Linda Weiß und Viva Diamond OLD auf dem Weg zu WM-Silber 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Linda Weiß und Viva Diamond OLD auf dem Weg zu WM-Silber 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Linda Weiß‘ Viva Diamond holt WM-Silber ins Rheinland

Linda Weiß und Viva Diamond OLD auf dem Weg zu WM-Silber 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Linda Weiß und Viva Diamond OLD auf dem Weg zu WM-Silber 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Seit letztem Jahr im Juni ist Linda Weiß als Bereiterin bei Judith Koeppel von 360° Sportpferde in Duisburg tätig. Damals übernahm sie die Ausbildung der Vitalis-Tochter Viva Diamond. Und nun sind sie Vize-Weltmeister der fünfjährigen Dressurpferde. Eine Erfolgsgeschichte.

Zwei imposante Hengste, beide vorgestellt von Dänemarks Mette Sejbjerg Jensen für Helgstrand Dressage, und dazwischen die 30-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin Linda Weiß aus Duisburg mit der Oldenburger Stute Viva Diamond OLD – so endete heute das Finale um die Weltmeisterschaft der fünfjährigen Dressurpferde.

Inoffizieller Harmoniepreis und Silber

Hätte es bei der WM der fünfjährigen Dressurpferde einen extra Harmoniepreis gegeben, Linda Weiss und Viva Diamond hätten ihn verdient gehabt. Eine schönere, gleichmäßigere, vertrauensvollere Anlehnung als die der Vitalis-Tochter (Mutter v. Don Diamond, Z.: Zuchthof Alberding) hat man an diesem Wochenende nicht gesehen. Die Trabtour war einfach nur schön, alles elastisch, fleißig, im Fluss, geschmeidig und in genau richtigem Tempomaß. Okay, man muss sagen, in den Verstärkungen wurde die Stute hinten breit und zum Teil auch etwas schief. Wohl eine Kraftsache. Aber das störte nicht das Gesamtbild. Der Schritt – bombensicherer Takt, viel Vor- und Übertritt, herrlich durch den Körper schreitend und mit maximalem Fleiß. Daraus ein williges, promptes Angaloppieren. Auch hier wünschte man sich auf Dauer etwas schmaleres Füßen. Aber der Außengalopp gelang auf beiden Händen und die einfachen Wechsel ebenfalls. Das Zügel aus der Hand kauen lassen zum Schluss verursachte einem Gänsehaut, so gut war es.

Die Wertnoten waren entsprechend: 9,0 für Durchlässigkeit (trotz der erwähnten Punkte) und Perspektive, 8,8 im Trab, 8,5 im Galopp und 9,3 im Schritt. Das bedeutete ein Endergebnis von 89,20 Prozent und am Ende die Silbermedaille.

Debüt auf großer Bühne

Für beide, Viva Diamond und ihre Reiterin, war das heute die WM-Premiere. Aber während Linda Weiß bereits S***-siegreich ist und auch schon Bundeschampionatsmedaillen gewonnen hat, ist ihre Stute bislang noch nicht über die Turnierplätze des Rheinlands hinausgekommen. Dementsprechend aufgeregt war sie bei der Siegerehrung.

Bei ihrer Reiterin war es andersherum: „Ich war vor zwei Tagen in der Qualifikation aufgeregter als heute. Und in dem Moment, in dem ich auf dem Pferd sitze, bin ich nicht mehr aufgeregt. Dann weiß ich, was zu tun ist. Das beruhigt mich.“ Emotional wurde sie erst hinterher. „Ja, und danach war alles verflogen, da musste ich ein paar Tränen verdrücken, weil der ganze Stress abgefallen ist, den man doch irgendwie die ganze Zeit mit sich trägt.“

Riesig war auch die Freude beim Team im Hintergrund. Auch dort fiel man sich in die Arme und es gab feuchte Augen. Seit Juni 2024 reitet Linda Weiß nun für Judith Koeppel vom Team 360° Sportpferde. Offensichtlich war es die richtige Entscheidung, nach fünf Jahren auf dem Gut Römerhof von Tara Schneider, wo Linda – die seit Februar Pferdewirtschaftsmeisterin ist – auch ihre Ausbildung absolviert hat, noch einmal neue Wege zu gehen. „Ich war viel als Trainer unterwegs und wollte nun aber wieder ein bisschen mehr reiten“, erzählt sie. Viva Diamond gehörte zu den ersten Pferden, die sie in Beritt bekommen hat. Und nun, ein gutes Jahr später, sind sie Vize-Weltmeister. Und werden voraussichtlich zumindest in absehbarer Zeit auch zusammenbleiben.

Zweimal Sejbjerg Jensen

Der neue Weltmeister der fünfjährigen Dressurpferde heißt Proud James. Er, wie auch der Bronzemedaillengewinner Straight Horse Leonardo wurden von Mette Sejbjerg Jensen vorgestellt, einer 36-jährigen Dänin, die in einer kleinen lokalen Reitschule angefangen hat und sich bei Helgstrand Dressage hochgedient hat. Die sind ihre ersten WM-Medaillen und sie konnte die Tränen in der Pressekonferenz nicht zurückhalten, als ihr Chef ihren Fleiß, ihre Tapferkeit, wenn mal wieder eines ihrer Pferde verkauft wurde, und ihre Loyalität gegenüber ihrem Arbeitgeber lobte.

Sie hat ihre beiden Hengste heute sehr gekonnt vorgestellt. Proud James, der schöne KWPN-Schimmel v. Jameson RS2-Johnson (Z.: Y.M.M. Van Maasacker) ist ein echter Sympathieträger, ein sehr gutes Pferd mit drei sehr guten Grundgangarten, das heute keinen falschen Tritt, Schritt oder Sprung gemacht hat. 9,3 gaben die Richter im Trab, 8,3 im Schritt, 9,0 im Galopp, 9,2 für die Durchlässigkeit, 9,5 für die Perspektive. Das waren zusammen 90,60 Prozent.

Entdeckt hatte Andreas Helgstrand den Schimmel in Amsterdam beim Mittagessen. Er saß mit Nanna Skodborg Merrald zusammen, da wurde ihm das Video eines Junghengstes an der Longe geschickt – Proud James. Er war begeistert, seine beiden Kollegen Thomas Sigtenberggaard und Eben Möller (Entdecker solcher Pferde wie Blue Hors Zack) weniger. Aber Helgstrand sagte, er habe den Schimmel unbedingt haben wollen. Schritt? Hatte er nicht gesehen. Egal, gesehen, gekauft. Offensichtlich keine ganz falsche Entscheidung.

Bronze für Black Beauty

Eine fehlerfreie Prüfung ging auch der dänische Lord Europe-De Niro-Sohn Straight Horse Leonardo, Mette Sejbjerg Jensens zweites Eisen im Feuer. Man wünschte dem bildschönen Rappen mehr Geschmeidigkeit im Körper. Auch wenn er stets in gutem Rahmen gezeigt wurde, wies die beständige Nickbewegung im Kopf doch darauf hin, dass er nicht ganz locker über den Rücken arbeitet. Der Schritt war nicht sehr ergiebig. Aber er machte sehr motiviert seinen Job und die Richter mochten ihn sehr: 87,40 Prozent.

Wie man zwei Pferde in die Medaillen reitet? Ganz einfach, sagt Mette Sejbjerg Jensen: „Ich bin unglaublich dankbar, dass ich zwei so qualitätvolle Pferde reiten darf. Wir haben uns sehr sorgfältig auf diese WM vorbereitet – und das beides zusammen, die Qualität der Pferde und die Vorbereitung, macht es wirklich fast einfach, in die Medaillen zu reiten.“ Der größte Unterschied zwischen den beiden sei die Farbe. Ansonsten hätten sie mehr Gemeinsamkeiten. „Beide seien super zu reiten, intelligent und beide seien ‚Showmen‘. Sie kommen ins Viereck, wachsen fünf Zentimeter und sagen: Mummy, lehn dich zurück und genieße!“

Die weiteren deutschen Ergebnisse

Platz fünf wurde es für Beatrice Hoffrogge und die Oldenburger Stute Because of you OLD v. Benicio-Dimaggio, gezogen auf dem Zuchthof Hollen von Jan Callender und im Besitz von Lara Steimle Lochmann. Die bunte Fuchsstute tanzte wunderbar leichtfüßig, elastisch und geschmeidig durch die Trabtour, das alles mit sehr guter Anlehnung. 84 Prozent wurden es für die beiden.

Direkt dahinter reihte sich der einstige DSP-Siegerhengst Birkhof’s Don Diamond DSP v. Viva Gold-Don Diamond ein (Z.: ZG Linz), den Isabell Werths Stallreiterin Lisa Wernitznig aus Österreich für Vicky Max-Theurer vorstellte. Trab- und Galopptour waren sehr schön. Was die Gesamtwertung drückte waren zeitweise Phasenverschiebungen im Schritt, etwa zwischen den einfachen Wechseln. Unter dem Strich wurden es 83,60 Prozent für den hübschen Fuchs, der seinen Vater nicht verleugnen kann.

Das dritte deutsche Paar unter den Top Ten waren Lena Haßmann und die sehr motivierte und willige westfälische Escalito-Tochter Estelle PS (für Besitzer und Züchter Peter Spelsberg) NRW. Sie kamen auf 83,20 Prozent und belegten Rang sieben

Mit Spannung erwartet worden war der Auftritt von Wendys Sohn Ferdinand de Fontaine. Obwohl über Franklin (KWPN) und Sezuan (DWB) bis hinunter zur 1966 geborenen Trakehner Stute Vealine überhaupt nicht deutsch gezogen und aus französischem Züchterstall, ist der Hengst in Oldenburg registriert. Vorgestellt wurde er von Merita Hagren. Der Hengst zeigte einen sehr schwungvollen und aktiven Grundtrab, war aber maximal eilig im Mitteltrab. Die Reiterin saß eher über als im Pferd. „Weniger ist mehr“ gaben die Richter der Reiterin für den Trab mit auf den Weg und bemängelten auch die starke Anlehnung. 80,80 Prozent und Platz elf wurden es insgesamt.

Harmonisch, aber den Richtern etwas zu matt war der Auftritt des DSP-Wallachs Valentin v. Vitalis-Don Schurf mit Johanna Wadenspanner (Z.: Dr. Jutta Steidl, B.: Zuchthof Wadenspanner) – 80,2 Prozent, Rang zwölf.

Unzufrieden im Maul, undurchlässig und dadurch fehlerbehaftet verlief die heutige Vorstellung des eigentlich sehr talentierten Hannoveraner Fuchses So Special v. Secret-Bon Coeur aus der Zucht und im Besitz von Pia Sophie Wahlers unter Jessica Lynn Thomas. 78,40 Prozent bedeuteten Platz 14.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

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