
Michael Jung hat es geschafft. Nach einem sensationellen Null-Fehler-Ritt im Springen sichert er sich heute sein viertes WM-Gold in der Vielseitigkeit – das letzte Championats-Gold für seinen vierbeinigen Shootingstar fischerChipmunk FRH.
Zwar präsentierte sich der athletische Hannoveranerwallach in Aachen ungeachtet seiner 18 Jahre bis zur letzten Sekunde topfit – dennoch plant der Reiter die wohlverdiente Rente für seinen langjährigen Sportpartner, mit dem er so viele große Erfolge feiern durfte. Und wie könnte sich der Abschluss einer solch großartigen Karriere schöner gestalten als mit einer letzten Goldmedaille bei der spektakulären Heim-WM in der Soers?

Michael Jung und sein Brauner haben es auf beeindruckende Art und Weise geschafft, ihr Dressurergebnis von gerade mal 23 Minuspunkten – mit denen sie vor dem Wochenende noch auf Platz drei lagen – nach Hause zu bringen. Schon gestern im Gelände spielten sie ihre Stärke und Erfahrung aus, blieben ohne Fehler in der erlaubten Zeit und kürten sich somit zum Overnight-Leader vor dem abschließenden Springen. Das sorgte heute noch einmal für eine ordentliche Portion Nervenkitzel im Allianz-Park: In umgekehrter Reihenfolge zur bisherigen Rangierung gingen die Reiter mit ihren Pferden in der alles entscheidenden, letzten Teilprüfung an den Start. Dass er demnach mit Chipmunk als letzter Reiter die Ehre haben würde, war für Routinier Michael Jung natürlich kein Problem. Doch im Laufe des Wettbewerbs kristallisierte sich heraus: Schon ein Springfehler würde den Traum von Gold zerplatzen lassen. Entsprechend groß war der Druck für Jung, als er in den Parcours ritt – doch noch viel größer die Erleichterung, als er beim Blick auf die Anzeigetafel realisierte, dass er es wirklich geschafft hat: „Ich musste noch einmal gucken, ob es tatsächlich stimmt, aber ja – das ist unglaublich”, sagte er anschließend. Voll des Lobes war er dementsprechend auch für sein Pferd: „Es ist einfach unwahrscheinlich, wie er das alles macht. Wie er Dressur gehen kann, wie er galoppieren kann im Gelände, wie mutig er ist, draufgängerisch, trotzdem auch so schön zu reiten, und wie konzentriert er im Parcours ist.”


Ihr Dressurergebnis ins Ziel brachte auch die Britin Rosalind Canter, die im Verlauf des Wettbewerbs zu Jungs größter Konkurrentin wurde. Die dreifache Badminton-Siegerin war ihm mit 23,4 Punkten von Anfang an dicht auf den Fersen und baute mit einer ebenfalls fehlerfreien Geländerunde mächtig Druck auf. Im Springen kam sie wieder strafpunktfrei über die Ziellinie, sodass am Ende nur Nuancen aus der Dressurprüfung den entscheidenden Unterschied machten. Somit gab es Silber für Rosalind Canter, die ihren Partner in Crime aus Badminton, das britische Sportpferd Lordships Grafallo, mit nach Aachen gebracht hatte. Zu Bronze galoppierte ihre britische Teamkollegin Laura Collett im Sattel des Holsteinerwallachs London. Das Paar belegte mit 22,8 Minuspunkten Rang zwei in der Dressur und blieb im Gelände zwar fehlerfrei, jedoch nicht ganz innerhalb der erlaubten Zeit, sodass hiernach 23,6 Strafpunkte zu Buche schlugen. Im heutigen Springen kamen noch einmal 4,4 Punkte hinzu – 28 Minuspunkte reichten aber dennoch zu einem Platz auf dem Treppchen neben den Besten der Welt.
In der Teamwertung tauschten dann Deutschland und Großbritannien die Plätze. Hier führte die Equipe von Richard Waygood, die neben Rosalind Canter und Laura Collett aus Tom McEwen und Gemma Stevens bestand, mit 84 Minuspunkten das Feld an. Silber gab es dementsprechend für Michael Jung und seine Mitstreiterinnen Julia Krajewski, Malin Hansen-Hotopp und Libussa Lübbeke, die unter der Leitung von Dr. Annette Wyrwoll auf insgesamt 95,6 Minuspunkte kamen. Bronze ging an das Team aus den USA um Equipechefin Leslie Law. William Coleman, Boyd Martin, Phillip Dutton und Caroline Pamukcu ritten zu 113,5 Minuspunkten.





