gesunderhaltung durch korrektes Training unter dem Sattel. Sie spricht viel mehr davon, sich intensiv mit dem Körper des eigenen Pferdes auseinander zu setzen. Denn auch Rentner und Pferde, die nicht geritten werden, haben oftmals körperliche Probleme die es zu beheben oder verbessern gilt. Mit gezielten Übungen kann der Pferdebesitzer die Zeit zwischen den Terminen mit dem Physiotherapeuten oder Osteopathen sinnvoll nutzen und die Behandlungen des Experten sogar entsprechen unterstützen. „Man darf auch den Wellness-Faktor nicht außer Acht lassen. Eine gut gemachte Massage trägt stark zum Wohlbefinden des Pferdes bei, sie tut gut und macht den Vierbeiner glücklich“, weiß die erfahrene Therapeutin aus der Praxis zu berichten. Durch die richtige Technik lösen sich hierbei nicht nur körperliche, sondern auch seelische Verspannungen. Sarah Panje nennt schnell noch zwei weitere Vorteile: „Man lernt den Körper des Pferdes besser kennen und stärkt erheblich die Bindung zum Vierbeiner.“ Dadurch fallen Veränderungen schneller auf und im Bedarfsfall kann der Tierarzt oder der Therapeut schneller gerufen werden, wenn es ein Problem gibt. Langfristigen Problem kann so oft vorgebeugt werden.

Massagen – Wohltat für Körper und Seele

Viel zu selten gönnen sich die meisten Menschen eine Massage. Wer aber bereits in den Genuss eines guten Masseurs gekommen ist, weiß die Wirkung durchaus zu schätzen. Denn durch eine gezielte Massage lassen sich nicht nur Verspannungen lösen, sondern auch Schmerzen reduzieren. Doch auch wenn die Muskulatur in einem entspannten Zustand ist, macht eine Massage zwischendurch durchaus Sinn. Die Wärme der Hände und die unterschiedlichen Massagegriffe fördern die Durchblutung, die Spannung in der Muskulatur nimmt ab und der Muskel wird gelockert. Nur ein lockerer Muskel kann sich entsprechend ausbilden. Eine Verspannung erschwert nicht nur das Training an sich, sondern auch den gewünschten Aufbau der Muskulatur, der nötig ist, um einen Reiter gut tragen zu können. „Die verschiedenen Techniken und Handgriffe bei der Massage stimulieren die Rezeptoren der Muskulatur und regen die Muskelspindeln an sich zu dehnen. Eine dehnfähige und elastische Muskulatur erhöht nicht nur die Lebensqualität deines Pferdes und macht es beweglicher, sondern sie arbeitet sowohl effektiver als auch ökonomischer“, so die Erklärung von Sarah Panje. Korrektes Dehnen der Muskulatur sorgt dafür, dass das Pferd beweglicher wird. Außerdem verändert es die Schmerzschwelle im Gehirn und ermöglicht dem Pferd so, seine Muskulatur gezielter einzusetzen. Die Durchblutung des Muskels steigt und er wird dadurch mit mehr Nährstoffen und Mineralien versorgt. „Allgemein kann man sagen, dass regelmäßiges Dehnen präventiv vor Problematiken im Bewegungsapparat schützt und bei schon bestehenden Problemen die Heilung unterstützt“, erklärt die Therapeutin weiter. Bevor man sich an das Dehnen der Muskulatur macht, oder seinem Pferd mit einer Massage etwas Gutes tun will, ist es aber sehr wichtig, sich mit einem Experten abzustimmen. „Man sollte sich in jedem Fall mit dem behandelnden Therapeuten austauschen und sich die entsprechenden Übungen zeigen lassen. Der Therapeut kann einem dann auch direkt die tatsächlichen Problemzonen des eigenen Pferdes aufzeigen“, macht Sarah Panje klar, dass man nicht einfach so drauf los dehnen sollte.

Massage fürs Pferd
Die richtigen Handgriffe kann man sich vom Therapeuten seines Vertrauens zeigen lassen. Foto: Julia Neumann Photographie

Auch sollten die Rahmenbedingungen, genau wie bei der Behandlung eines professionellen Therapeuten, unbedingt stimmen. Sarah Panje empfiehlt hierfür einen ruhigen Ort, an dem nicht ständig andere Pferde vorbei müssen. Es sollte genug Platz um das Pferd herum und der Boden rutschfest sein. Oft ist es ratsam eine zweite Person hinzuzuziehen, die das Pferd festhält. Festes Schuhwerk zum eigenen Schutz sollte im Umgang mit dem Pferd und auch bei der Behandlung selbstverständlich sein. „Einer der wichtigsten Faktoren ist aber das Thema Zeit“ erklärt die Expertin. Denn nur wer sich und dem Pferd genügend Zeit und Ruhe gönnt, kann mit seinem Vorhaben den gewünschten Effekt erzielen. „Wenn man später etwas routinierter ist und herausgefunden hat, welche Stellen das Pferd besonders gerne massiert bekommt, kann man natürlich auch immer mal wieder ein paar Massagegriffe in die tägliche Putz-Routine einfließen lassen“ erzählt Panje weiter. Das Pferd sollte für die Behandlung ruhig stehen und sich überall anfassen lassen. Wichtig ist auch, dass es alle vier Hufe problemlos gibt.

Kommunikation ist Alles

Neben der korrekten Anwendung der einzelnen Übungen ist es besonders wichtig, die Sprache des Pferdes zu verstehen. Nur so kann man herausfinden, ob dem Vierbeiner gerade angenehm ist was man tut, oder ob man mit den verwendeten Griffen und Techniken auf dem Holzweg ist. „Jedes Pferd ist ein individuelles Wesen und so muss auch die Behandlung immer entsprechend auf die Bedürfnisse des einzelnen Pferdes angepasst werden“, konstatiert Sarah Panje. Sie berichtet weiter, dass das Pferd bei jedem Handgriff in der Regel eine entsprechende Rückmeldung gibt. Man muss nur lernen, diese zu erkennen und zu verstehen. „Hier hilft es, den Vierbeiner immer ganz genau zu beobachten“, empfiehlt die Expertin. So kann zum Beispiel ein Blinzeln bereits darüber aufklären an welchen Stellen des Pferdekörpers eventuell eine Problematik vorliegt. Um dies wahrzunehmen und richtig zu deuten braucht es zwar ein wenig Erfahrung, dann können solche vermeintlichen Kleinigkeiten aber sehr aufschlussreich sein. Das freiwillige Senken des Kopfes ist meist ein Zeichen von Entspannung. Um dies dem Pferd zu ermöglichen ist es oft ratsam, die Pferde bei der Behandlung nicht anzubinden. Abschnauben, Kauen und Schlecken sind in den meisten Fällen ebenfalls ein gutes Zeichen. „Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn übermäßiges Kauen, starkes Schnauben oder hektisches Schlecken können oft ein Zeichen für Unwohlsein sein“, mahnt Sarah Panje die Signale des Pferdes ernst zu nehmen und genau zu analysieren. Das Gleiche gilt beim Thema Gähnen, denn grundsätzlich ist dies eher ein Zeichen der Entspannung. Übermäßiges Gähnen kann jedoch auch ein Zeichen für Stress oder Schmerzen sein. Auch hier ist es ratsam sich vorher vom behandelnden Therapeuten erklären zu lassen, wie die einzelnen Wege der Kommunikation des Pferdes in Bezug auf die Behandlung zu deuten sind. Ganz klare Zeichen des Unwohlseins sind das Anlegen der Ohren, Schnappen oder Treten. „Ein erzogenes Pferd vorausgesetzt ist an dieser Stelle wirklich Vorsicht geboten“, erklärt Sarah Panje die Situation und erläutert weiter: „In diesen Fällen muss man sein Vorgehen immer überdenken und hinterfragen, wie es zu diesen deutlichen Zeichen des Unbehagens kommt.“ Auch für die Reaktion der Pferde muss man den Vierbeiner ausreichend Zeit für die Behandlung geben. Sarah Panje tritt nach unterschiedlichen Handgriffen immer wieder einen Schritt zurück, gibt dem Vierbeiner den nötigen Raum und beobachtet das Pferd dabei ganz genau. Oft brauchen die Pferde ein paar Sekunden um in den eigenen Körper hinein zu fühlen. „Natürlich sind die beschriebenen Reaktionen des Pferdes ganz normale Verhaltensweisen, die auch unabhängig von einer Behandlung gezeigt werden. Deshalb ist es ja so wichtig, die Pferde während der Behandlung wirklich genau zu beobachten und mit der Zeit immer besser kennen zu lernen“, erläutert Sarah Panje weiter. „Es ist übrigens auch sehr wichtig, dass die Menschen nicht nur am Pferd arbeiten, sondern auch an sich selbst“, fügt die erfahrene Therapeutin schmunzelnd hinzu. Dabei geht es einmal um den eigenen Körper, denn nicht selten spiegeln Pferde die körperlichen Probleme des Reiters deutlich. Außerdem ist es wichtig, seine eigene Vorgehensweise, aber durchaus auch die der Experten konstruktiv zu hinterfragen. Denn nur wer wissbegierig bleibt, kann dauerhaft dafür sorgen, dass es dem Vierbeiner an Nichts mangelt. Neben der klassischen Form der Massage gibt es mittlerweile auch zahlreiche Hilfsmittel auf dem Markt.

Wenn die Hände nicht weiterkommen

Beispielhaft wollen wir hier die Behandlung mit Schallwellen nennen. Neben einigen anderen Therapiegeräten nutzt auch Sarah Panje hierfür das Novafon bei ihrer Arbeit. Die Schallenwellentechnik ist schon seit über 40 Jahren auf dem Markt und wurde zunächst nur im Humanbereich eingesetzt. „Bereits 1928 begann die Forschung zur Eigenbehandlung zur Schmerzlinderung im Humanbereich mit der Hilfe von Schallwellen“, berichtet Alexandra Schubert, die bei der Firma Novafon als Produktmanagerin tätig ist. Sie greift bei ihrer Arbeit auf eine langjährige Erfahrung als Tierphysiotherapeutin zurück. „Nach den nachweislichen Erfolgen im Humanbereich kamen vor ungefähr 15 Jahren Tier-Therapeuten auf unsere Firma zu, weil sie die positive Wirkung des sogenannten Hörschalls in ihre Behandlungen einbauen wollten“, erklärt Schubert den Weg der Schallwellen in die Tiertherapie. Auch Alexandra Schubert ist davon überzeugt, dass die Pferdebesitzer zwischen den Behandlungen des professionellen Therapeuten ihre Hausaufgaben machen, und das Tier weiterhin selbstständig unterstützen sollten. Beim Novafon handelt es sich um ein Medizinprodukt, welches leicht zu handhaben ist. Besonders das Schmerzgedächtnis, kann durch eine Behandlung mit dem Gerät äußerst positiv beeinflusst werden. Die Impulse auf den Pferdekörper sind durch die Art der Schallwellen sehr tiefgreifend und sorgen so auch in der vermeintlichen Schmerzsituation für eine positive Reaktion des Körpers. So lernt das Pferd, sich wieder wohlzufühlen, wenn die Ursache des Schmerzes bereits behoben, das Schmerzgedächtnis aber noch sehr ausgeprägt ist. Durch die vertikal aplizierten Schwingungen wirkt der Impuls sehr tief im Körper. „Dadurch sind bereits kurze Behandlungszeiträume sehr wirksam. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Impuls dort ankommt, wo die Hände keinen Effekt mehr erreichen können“, erklärt Alexandra Schubert.

Novafon fürs Pferd
Mit dem Novafon kann die Muskulatur des Pferdes behandelt werden. Foto: Novafon

Die Wirkung ist aufgrund der elektromyographischen Responz besonders nachhaltig. Neben der Arbeit am Schmerzgedächtnis kann das Novafon auch präventiv eingesetzt werden. „Vor dem Reiten kann man gezielt verschiedene Muskelgruppen aktivieren. Hierfür empfiehlt sich die 100 Herz-Einstellung des Gerätes. Nach dem Training geht es dann darum die Muskulatur zu entspannen. Hier wird dann mit 50 Hertz gearbeitet. So können wir beim Warm Up und Cool Down gezielt unterstützen“, weiß Schubert zu berichten. Dabei ist es ihr wichtig zu unterstreichen, dass eine solche Behandlung keinesfalls die Bewegung oder eine entsprechende Aufwärmphase beim Reiten ersetzt. Außerdem betont sie, dass das Motto „Viel hilft viel“ bei einer solchen Behandlung absolut fehl am Platze ist. Sie empfiehlt keine Behandlung länger als 15 Minuten durchzuführen. Denn der Körper muss genügend Zeit haben, um die gesetzten Reize auch zu verarbeiten. Bereits wenige Minuten haben eine intensive Wirkung, wenn man das Gerät gezielt einsetzt. „Hierbei ist es immens wichtig, sich zu fragen was man mit der Behandlung überhaupt erreichen will“, macht Alexandra Schubert klar und erklärt weiter: „Ich kann nur die richtigen Maßnahmen wählen, wenn ich mein Ziel genau kenne. Hier sollte man sich unbedingt mit einem Experten abstimmen. Das kann ein erfahrener Therapeut sein. Unsere Firma bietet aber auch kostenlose individuelle Beratungen zum Einsatz des Gerätes an.“ Hierbei können dann auch die Unterschiede verschiedenster Behandlungsmethoden erklärt werden. Denn schnell werden unterschiedliche Sachen in einen Topf geworfen. Die Anwendung von Schallwellen und eine Massage-Pistole unterscheiden sich beispielsweise eklatant auch wenn sie auf den Laien die gleiche Wirkung zu haben scheinen. Bei beiden ist es zwar wichtig, nur am Weichteilgewebe zu arbeiten und knöcherne Strukturen auszusparen, die Wirkung auf den Muskel ist aber sehr unterschiedlich. Ein Blick in die jeweiligen Anwendungsbücher ist hier oft schon hilfreich. Am Ende ist es aber immens wichtig, sich intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen, bevor man einfach loslegt. „Man darf nicht außer Acht lassen, dass es auch die eine oder andere Kontraindikation gibt“, mahnt Alexandra Schubert. Trächtige Stute sollten beispielsweise nicht mit solchen Geräten behandelt werden. Auch dürfen sie nicht auf offenen Stellen oder direkt im Bereich einer Endzündung genutzt werden. Leichter Schwindel, ungewollte Muskelkontraktionen oder eine unangenehme Empfindung können in seltenen Fällen Nebenwirkungen der Anwendung sein. In solchen Fällen bricht man die Behandlung ab und berät sich mit seinem Therapeuten, um mögliche Ursachen zu eruieren. Diese können ganz unterschiedlicher Natur sein und der Ursprung muss nicht zwingend die Behandlung als solche sein.

Setzt man sich als Pferdebesitzer oder Reiter entsprechend mit den Thematiken Massagen, Dehnen und zusätzliche Therapiegeräte auseinander, und lässt sich von entsprechenden Experten beraten, hat man sehr viele positive Möglichkeiten, um sein Pferd oder Pony ideal zu unterstützen. Die zahlreichen Vorteile liegen dabei auf der Hand und sollten Jeden dazu motivieren, sich einmal intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

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