Eine glänzende Vorstellung von Jessica von Bredow-Werndl und Diallo in der Weltcup-Kür von Stuttgart. FEI/www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz
Eine glänzende Vorstellung von Jessica von Bredow-Werndl und Diallo in der Weltcup-Kür von Stuttgart. FEI/www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Meilenstein für von Bredow-Werndl und Diallo in Stuttgart

Eine glänzende Vorstellung von Jessica von Bredow-Werndl und Diallo in der Weltcup-Kür von Stuttgart. FEI/www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz
Eine glänzende Vorstellung von Jessica von Bredow-Werndl und Diallo in der Weltcup-Kür von Stuttgart. FEI/www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Es gab gestern einen deutschen Doppelsieg in der Weltcup-Qualifikation von Stuttgart. Für Jessica von Bredow-Werndl war dieses Turnier ein Meilenstein auf dem Weg mit ihrem neuen Tanzpartner Diallo.

Mit 83,095 Prozent gewannen Jessica von Bredow-Werndl und ihr zehnjähriger Dancier-Sohn Diallo ihren ersten Auftritt im Weltcup vor dem früheren Werndl-Schüler und -Mitarbeiter Raphael Netz mit Great Escape Camelot (80,765), dem es wiederum gelang, die Finalsieger von 2024, Patrik Kittel und Touchdown, auf Abstand zu halten (79,620).

Vom Feuerstuhl zum Metronom

Bereits den Qualifikations-Grand Prix hatten Jessica von Bredow-Werndl und Diallo für sich entschieden. Allerdings war der Hannoveraner Wallach hier noch reichlich energiegeladen gewesen, ein „Feuerstuhl“, wie die vierfache Olympiasiegerin es ausdrückte. In der Kür kam er besser zum Durchschwingen. Dadurch war das Maul in vielen Phasen ruhiger und beständiger. Der Takt im Trab des Wallach ist wie ein Metronom, perfekt unterstützt von der Musik, zu der einst schon Zaire tanzte. Im Galopp dürfte er allerdings klarer zum Durchspringen kommen und im Schritt muss die Reiterin aufpassen, dass der klare Viertakt erhalten bleibt – womöglich beides eine Frage der inneren und äußeren Losgelassenheit.

Das sei es, worum es derzeit für sie gehe, sagte Jessica von Bredow-Werndl später im Interview mit der FN: „Ich habe gehofft, dass er durchatmet, wenn die Musik angeht, und das hat er. Wir haben heute eine Runde für das Vertrauen geritten. Ich weiß, dass er noch ganz viel Potenzial hat, aber darum geht es aktuell nicht, sondern um unser Vertrauen. Wir denken von Turnier zu Turnier.“ Danach gefragt, wie viel seines Potenzials Diallo derzeit bereits ausschöpfe, erklärte Jessica von Bredow-Werndl: „Wir kratzen gerade mal an der Oberfläche.“

Auch Bundestrainerin Monica Theodorescu war voll des Lobes für das Paar: „Sie (Jessica von Bredow-Werndl) hat ihm Selbstvertrauen gegeben. Er hat an Kraft und Ausdruck gewonnen. Nun darf er lernen, sich in einer solchen Kulisse wohlzufühlen und zu performen. Dafür braucht es Zeit und Vertrauen. Jessica gibt ihm beides.“

Platz zwei für Camelot

Raphael Netz‘ KWPN-Wallach Great Escape Camelot ist nun 14 Jahre alt. 2023 hatte Netz den Johnson-Sohn übernommen. Gestern zeigten die beiden, dass sie immer noch dabei sind, sich zu verbessern. Zum Beispiel in den Piaffen. Zwar neigt Camelot nach wie vor dazu, die Hinterbeine anzuziehen, aber nun federt er auch energisch vom Boden ab und nimmt reell Last auf, statt einfach nur die Beine zu heben. 80,765 Prozent sind eine neue persönliche Bestleistung für das Paar, das die deutschen Farben schon beim Weltcup-Finale vertreten hat. 2024 wurden sie in Riad Fünfte. Gestern ließen sie das dortige Siegerpaar hinter sich, Patrik Kittel und Touchdown.

German Master in die Schweiz

Im Grand Prix der CDI4*-Tour um den Titel des German Master in der Dressur hatten Anabel Balkenhol und der Hohenstein-Sohn High Five die Nase vorn gehabt. Mit 72,391 Prozent hatten sie den Louisdor-Finalsieger von 2024, Sheldon Cooper und Carina Harnisch, hinter sich gelassen. Für den waren es 71,435 Prozent geworden. Dritter wurde U25-Europameister Moritz Treffinger mit Fiderdance. Mit 71,218 Prozent musste er sich seiner baden-württembergischen Landsfrau nur knapp geschlagen geben.

Heute im Grand Prix Special wurden die Karten neu gemischt. Anabel Balkenhol und High Five waren nicht mehr am Start. Wie die WM-Dritte von 2010 berichtete, wollte sie nach der Siegerehrung des Grand Prix in der Abreitehalle noch ein paar Runden leichttraben, damit High Five sich noch etwas entspannen und zur Ruhe kommen kann. Doch auf dem Weg in die Abreitehalle erschreckte er sich und rutschte aus. Danach ging er nicht ganz klar und wurde tiermedizinisch behandelt. Glücklicherweise sieht es aber nicht so aus, als sei etwas Schlimmes passiert, versicherte Balkenhol.

Dafür schlug die große Stunde für eine Reiterin aus der Schweiz, die viel von Familie Balkenhol gelernt hat: Charlotta „Kiki“ Rogerson auf Bonheur de la Vie. Der nun 13-jährige Bordeaux-Sohn war einst von Sandra Nuxoll bis Grand Prix ausgebildet und erfolgreich präsentiert worden. Unter anderem gewann er das Louisdor-Preis Finale 2020. Seit 2025 steht er nun im Besitz der Familie Rogerson. Bei den Europameisterschaften in Crozet vertraten sie die Schweizer Farben. Aber der heutige Sieg dürfte einen noch höheren Stellenwert einnehmen. Es war der erste überhaupt für die beiden auf internationalem Parkett und 72,447 Prozent sind das bei weitem beste Ergebnis, das sie bis dato erzielt haben. In Stuttgart ließen sie damit Marieke van der Putten ihren dänischen Totilas-Sohn Torveslettens Titanium hinter sich. Die kamen mit 71,468 Prozent aus dem Viereck.

Moritz Treffinger und Fiderdance konnten sich erneut über Rang drei freuen, diesmal mit 71,362 Prozent. Carina Harnisch und Sheldon Cooper hatten einen dicken Patzer in den neun Einerwechseln auf der Mittellinie zwischen den Pirouetten und konnten diesmal nicht über die 70 Prozent-Marke springen. Mit 69,787 Prozent wurden sie Fünfte.

Alle Ergebnisse aus Stuttgart gibt es hier.

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