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Leandra P von Laudabilis – Champus – Pasternak und Ruby Tuesday von Rotspon – Imperator – Pik Junge. Am Beispiel dieser beiden Stuten aus der Zucht der Familie Pferdmenges wird die Stutenbeurteilung und Hengstauswahl erklärt.

„Passer-Paarung“ gesucht

Derzeit fahren die Züchter wieder landauf und landab, um potentielle Hengste für ihre Stuten unter die Lupe zu nehmen und möglichst eine echte „Passer-Paarung“ zu finden. Denn qualitätsvolle Fohlen sind der Traum aller Pferdezüchter. Doch worauf muss man bei der Hengstauswahl eigentlich genau achten? Fabio Ladwig, Geschäftsführer des Rheinischen Pferdestammbuchs, und Heinz Walter Pferdmenges, renommierter rheinischer Pferdezüchter aus dessen Bestand unter anderem sieben Siegerstuten hervorgegangen sind, geben Tipps!  

„Eigentlich ist die Suche nach dem Hengst erst der zweite Schritt“, sind sich die beiden Pferdezucht-Experten Fabio Ladwig und Heinz Walter Pferdmenges einig. „Zuerst einmal muss man nämlich die Stute genau anschauen – und möglichst objektiv beurteilen!“ Als Züchter oder Besitzer mag manch einem eine solch neutrale Bewertung des eigenen Pferdes allerdings schwer fallen. Dann lautet die Devise: Fachleute zu Rate ziehen! „Erfahrene Züchter helfen weniger erfahrenen in der Regel gerne. Das gilt nicht nur für mich persönlich, sondern auch für viele meiner Züchterfreunde“, betont Heinz Walter Pferdmenges, der in Jüchen auf dem Pferdehof Pferdmenges schon seit 1982 erfolgreich züchtet. „Wer Rat braucht, kann sich gerne jederzeit melden.“ Und auch Zuchtleiter Fabio Ladwig steht den Mitgliedern des Rheinischen Pferdestammbuchs sowie des Bezirksverbands NRW im Hannoveraner Verband beratend zur Seite, wenn gewünscht. 

Leandra P von Laudabilis – Champus – Pasternak und Ruby Tuesday von Rotspon – Imperator – Pik Junge. Am Beispiel dieser beiden Stuten aus der Zucht der Familie Pferdmenges wird die Stutenbeurteilung und Hengstauswahl erklärt.

„Man sagt, dass gut 60 Prozent von der mütterlichen Seite vererbt werden, daher kommt der Zuchtstute eigentlich sogar eine größere Bedeutung zu als dem Hengst“, betont Fabio Ladwig. „Auch wenn die Hengste viel mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen als die Stuten.“ Der Anteil von Stute und Hengst an der Vererbung ist wissenschaftlich bisher zwar nicht nachgewiesen, doch Zuchtexperten sind sich in diesem Punkt einig. „Dass die Stute einen höheren Anteil an der Vererbung hat, liegt an mehreren Faktoren“, erklärt Ladwig. „Die Eizelle der Stute besitzt Mitochondrien, während die kleinen Spermazellen des Hengstes so gut wie keine liefern. Daher erhält das Fohlen nur die mütterliche mitochondriale DNA – immerhin zwei Prozent der gesamten zellulären DNA.“ Das heißt im Klartext, dass schon die genetische Vererbung nicht zu jeweils 50 Prozent von Hengst und Stute kommt, sondern auch hier der Stute bereits ein geringfügig höherer Vererbungsanteil von ca. 51 Prozent zu 49 Prozent gegenüber dem Hengst zugutekommt. „Aber auch die Umweltbedingungen in der Gebärmutter haben Einfluss auf die Entwicklung des Fohlens im Mutterleib“, betont der Geschäftsführer des Rheinischen Pferdestammbuchs. „Haltung und Fütterung sowie der Charakter der Stute spielen also eine durchaus entscheidende Rolle – nicht nur während der Trächtigkeit, sondern natürlich auch noch nach der Geburt.“  

„Rund 60 Prozent der Vererbung kommt über die Stute, auch wenn die Hengste viel mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen.“ 

Fabio Ladwig 

Heinz Walter Pferdmenges würde aus seiner Erfahrung heraus den Stuten daher sogar noch einen größeren Vererbungsanteil zusprechen als die genannten 60 Prozent. „Nach über 30 Jahren des Züchtens bin ich davon überzeugt, dass die Stuten eher 70 oder 75 Prozent ausmachen. Aber das ist von Stute zu Stute auch etwas unterschiedlich.“ Ein Einwand, dem auch Fabio Ladwig zustimmt: „Es gibt durchaus Stuten, die den Hengst zu großen Teilen durchlassen. Das sind Erfahrungen, die man aber erst mit der Zeit sammelt. Das kann man vor dem ersten Fohlen nicht sagen – und auch nach dem ersten Fohlen noch nicht sicher. Dazu muss eine Stute mehrere Fohlen zur Welt bringen.“ Dennoch gibt es einige grundsätzliche Dinge, auf die man bei einer Zuchtstute achten sollte. 

Stutenbeurteilung und Hengstauswahl am Beispiel von Ruby Tuesday 

Zunächst einmal gilt das Augenmerk dem Exterieur der (potenziellen) Zuchtstute. „Natürlich sollte der Körperbau dem Ideal möglichst nahe kommen, aber gewisse Schwachstellen hat jedes Pferd irgendwo. Diese zu entdecken und mittels geschickter Anpaarung zu verbessern ist Aufgabe des Züchters“, so Ladwig und Pferdmenges unisono. „Eine harmonische Oberlinie und ein starkes Fundament sind für eine Zuchtstute von besonderer Bedeutung“, betont der erfahrene Züchter. „Denn man darf nicht vergessen, dass Zuchtstuten, die jedes Jahr ein Fohlen bekommen, absolute Höchstleistungen vollbringen. Dafür müssen sie auch körperlich gerüstet sein!“ Außerdem ist dem Züchter ein klares, großes Auge als Ausdruck eines starken, gutmütigen Charakters besonders wichtig. 

An zwei Zuchtstuten der Familie Pferdmenges erklären Fabio Ladwig und Heinz Walter Pferdmenges ganz konkret die Beurteilung der Stuten und die Hengstauswahl. Hierfür stellt der älteste Sohn der Züchterfamilie, Yannick Pferdmenges – unter anderem ehemaliger Deutscher Meister der Jungzüchter – eine der Haupt-Leistungsträgerinnen der Pferdezucht Pferdmenges vor: Ruby Tuesday. Die mittlerweile 18-jährige Rappstute von Rotspon aus der Inka von Imperator ist gerade mit ihrem zehnten Fohlen tragend.  

„Ruby ist eine Stute, die kaum Wünsche offen lässt, da ist es mit der Hengstauswahl natürlich leichter als bei Stuten, bei denen es mehrere Aspekte zu verbessern gilt“, betont Heinz Walter Pferdmenges. „Außerdem wird die Hengstauswahl im Laufe der Jahre leichter. Nicht nur weil man die Stute in- und auswendig kennt, sondern auch weil man die Fohlen analysieren konnte – und so die Anpaarung weiter optimieren kann.“  

Fabio Ladwig, Geschäftsführer des Rheinischen Pferdestammbuchs, Heinz Walter Pferdmenges und Sohn Yannick mit Ruby Tuesday, die als Zuchtstute auch 18-jährig nach neun Fohlen kaum Wünsche offen lässt. Fotos: PEMAG

Die Stute aus der Zucht von Wilhelm Fohring hat Heinz Walter Pferdmenges als Zweijährige für seine Zucht hinzugekauft. „Ich war damals eigentlich auf der Suche nach Fohlen, doch bei Ruby war es Liebe auf den ersten Blick“, erzählt er schmunzelnd. „Der Züchter wollte sie eigentlich gar nicht abgeben, es hat Monate gedauert, bis ich ihn überzeugt hatte. Aber meine Hartnäckigkeit hat sich gelohnt!“  

Auch heute, 18-jährig und nach neun Fohlen, überzeugt Ruby Tuesday noch durch ihre Ausstrahlung und ihren Körperbau. „Sie hat immer noch eine tolle Oberlinie und eine schöne Kopf-Hals-Partie mit einem wunderschönen, großen und klaren Auge. Auch ihr Fundament ist trotz ihres Alters und der wahnsinnigen Zuchtleistung, die sie schon vollbracht hat, noch stark mit klaren Gelenken“, schwärmt Pferdmenges. „Außerdem haben auch große Fohlen in ihr Platz – das ist ebenfalls sehr wichtig. Vor allem, weil wir wissen, dass die Stute viel Größe vererbt. Das ist etwas, wo man bei der Hengstauswahl für sie zum Beispiel drauf achten sollte: Dass der Hengst nicht auch noch zu viel Größe mitbringt bzw. vererbt. Der Hengst darf für sie also ruhig etwas kleiner, feiner und geschlossener sein. Substanz und Tiefe sowie Rahmen und Fundament bringt sie selbst zu Genüge mit. Den einzigen kleinen Makel, den sie ansonsten hat, ist ein etwas hoher Schweifansatz. Die Kruppe könnte etwas länger gezogen sein, in dieser Körperpartie sollte der Hengst also möglichst optimal sein. Allerdings sind das wirklich Kleinigkeiten.“  

 

„Je weniger Schwachstellen eine Stute hat, desto leichter ist die Hengstauswahl!“ 

Heinz Walter Pferdmenges 

Auch Fabio Ladwig zeigt sich begeistert von der Zuchtstute: „Ein Pferd, das sofort auf einen wirkt. Sie hat eine Wahnsinns-Ausstrahlung und ist im Grunde ohne Schwächen. Der etwas hohe Schweifansatz ist höchstens ein kleiner Schönheitsfehler, der keinerlei Einfluss hat.“  

Auch bewegungsmäßig überzeugt Ruby Tuesday auf ganzer Linie: Alle drei Grundgangarten liegen im 8er-Bereich. „Eine solche Stute macht die Hengstauswahl einfach“, betont der rheinische Zuchtleiter. „Mit Stuten wie dieser kann und sollte man züchten! Da könnte man selbst als Zuchteinsteiger nicht viel falsch machen.“ Auch von der Vaterlinie der Stute ist Fabio Ladwig angetan: „Rotspon war Hannoveraner Hengst des Jahres 2017 und überzeugt nicht nur selbst durch ein tolles Interieur und Rittigkeit, sondern auch seine Nachkommen. Außerdem sorgt er für eine tolle Linierung und typmäßig gute Pferde – eben genau wie man es hier bei Ruby sieht! Eine absolut gute Grundlage für die Zucht.“  

Nach neun Fohlen weiß Heinz Walter Pferdmenges längst, dass nicht nur Ruby selbst durch Typ, Interieur, Rittigkeit und Bewegung überzeugt, sondern auch ihre Nachkommen. Von den bisher neun Nachkommen lieferte sie gleich drei Siegerstuten – und zwar aus der Anpaarung mit verschiedenen Hengsten. So avancierte 2009 Daylight P, das erste Fohlen aus der Ruby Tuesday, welches 2006 geboren wurde, zur Siegerstute. 2005 fiel die Entscheidung des Züchters bei der Anpaarung auf Dancing Dynamite als Hengst. „Damals war es mir vor allem wichtig, einen Hengst zu wählen, der selbst durch hohe Rittigkeit überzeugt und auch nachgewiesenermaßen rittige Nachkommen hat. Denn Ruby war noch jung, so dass wir über ihre eigene Rittigkeit noch nicht allzu viel sagen konnten.“  

Doch auch die Anpaarung mit dem Fürst Piccolo-Sohn Flatley drei Jahre später war ein voller Erfolg: Die 2009 geborene Finja P trat 2012 in die Hufspuren ihrer älteren Schwester und wurde ebenfalls zur Siegerstute gekürt. „Finja hat außerdem an der WM der jungen Dressurpferde teilgenommen, sie wurde nach Holland verkauft und sammelt dort mittlerweile internationale Platzierungen.“ Die Entscheidung für Flatley fiel ebenfalls aufgrund seiner guten Rittigkeit. „Flatley ist außerdem ein sehr geschlossener, typstarker Hengst. Sein Mutterstamm ist uns außerdem sehr bekannt, hier handelt es sich um einen gut durchgezüchteten Stamm der Zuchtgemeinschaft Judith und Johannes Gielessen aus Rheydt.“ 

2016 war es dann Fürstin P, die wiederum mit der Siegerschärpe geschmückt wurde und auch bei der renommierten Herwart von der Decken-Schau im Endring ging. Die direkte Fürst Piccolo-Tochter wurde ebenfalls ins Ausland verkauft und war in Amerika 2018 das dritterfolgreichste Pferd in Jungpferdeprüfungen. „Nach dem die Anpaarung mit Flatley so erfolgreich war, wollten wir gerne auch den Vater selbst einmal nutzen. Fürst Piccolo überzeugte nicht nur durch eine hohe Eigenleistung, sondern hatte zu der Zeit schon eine hohe Vererbungsleistung und viele im Sport erfolgreiche Nachkommen sowie mehrere gekörte Söhne. Er ist selbst eher edel und kompakt und passte so vom Typ und Exterieur her sehr gut zu Ruby.“ 

Gleich das erste Fohlen aus der Ruby Tuesday avancierte dreijährig zur Siegerstute. Daylight P von Dancing Dynamite mit Heinz Walter und Andrea Pferdmenges nach dem Sieg bei der Stutenschau im Jahr 2009. Foto: Brandel

„Alle drei Stuten überzeugen nicht nur mit korrektem Körperbau, sondern auch mit sehr gutem Gangwerk. Und sie sind – wie alle von Rubys Nachkommen – überaus unkompliziert im Umgang und haben sich zum Beispiel völlig problemlos anreiten lassen“, erzählt Heinz Walter Pferdmenges, der seine Fohlen grundsätzlich auch selbst aufzieht und im eigenen Betrieb anreiten lässt. „Wir züchten vor allem, um gute Reitpferde zu verkaufen und suchen entsprechend zu diesem Ziel passende Hengste aus“, betont er. „Wenn hingegen das Ziel ist, die Nachzucht möglichst schon als Fohlen gut zu verkaufen, muss man den Fokus sicher mehr auf gerade im Trend liegende Hengste setzen. Davon halte ich grundsätzlich aber erstmal nichts, auch wenn ich durchaus finde, dass man Junghengsten ebenso eine Chance geben muss wie den renommierten Deckhengsten.“  

In diesem Jahr erwartet Ruby Tuesday ein Fohlen von Dreamline. Der Don Olymbrio – Hotline – Don Romantic – Sohn stand für Heinz Walter Pferdmenges zunächst gar nicht zur Wahl. „Aber ich habe auf einer Schau 14 seiner Nachkommen gesehen – und war von allen durchweg begeistert, obwohl die Mütter mich nicht alle überzeugt haben. Umso mehr hat mich die Vererbungsleistung des Hengstes überzeugt. Da er vom Typ her eher fein ist, passt er gut zu Ruby, so dass wir uns für ihn entschieden haben. Wir sind schon sehr gespannt auf das Fohlen aus dieser Anpaarung!“ Denn auch nach fast 40 Jahren hat Heinz Walter Pferdmenges von seiner Passion für die Pferdezucht keinen Funken eingebüßt. „Im Gegenteil: Züchten ist eine Sucht. Das ist mein Lebensinhalt, ich werde definitiv so lange züchten, wie es nur irgendwie geht!“ Schließlich sei doch auch mit jahrzehntelanger Erfahrung und bewussten sowie durchdachten Zuchtentscheidungen immer ein Quäntchen Glück am Erfolg beteiligt – und jede Fohlengeburt bringt somit eine gewisse Spannung mit sich. „In diesem Jahr haben wir außerdem einen For Romance-Sohn aus der Ruby, den wir zur Körung vorstellen möchten. Ruby hat fast immer Stuten gebracht, so dass ein gekörter Hengst aus ihr natürlich noch das Tüpfelchen auf dem i wäre. Mal sehen, ob das klappt. Aber wenn nicht, ist das auch nicht weiter schlimm. Drei Siegerstuten und international erfolgreiche Sportpferde sind schon der Wahnsinn als Nachkommenbilanz!“  

Stutenbeurteilung und Hengstauswahl am Beispiel von Leandra P 

Eine ganz andere Situation in Bezug auf die Hengstauswahl hat sich dem Züchter bei Leandra P geboten. „Leandra haben wir aus einer Champus-Tochter unserer Stammstute Padrona (von Pasternak) selbst gezogen. Väterlicherseits stammt Leandra von Laudabilis ab. Wir haben sie an eine Amateurin verkauft, die mit ihr bis zur Klasse M in der Dressur erfolgreich war. Nach einer Verletzung musste sie ihre Sportkarriere allerdings beenden. Als wir davon hörten, haben wir beschlossen, sie in der Zucht einzusetzen.“ So erwartet die Braune 14-jährig nun ihr erstes Fohlen.  

„Das ist natürlich eine andere Ausgangssituation als mit einer so erfahrenen und erfolgreichen Zuchtstute wie Ruby“, betont auch Fabio Ladwig. „Doch Leandra stammt aus eigener Zucht und geht auf die Stammstute der Zucht der Familie Pferdmenges zurück. Das heißt sie haben ein großes Wissen über die Vorfahren, das ist in der Zucht immer sehr hilfreich.“ So brachte Stammstute Padrona in 16 Zuchtjahren 15 Fohlen – was nicht zuletzt ihre hohe Fruchtbarkeit untermauert. „Das ist insbesondere wichtig zu wissen, wenn man eine ältere Stute aus diesem Stamm zum ersten Mal tragend bekommen möchte. Denn wenn man weiß, dass die Stute aus einem fruchtbaren Stamm kommt, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Trächtigkeit auch mit zunehmenden Alter deutlich besser.“ Und Leandra scheint die Fruchtbarkeit ihrer Großmutter durchaus geerbt zu haben, denn sie hat bereits beim ersten Versuch aufgenommen und ist nun tragend von Zoom.  

„Ein großes Wissen über den Stamm eines Pferdes zu haben, ist in der Zucht immer von Vorteil.“ 

Fabio Ladwig 

Leandra selbst ist ein sehr großrahmiges Pferd mit schöner Oberlinie, korrektem Fundament und einem großen, klaren Auge. „Sie steht gut auf den Füßen und ist insbesondere ein tolles Vorderpferd“, so Heinz Walter Pferdmenges. „Im Trab und Galopp liegt sie bewegungsmäßig im 9er-Bereich, im Schritt allerdings eher nur bei einer 7. Außerdem ist sie im Mittelstück etwas zu lang. Daher war es mir wichtig, für sie einen Hengst auszuwählen, der sehr kompakt und geschlossen ist sowie einen super Schritt hat. Wenn man mit kritischem Auge schaut, könnte man zudem die etwas runde Winkelung der Hinterbeine bemängeln. Daher sollte der Hengst eine möglichst optimale Winkelung der Hinterbeine mitbringen. All diese Kriterien erfüllt Zoom. Außerdem passt die Blutführung meiner Meinung nach gut zusammen. Leandra führt über Laudabilis mit Lauries Crusador xx Vollblut, Zoom hingegen führt mit Zack – Don Schufro eher etwas derberes Blut.“ 

Leandra: Leandra erwartet nach einem verletzungsbedingten Aus ihrer Sportkarriere 14-jährig ihr erstes Fohlen. Foto: PEMAG

„Ich denke mit dieser Anpaarung kann es gut gelingen, die Nachzucht etwas geschlossener hinzubekommen. Das wäre optimal. Allerdings hat die Stute im Sport bewiesen, dass sie mit ihrer Länge gut umgehen kann. Auch das geben solche Pferde dann oft an ihre Nachkommen weiter, so dass ein Exterieur-Mangel damit durchaus relativiert wird“, erklärt Fabio Ladwig.  

Zukunftshoffnung 

„Züchtet man über mehrere Generationen aus demselben Stamm kann man die züchterische Entwicklung perfekt beobachten. Es birgt allerdings die Gefahr, dass die Blutführung irgendwann zu eng wird. Daher ist es nötig, ab und zu eine Stute hinzuzukaufen. Für uns ist es außerdem wichtig, etwas zu ‚verjüngen‘. Derzeit ist unsere jüngste Zuchtstute nämlich 13 Jahre alt“, verrät Heinz Walter Pferdmenges. Und genau aus diesem Grund hat der Landwirtschaftsmeister als Fohlen eine Fürst Bellissaro – Don Crusador – Wittinger – Stute erworben, die nun dreijährig gerade anlongiert wird. „Die ist unsere Zukunftshoffnung“, verrät der Züchter mit glänzenden Augen. „Bei ihr hat mich vor allem die hochinteressante Blutführung gereizt. Gerade dreijährig kommt sie nun mit einer hochmodernen Ausstrahlung und einem sehr harmonischen Gebäude daher.“ „Absolut formschön“, findet auch Fabio Ladwig die Nachwuchsstute, die Heinz Walter Pferdmenges als „sehr arbeitswillig, wach und sensibel, aber dabei immer anständig“ beschreibt. Bevor die schicke Braune gedeckt wird, soll sie nun aber erstmal angeritten und bei der Stutenschau vorgestellt werden. „Es wäre toll, wenn wir mit ihr auch zur Herwart von der Decken-Schau kämen.“ In den fünf Jahren seit der Fusion der Warmblutsparte des Rheinischen Pferdestammbuchs mit dem Hannoveraner Verband haben es bereits zwei Stuten aus der Zucht der Familie Pferdmenges zur elitären Herwart von der Decken-Schau geschafft. „Und ich denke mit ihr stehen die Chancen für eine dritte Teilnahme gut“, hofft Heinz Walter Pferdmenges, der sich erst danach intensiv mit der Hengstwahl für die junge Stute beschäftigen will. „Grundsätzlich sollte man aber auch für sie eher einen kompakten, geschlossenen Hengst wählen, da sie selbst großrahmig ist. Von der Blutführung her kann man dagegen fast frei wählen bei ihrer Abstammung. Sie selbst ist eher edel und fein, da kann man auch gut mit etwas schwererem Blut anpaaren wie zum Beispiel von Donnerhall. Konkret habe ich für sie aber noch keinen Hengst im Auge. Sie soll auf jeden Fall auch geritten werden und wird sicher durch Eigenleistung überzeugen.“  

Allgemeine Tipps zur Hengstauswahl 

Das A und O bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage: „Wie finde ich den passenden Hengst für meine Stute?“ ist also zunächst die objektive Beurteilung der eigenen Stute. „Man muss die Stute genau beobachten und studieren und ihre Schwächen ehrlich benennen. Andererseits darf man aber nicht zum Fehlergucker werden und muss als Züchter unbedingt von seinen Pferden überzeugt sein“, warnt Heinz Walter Pferdmenges vor Übertreibungen in die eine oder andere Richtung. „Wer die Schwächen seiner Stute aufgedeckt hat, kann durch geschickte Hengstwahl versuchen, diese in der nächsten Generation zu verbessern oder im Optimalfall auszumerzen. Dabei ist es allerdings wichtig, nicht einen Mangel in die eine Richtung durch einen Mangel in die entgegengesetzte Richtung kompensieren zu wollen“, betont Fabio Ladwig. „Stattdessen muss man darauf achten, dass der Hengst in genau diesem Punkt besonders korrekt ist. Wenn die Stute also zum Beispiel hinten schlecht gewinkelt ist, sollte der Hengst eine möglichst optimale Winkelung der Hinterbeine mitbringen. Für das Interieur gilt: Ist die Stute nervös und kribbelig, sollte der Hengst ein ruhigen und ausgeglichenen Charakter haben. Wenn die Stute hingegen eher phlegmatisch ist, darf der Hengst etwas spritziger sein.“ 

Doch wie erfährt man eigentlich möglichst viel über die Hengste? Schließlich stehen diese nicht wie die Stuten im eigenen Stall, man geht nicht selbst mit ihnen um und erlebt sie nicht im Alltag. „Hengstschauen sind eigentlich nur bedingt für die Beurteilung eines Hengstes geeignet“, sind sich die beiden Zuchtexperten einig. „Es ist zwar toll, wenn sie dort ihr gesamtes Bewegungspotenzial ausspielen, aber letztlich lässt man sich von der gesamten Atmosphäre mitreißen – und dabei oftmals auch blenden.“ Genauer studieren kann man die Hengste dagegen im Rahmen der Hengstleistungsprüfungen – denn auch hier sind Zuschauer willkommen. „Am allerbesten ist es aber, wenn man sich den oder die in Frage kommenden Hengste bei einem oder mehreren Turnierstarts anschauen kann. Optimaler Weise live, aber Clipmyhorse bietet hier online auch tolle Möglichkeiten.“  

FinjaP: Finja P von Flatley aus der Ruby Tuesday war unter anderem Teilnehmerin an der WM der jungen Dressurpferde und sammelt seither internationale Erfolge im Viereck. Foto: Wolters

Doch nicht nur die Hengste selbst sollten genau unter die Lupe genommen werden, sondern auch deren Nachkommen. „Nachzucht- bzw. Fohlenschauen werden meiner Meinung nach heutzutage von vielen Züchtern fast stiefmütterlich behandelt. Dabei kann man dort so viele wertvolle Informationen zur Vererbungsleistung eines Hengstes sammeln“, betont Heinz Walter Pferdmenges. „Schließlich bekommt man dort nicht nur die Fohlen zu sehen, sondern auch deren Mütter. So kann man direkt schauen, welche ggfs. offensichtlichen Mängel der Stuten der Hengst ausgleichen konnte.“ Eine Chance, die man nicht ungenutzt lassen sollte. Zumal man bei den Schauen auch leicht mit anderen Züchtern in Kontakt kommt – und damit quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. „Der Austausch mit anderen Züchtern ist nämlich ebenfalls enorm wichtig“, findet Fabio Ladwig, der bei den Schauen im Rheinland außerdem natürlich auch selbst für Züchter ansprechbar ist. „Man kann von der Erfahrung der anderen immer profitieren – und muss gegebenenfalls Fehler, die andere gemacht haben, nicht wiederholen.“ Wer in die Zucht einsteigen möchte, kann über Kontakte außerdem am besten an eine geeignete Stute kommen. Züchtern mit nur einer Stute rät der Geschäftsführer des Rheinischen Pferdestammbuchs außerdem grundsätzlich dazu, auf bewährte Hengste zurückzugreifen. „Wenn jemand mit nur einer Stute dennoch einen Junghengst nutzen möchte, dann sollte es einer mit einem abgesicherten Stamm dahinter sein, aus dem bereits nachweislich mehrere Leistungsträger entstanden sind.“  

„Die Bedeutung von Fohlenschauen wird heute oft unterschätzt. Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, an wertvolle Informationen zur Vererbungsleistung von Hengsten zu kommen!“ 

Heinz Walter Pferdmenges 

Dass der Blutführung eine immer größere Bedeutung zukommt betonen beide Experten. „Meiner Erfahrung nach kommt der dritten Generation im Pedigree ein ganz besonderer Stellenwert zu. Denn diese Generation schlägt immer wieder durch und sollte deshalb besondere Beachtung finden“, betont Heinz Walter Pferdmenges. „Außerdem muss man wissen, dass Zuchtstuten eine enorme Leistung erbringen. Daher ist eine Doppelbelastung durch Zucht und Sport immer genau abzuwägen. Für manche Pferde ist das kein großes Problem, für andere schon. Ruby zum Beispiel ist nur ein paar Dressurpferde-A gegangen, dann ist sie nur noch in der Zucht eingesetzt worden. Für sie war die Doppelbelastung nichts. Hengste kann das ebenso betreffen, was zum Beispiel Einfluss auf die Samenqualität haben kann.“ Hat man also eine Stute, die schlecht aufnimmt, ist die Nutzung eines doppelt belasteten Hengstes nicht unbedingt ratsam. „Ältere Stuten nehmen außerdem mit Tiefgefriersperma nicht so gut auf. Deswegen haben wir Ruby auch nicht nochmal von Fürst Piccolo decken lassen, von ihm gibt es nur noch TG und das Risiko war mir zu hoch. Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass Fürstin das beste Fohlen ist, was bei uns je geboren wurde. Letztlich heißt das aber auch nicht, dass die Anpaarung mit Fürst Piccolo noch einmal solch ein qualitätsvolles Fohlen bringen würde.“ Denn es gibt sie zwar manchmal, die perfekte Passer-Paarung, die gleich mehrere Spitzenfohlen bringt – aber doch nur selten. 


Die Pferdezucht der Familie Pferdmenges 

Im beschaulichen Jüchen-Waat betreibt Familie Pferdmenges seit mehreren Generationen einen landwirtschaftlichen Betrieb. „Pferde gab es hier schon immer“, betont Heinz Walter Pferdmenges, der den Hof schon früh von seinem Vater übernommen hat. „Mein Vater hatte noch Arbeitspferde bis etwa Mitte der 60er-Jahre. Meine Eltern sind beide Pferdeliebhaber und wir leben hier mit drei Generationen gemeinsam auf dem Hof.“ Edith (83) und Hartmut (84) Pferdmenges helfen auch heute noch, wo sie können und kümmern sich zum Beispiel gemeinschaftlich um das Mittagessen für Heinz Walter Pferdmenges (54) und seine Frau Andrea (45) sowie die Söhne Yannick (20) und Leon (18). Die Liebe zu den Pferden ist dabei Familiensache – kein Wunder also, dass auch in Sachen Pferdebetrieb und Pferdezucht alle mit anpacken.  

Seit 1982 züchtet Heinz Walter Pferdmenges gezielt Reitpferde auf dem eigenen Hof. Die endgültige Umstellung von der Milchvieh- auf Pferdehaltung erfolgte nach seiner Meisterarbeit, die er 1993 zum Thema „Ausstieg aus der Milchviehhaltung, Einstieg in die Pferdehaltung“ verfasste. „Ich glaub ich war der einzige, der das Thema seiner Abschlussarbeit auch in die Tat umgesetzt hat“, erzählt der Landwirtschaftsmeister lachend. Pferdmenges war früher selbst aktiver Reiter und kümmert sich im Betrieb heute vor allem um die Zucht, das Hofmanagement, die Landwirtschaft und die Futtergewinnung. Andrea Pferdmenges hat als gelernte Bankkauffrau währenddessen die Finanzen fest im Griff, ist als Trainerin C Basissport aber auch für die Ponys und den Schulbetrieb sowie das Stallmanagement zuständig. Die Söhne Yannick und Leon sind nicht nur begeisterte Reiter, sondern auch aktive und erfolgreiche Jungzüchter. Gemeinsam mit ihrem Vater übernehmen sie das Anlongieren der jungen Pferde und helfen vom Boden aus beim Anreiten, welches im Sattel von Miriam Herzhoff übernommen wird. Die weitere Ausbildung der Pferde liegt auf dem Pferdehof Pferdmenges schon seit zwölf Jahren in den Händen von Eva Julia Haubert, die sich auch um die Förderung der fortgeschrittenen Reiter kümmert. Die Bereiterin ist im Besitz des Goldenen Reitabzeichens und kann im Dressurviereck auf Erfolge bis zum Grand Prix blicken.  

Auf dem Pferdehof Pferdmenges können nicht nur Reitpferde zur Pension eingestallt werden, sondern auch Gaststuten zum Abfohlen.  

Infos: www.pferdehof-pferdmenges.de, Auskünfte gerne auch per E-Mail an h.pferdmenges@t-online.de oder telefonisch unter 02166-850253. 

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