
Am Wochenende war einiges los. Unter anderem waren die deutschen Springreiter beim englischen Klassiker in Hickstead erfolgreich und in Avenches haben die Buschreiter alles gegeben.
Hickstead
Zwar ist das Fünf-Sterne-Springturnier in Hickstead, Großbritannien, nicht mehr Teil der FEI-Nationenpreisserie (bzw. „League of Nations“, wie es jetzt heißt), aber es ist immer noch eine der traditionsreichsten und prestigeträchtigsten Veranstaltungen des Turnierkalenders. Dementsprechend groß war die Freude bei den deutschen Springreitern, als sie nur eine Woche nach den erfolgreichen Europameisterschaften in La Coruña den Sieg im Nationenpreis von Hickstead holten.
Mit acht Strafpunkten verwiesen René Dittmer auf Corsica X, Marco Kutscher mit Catelly, Stefan Engbers im Sattel von Baju NRW sowie Marcus Ehning auf Priam du Roset die Briten auf Platz zwei. Zwölf Strafpunkte wurden bei den Gastgebern notiert, 17 bei den Belgiern auf Rang drei.
Mit jeweils zwei Nullrunden trugen René Dittmer/Corsica und Marco Kutscher/Catelly den Löwenanteil zum deutschen Erfolg bei. Stefan Engbers und Baju hatten in beiden Runden je einen Abwurf. Schlusspaar Marcus Ehning und Plot Blue lieferten mit acht Fehlern das Streichergebnis des ersten Umlaufs. Im zweiten Umlauf mussten sie gar nicht mehr antreten, weil das deutsche Team bereits als Sieger feststand.
Marco Kutscher sagte später: „Ich war jetzt elf oder zwölf Jahre nicht mehr in Hickstead, das ist wirklich klasse, hierhin zurückzukommen und mit dem deutschen Team zu gewinnen.“ Dass er den 13-jährigen Catelly reitet, war eigentlich gar nicht vorgesehen. Doch da er mit dem eigentlich vorgesehenen Aventador S tags zuvor einen Sturz hatte, musste er umplanen und der bis Herbst 2024 noch von Lars Bak Andersen präsentierte Catelly v. Cataldo erhielt seine Chance. Der überraschte seinen Reiter aufs Angenehmste: „Ich bin mit ihm noch nie einen offenen Wassergraben gesprungen und habe ich mich gefragt, wie er reagieren würde. Von daher bin ich sehr glücklich zweimal null gewesen zu sein und gewonnen zu haben.“
Marcus Ehning, der gerade erst EM-Bronze in La Coruña gewonnen hatte, lieferte zwar das Streichergebnis, zog aber dennoch ein positives Fazit: „Ich war sehr zufrieden, sogar der ersten Runde. Ich hatte zwei Abwürfe in der dreifachen Kombination, aber mein Pferd ist gut gesprungen. Ich liebe es hier in Hickstead und wir kommen gerne wieder.“
Das konnte Bundestrainer Otto Becker nur unterstreichen: „Ich möchte mich bei der gesamten Familie Bunn (die Veranstalter, Anm. d. Red.) bedanken. Für uns Deutsche ist Hickstead immer etwas Besonderes. Wir sind immer hier. Der ganze Platz ist besonders, und hier zu gewinnen bedeutet uns viel.“
Marcus Ehning konnte sich außerdem über eine Platzierung im Großen Preis, dem King George V Gold Cup, freuen. Mit dem Iren DPS Revere lieferte er die schnellste Vier-Fehler-Runde im Normalparcours und wurde damit Siebter. Der Sieg ging – zum zweiten Mal nach 2023 – an den Briten Robert Whitaker auf dem selbstgezogenen Vermento vor Omar Abdul Aziz Al Marzooqi (UAE) im Sattel von Enjoy de la Mure und Jordan Coyle (IRL) mit Chaccolino.
Nationenpreis Vielseitigkeit in Avenches
Avenches in der Schweiz war der Austragungsort des dritten von sechs FEI-Vielseitigkeitsnationenpreisen 2025. Der Sieg ging einigermaßen überlegen mit 100,4 Minuspunkten an die Gastgeber, die mit Felix Vogg auf Catania und Colero auch den Einzelsieger und Einzelzweiten stellten. Für die Mannschaft ritt der 2024er Luhmühlen-Sieger Colero. Komplettiert wurde das Team durch Nadja Minder und Top Job’s Jalisco (Rang drei), Mélody Johner auf Erin (Fünfte) und Robin Godel mit Grandeur de Lully CH (Siebte).
An zweiter Stelle folgte das deutsche Team mit insgesamt 141,7 Minuspunkten. Bestes Paar der Mannschaft waren Michael Jung und fischerSolution II, die nach der Dressur in Führung gegangen waren, im Gelände jedoch 11,2 Zeitfehler kassierten und am Ende Vierte wurden. Ihre Nationenpreis-Premiere gaben Ann-Catrin Bierlein und Sir Scotty, die sich über einen tollen neunten Platz freuen konnten. Libussa Lübbeke und Darcy F wurden 14. Calvin Böckmann stellte erstmals die früher von Anna Siemer gerittene Oldenburger Stute Lillybelle EA in einem Nationenpreis vor, gab aber nach zwei Verweigerungen im Gelände auf.
Peter Thomsen kam gegenüber der FN zu folgendem Fazit: „Am Ende waren an diesem Wochenende die Schweizer besser und ich gratuliere ihnen zu dem deutlichen Sieg bei ihrem Heimspiel. Aber ich bin auch sehr zufrieden mit unseren Reitern, vor allem wenn man bedenkt, dass es – mit Ausnahme von Darcy F – für alle Pferde der erste Nationenpreis überhaupt war. Unser nächster Nationenpreis wird dann in Arville in Belgien sein, dort ist dann auch die letzte Sichtung für die Europameisterschaften in Blenheim.“
Jung siegreich, Schäfer-Gehrau platziert
Apropos Blenheim – Michael Jung nutzte den CCI3*-S von Avenches, um seinen Olympiasieger Chipmunk in EM-Form zu bringen. Die ist bereits vorhanden. Sie erhielten satte 82,80 Prozent in der Dressur, umgerechnet 17,2 Minuspunkte, ließen sich im Gelände Zeit, konnten sich aber trotzdem noch einen Abwurf im Parcours leisten, ohne den Sieg in Gefahr zu bringen.
Das zweitbeste deutsche Paar der Prüfung kommt aus dem Rheinland: Brandon Schäfer-Gehrau mit Perseverance Luxury From Second Life Z. Die neunjährige Levisto-Tochter war Sechste nach der Dressur. Den 29,3 Minuspunkte hier fügten die beiden 12,8 Zeitfehler im Gelände hinzu, blieben aber sowohl im Cross als auch im Parcours ohne Hindernisfehler. Das war am Ende Rang neun.
Calvin Böckmann und seine siebenjährige Zukunftshoffnung Kasparow, Bundeschampion des Vorjahres, haben keine Schleife, aber Erfahrung gewonnen. Sie hatten eine Unterbrechung im Cross und zwei Abwürfe im Parcours.
Brandon Schäfer-Gehrau und die „Perseverance-Pferde“ konnten sich auch im CCI1*-Intro gut in Szene setzen: Platz zwei für die achtjährige belgische Diamant de Semilly-Tochter Diamant d’Elle de Ravel mit dem Dressurergebnis von 33,2 und Rang drei für den erst sechsjährigen OS-Wallach Zinedream Air v. Zinedream mit 29,9 Dressur-Minuspunkten und 5,6 Zeitstrafpunkten aus dem Cross.
Katrin Eckermann in Dinard erfolgreich
Neben Hickstead richtetete auch das französische Dinard ein Fünf-Sterne-Turnier aus, bei dem unter anderem Katrin Eckermann im Einsatz war. Mit dem Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaften der sechsjährigen Springpferde von 2024, Earl of Alice, war sie eine der Siegerinnen in der ersten Qualifikation der Youngster Tour (hier gewannen alle Paare mit null Fehlern), hatte einen Abwurf in der zweiten Prüfung und verpasste im Finale das Stechen nach einem Zeitfehler im ersten Umlauf. Das reichte dennoch für eine Schleife, Rang zwölf.
Im Großen Preis konnte Eckermann sich mit Neuzugang Cydello dank einer schnellen Vier-Fehler-Runde im Normalparcours auf Rang elf behaupten und war damit noch im Geld. Sieger war hier der US-Reiter Aaron Vale im Sattel des Holsteiners Carissimo.
Mit der einstigen Jungpferde-Weltmeisterin aus eigener Zucht, Chao Lee, sicherte sich Katrin Eckermann zudem zwei fünfte Plätze in einem 1,45- und einem 1,50 Meter-Zeitspringen aus dem Rahmenprogramm.
Siegerin im Youngster Finale war Sophie Hinners auf dem Holsteiner Wallach Uriel v. Uriko geworden. Die frisch gebackene EM-Dritte war an diesem Wochenende in Dinard überhaupt sehr erfolgreich, ebenso wie ihr Partner, der neue Europameister Richard Vogel. Hinners gewann noch vier weitere Prüfungen: mit dem neunjährigen Hannoveraner Komet v. Kannan ein 1,45 Meter-Springen, mit Uriel die erste Youngster-Qualifikation und mit dem zehnjährigen Munin ein weiteres 1,50 Meter-Rahmenspringen sowie das Derby.
Richard Vogel gewann derweil mit seinem Speedspezialisten Phenyo van het Keysersbos den Großen Preis der Drei-Sterne-Tour und mit der zehnjährigen Hannoveraner Stute Cubi Cubells ein 1,50 Meter-Zeitspringen.





