Leonie Richter und Lord Europe waren das Maß der Dinge im Stars von Morgen Finale 2026. Foto: @mt.fotografie_
Leonie Richter und Lord Europe waren das Maß der Dinge im Stars von Morgen Finale 2026. Foto: @mt.fotografie_

Münster: Lord Europe „Star von Morgen“, Hemmer sahnt ab

Leonie Richter und Lord Europe waren das Maß der Dinge im Stars von Morgen Finale 2026. Foto: @mt.fotografie_
Leonie Richter und Lord Europe waren das Maß der Dinge im Stars von Morgen Finale 2026. Foto: @mt.fotografie_

Sowohl der Reiterverband Münster als auch das Turnier in der Halle Münsterland, heute bekannt als Agravis-Cup, feierten 2026 100. Geburtstag. Wie eh und je spielte die Dressur auch dieses Jahr eine wichtige Rolle. Abräumerin des Wochenendes war Katharina Hemmer, das Finale der Stars von Morgen ging an einen Rheinländer und mehrfach konnten rheinische Reiter sich gut platzieren.

Mannschaftseuropameisterin Katharina Hemmer hatte ihre beiden Nachwuchshoffnungen mit nach Münster gebracht: den gerade zehnjährigen Special Gold PCH, mit dem sie im Dezember beim Louisdor-Preis Finale in Frankfurt überzeugen konnte, und den elfjährigen Spörcken-Sohn Slaide, der 2024 Fünfter im Finale der Nachwuchs-Grand Prix-Pferde Serie in Frankfurt gewesen war. In Münster konnte sie zeigen, dass beide sich weiter in die richtige Richtung entwickelt haben.

Mit Slaide gewann Hemmer den Grand Prix de Dressage, Qualifikation für den Special. 71,120 Prozent vergaben die Richter für „Juniors“ Vorstellung. Damit hielten sie Helen Langehanenberg und den NRW-Landbeschäler Zoom v. Zack mit 1,5 Punkten Vorsprung auf Abstand (71,060). Dritter wurde Tobias Nabben auf Forster. Während sowohl Slaide als auch Zoom 2024 zu den Finalisten in Frankfurt zählte, waren Nabben und sein Finest-Sohn dieses Jahr in der Festhalle dabei, im Finale allerdings sehr von der Rolle, so dass nicht für eine vordere Platzierung reichte. In Münster war die Welt wieder „ziemlich gut“, oder anders: 70,860 Prozent.

Mit Special Gold belegte Hemmer nach Problemen in beiden Wechseltouren Rang vier (69,720). Dahinter reihte sich die Louisdor-Dritte 2024 ein, Nadine Plasters Sir Heinrich-Tochter Shiva (69,260).

Grand Prix Special-Gold an Special Gold

Der Grand Prix Special ist traditionell das Dressurhighlight in Münster und findet deshalb in der Halle Münsterland, also der Haupthalle statt. Hier hat schon manches Championatspferd seine Hufspuren im Sand hinterlassen, wie etwa Dorothee Schneiders späterer Mannschaftsweltmeister Sammy Davis Jr. Vielleicht sahen die wenigen Zuschauer, die sich am frühen Sonntagmorgen trotz Winterwetters aus dem Haus gewagt hatten, auch dieses Jahr einen künftigen Medaillengewinner. Auf jeden Fall wurden sie Zeugen, wie Katharina Hemmer ihren Louisdor-Vierten Special Gold in seinem allerersten Grand Prix Special an den Huf nahm und ihn fast fehlerlos durch die schwierige Aufgabe führte. Probleme bei den Serienwechseln? Diesmal nicht. 74,333 Prozent vergaben die Richter und da ist in allen Bereichen noch ganz viel Luft nach oben, einfach weil der gerade erst zehnjährige Rappe noch Zeit zum Reifen braucht.

Über Platz zwei konnten sich Tobias Nabben und Forster freuen. 73,725 Prozent erhielten sie. Klaus Storbeck sah sie sogar mit 1,5 Punkten Vorsprung vor Hemmer. An dritter Stelle reihte sich das PSI-Duo Evelyn Eger und Dancing Darkness ein (71,804).

Hesse-Wischerath Sechste und Siebte

Die rheinischen Farben hielt in der Grand Prix-Tour von Münster Pia Hesse-Wischerath auf ihrem 14-jährigen rheinischen Feedback-Sohn Franco Salentino hoch. Im Grand Prix belegte die Vertreterin des Akademischen Reitclubs Bonn Rang sechs mit dem Braunen aus der Zucht der ZG Mölko. 69,220 Prozent hatten sie für ihre Vorstellung erhalten. Im Special konnten die beiden die 70 Prozent-Marke knacken: 70,039 Prozent waren das siebtbeste Ergebnis unter den 13 Teilnehmern, wobei Heinrich Claas-Beisemann bei H sie sogar auf Rang drei sah.

Kür an Daniela & Langehanenberg

Die Kür-Tour von Münster wurde mit der S10, dem Kurz-Grand Prix, als Qualifikation eingeläutet. Beide Prüfungen wurden zur Beute von Helen Langehanenberg mit der nun 13-jährigen Daniela, einer Tochter von Langehanenbergs einstigem Erfolgspferd Damsey, gezogen von dessen Besitzern, der Familie Leatherdale. Die beiden gewannen den Kurz-Grand Prix mit 73,326 Prozent und die Kür mit 76,55 Prozent.

Zweitbestes Paar waren Andrea Timpe und Don Carismo FRH. In der Qualifikation waren sie noch Dritte (70,837) hinter Alina Schrader auf ihrem Fahrenheit-Sohn Flavio (71,674). Doch da letztere sich in der Kür knapp mit 75,075 Prozent an vierter Stelle einordneten, war der Weg frei auf Platz zwei für Timpe und ihren langjährigen Erfolgspartner v. Don Crusador. 75,55 Prozent gab es für die Kür der beiden. Über Platz drei konnte sich U25-Mannschaftseuropameisterin Elisabeth von Wulffen auf ihrem elfjährigen Van Vivaldi-Son Vis à Vis freuen. Für sie gab es 75,175 Prozent. Die Platzierten lagen also alle dicht beieinander.

Im Kurz-Grand Prix hatten von Wulffen und Vis à Vis ebenfalls eine „ziemlich gute Runde“ mit 70,163 Prozent, was hier Platz fünf hinter Marcus Hermes auf Fräulein Anna’s Gremlin (70,628) bedeutet hatte.

Ebenfalls in der Platzierung: die Krefelderin Sophie Jamar und ihr Veneno-Sohn Venecio. Im Kurz-Grand Prix waren sie als Achte mit 67,651 Prozent noch „einen raus“. Doch in der Kür schnappten sie sich mit 73,875 Prozent einen tollen sechsten Rang.

Die beiden weiteren rheinischen Paare, Fernando Esteban Ruiz auf Nessun Dorma MW, sozusagen ein Neffe des Grand Prix-erfolgreichen Burg-Pokal Finalisten Quantum Vis MW, und Linda Weiß auf Venezia H, waren nur im Kurz-Grand Prix am Start. Der Spanier und seine zehnjährige Hannoveraner Negro-Tochter belegten hier Platz elf (66,860). Für Weiß und ihre rheinische Vitalis-Tochter waren es 65,884 Prozent und Platz 15.

Lord Europe, der „Star von Morgen“

Der Kurz-Grand Prix war auch die Finalaufgabe für die „Stars von Morgen“. In ganz Deutschland fanden 2025 die Qualifikationen statt. Dann folgten die beiden Halbfinal-Turniere in Ising für den südlichen Teil der Republik und in Oldenburg für den Norden, ehe sich die Qualifikanten vergangenes Wochenende in Münster zum Finale zusammenfanden.

Leonie Richter und ihr Rheinländer Hengst Lord Europe, über Lord Leatherdale ein Lord Loxley-Enkel, hatten bereits das Halbfinale in Oldenburg dominiert und waren der Konkurrenz auch gestern einigermaßen überlegen. Mit 76,698 Prozent verwiesen sie Helen Langehanenberg und Danny Cool auf Rang zwei (73,488). Beide Pferde waren im Dezember auch beim Louisdor-Preis Finale in Frankfurt am Start. Hier hatten Richter und der einstige Burg-Pokal Zweite allerdings so viele Fehler, dass sie sich an letzter Stelle einordneten. Das lief nun in Münster viel besser. Ein großer Erfolg für die frühere Ausbilderin von Helgstrand Dressage zum Einstieg in ihre Selbstständigkeit, die sie nun auf dem elterlichen Hof in Bad Essen begonnen hat.

Beste rheinisches Paar waren Julia de Ridder und ihr Dankeschön-Sohn Birkhofs Diamantinos. Mit starken 71,674 Prozent mussten sie sich dem drittplatzierten Paar, Anna-Louisa Fuchs auf Duvetico, nur um fünf Punkte geschlagen geben.

Dr. Annabel Frenzen und ihr Sezuan-Sohn Szechuan schafften es ebenfalls ins große Finale mit den sechs besten Paaren der Einlaufprüfung und belegten hier mit 65,047 Prozent Rang sechs.

Während Richter und Langehanenberg schon in der Einlaufprüfung, der Intermédiaire II, an der Spitze gestanden hatten, waren die beiden Rheinländerinnen de Ridder und Frenzen hier noch Dritte (71,763) und Vierte (71,605) gewesen.

Dr. Annabel Frenzen hatte mit Vabali noch ein zweites Eisen im Feuer. Der Veneno-Sohn verpasste das große Finale knapp. Mit 70,026 Prozent war er Achter. Im kleinen Finale, in dem wieder die Intermédiaire II geritten wurde, war Vabali dann nicht mehr am Start. Der Sieg ging hier nach Westfalen, an U25-Reiterin und Nachwuchs-Multmedaillengewinnerin Lucie-Anouk Baumgürtel auf ihrer Vitalis-Tocher First Vienna. 71,316 Prozent erhielten die beiden und waren damit das einzige Paar, das die 70 Prozent-Marke knacken konnte.

Alle Ergebnisse aus Münster finden Sie hier.

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