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Deutschland ist Weltmeister!

Die deutsche Spring-Equipe hat es geschafft: Nach 16 Jahren geht der Weltmeistertitel erstmals wieder nach Deutschland. Vor ausverkaufter Kulisse in der Aachener Soers gab es ein echtes Herzschlagfinale im Mannschaftsspringen – und das mit Happy End.

Mittags sicherten sich die Gäste die ersten Plätze im Stehplatzbereich, um abends ganz vorne mit dabei zu sein, als es um Mannschaftsgold ging. Sie hatten gut daran getan, denn sie wurden nicht enttäuscht. Schon mitten im zweiten Umlauf stand fest: Deutschland ist Weltmeister!

Nach Daniel Deußers Ritt stand fest: Deutschland ist Weltmeister! Foto: van Bebber

Deusser absolut souverän

Es war Daniel Deußers Ritt, der die Aachener Soers zum Beben brachte und das Publikum in Jubelstürme ausbrechen ließ – er sprang seinen Otello de Guldenboom mit absoluter Souveränität fehlerfrei ins Ziel und ließ zu keiner Sekunde einen Zweifel daran, dass die Goldmedaille nach 2010 wieder nach Deutschland gehen würde – und das vor dieser atemberaubenden Heimatkulisse.

Ehning und Coolio blieben fehlerfrei. Foto: van Bebber

Den Weg für Deutschland geebnet hatten Marcus Ehning und Coolio – wenn auch nicht immer mit passenden Distanzen, dafür aber fehlerfrei – und Sophie Hinners mit ihrem Iron Dames Singclair, die auf Sicherheit ritt: Das Publikum hielt den Atem an, alle Stangen blieben liegen, einzig ein Zeitstrafpunkt schlug auf Hinners‘ Konto. Das bedeutete: Deußer durfte sich anschließend einen Abwurf leisten, und trotzdem wäre Deutschland Weltmeister gewesen. Doch das tat er nicht. Er und Otello de Goldebloom absolvierten den Parcours mit einer solchen Gelassenheit, als wäre es der heimatliche Springplatz, blieben ohne Fehler und Deutschland war der Titel nicht mehr zu nehmen. Kaum hatten sie das letzte Hindernis überwunden, brachen Jubelstürme aus und das Stadion bebte wortwörtlich.

Sophie Hinners musste einen Zeitfehler hinnehmen. Foto: Thamm

Aachener Soers bebte

Dem Publikum und dem deutschen Team fiel es danach nicht leicht, sich auf das weitere Geschehen zu konzentrieren. Richard Vogels Ritt mit United Touch, der als letzter unter erschwerten Bedingungen im strömenden Regen in den Parcours galoppierte, war schließlich nur noch Makulatur. Wohl aber zählte er – wie alle anderen auch – in diesem zweiten Umlauf für die Einzelwertung. Daher hieß es, obwohl die Goldmedaille bereits in der Tasche war, noch einmal volle Konzentration in Hinblick auf das Einzelfinale am Sonntag. Wie bei seinen drei Mitstreitern fiel auch bei Vogel keine einzige Stange, lediglich zwei Zeitstrafpunkte schlugen zu Buche. Damit sind alle vier deutschen Reiter für das Einzelfinale am Sonntag qualifiziert. „Ich glaube, es gab noch nie ein glücklicheres Streichergebnis, als ich das heute war“, freute er sich im Anschluss.

Regenritt von Richard Vogel: Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Mannschaftsgoldmedaille bereits in der Tasche. Foto: van Bebber

Präzision und Feingefühl

Ludger Beerbaum hatte den von Frank Rothenberger gebauten, 14 Hindernisse mit 17 Sprüngen umfassenden Parcours im Vorfeld als „40% schwerer als gestern“ betitelt und das nicht ohne Grund. Jede Menge Präzision und Feingefühl war gefragt, um ihn fehlerfrei zu überstehen. Ob die Distanz zum Wasser, die schmale Mauer oder die gebogene Schlusslinie: Herausforderungen gab es viele. Das zeigte sich auch im Endergebnis. Zehn Teams mit je vier Reitern hatten um die Medaillen gekämpft, lediglich sieben Paare blieben schließlich fehlerfrei.

Ich wusste, wenn ich vernünftig reite, kann Coolio null gehen. – Marcus Ehning

Einer davon war Marcus Ehning mit seinem Coolio. Der lobte im Anschluss seinen 13-jährigen Holsteiner: „Er hat mir über die zwei Tage so ein gutes Gefühl gegeben. Und auch beim Abreiten heute hat er mich wieder wahnsinnig überrascht, wie er fokussiert ist und wie er bei mir ist. Und ich wusste, wenn ich vernünftig reite, dann kann er null gehen.“ Am Ende passte die Distanz zum Wassergraben nicht ganz und auch zum drittletzten Hindernis wurde es ein Galoppsprung mehr als geplant – aber für Coolio kein Problem. „Er hört unheimlich auf mich, hat gewartet und dann kam ich wieder zum Reiten“, beschreibt Ehning die Momente des Luftanhaltens im Parcours.

Ein Zeitfehler für Hinners

Sophie Hinners blieb mit ihrem Erfolgspferd Iron Dames Singclair ebenfalls ohne Abwurf, musste aber einen Zeitfehler hinnehmen. „Ich habe es vielleicht ein bisschen zu sehr genossen, wie sicher er gesprungen ist“, schmunzelte sie im Anschluss. „Aber ich bin total stolz, wie er das wieder gemeistert hat und mit welcher Leichtigkeit er den Parcours gesprungen ist. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist so eine tolle Kulisse hier und so eine Wahnsinns-Erfahrung.“

„Ich bin total stolz, wie Singclair das gemeistert hat.“ Sophie Hinners

Nach 16 Jahren stand die deutsche Equipe wieder ganz oben auf dem Treppchen. Foto: van Bebber

Zur Siegerehrung goss es schließlich in Strömen in der Soers, doch dieser Regen störte niemanden mehr. Während die Pferde gemeinsam mit ihren Pflegern warteten und das saftige Grün genießen konnten, strahlte das Deutsche Team um die Wette, als die Goldmedaillen verteilt wurden. Das Publikum belohnte die erfolgreichen Reiter mit Standing Ovations und Freudengesängen. Aufs Silbertreppchen hatten es die Belgier geschafft, gecoacht von dem aus dem Rheinland stammenden Trainer Peter Weinberg, Bronze ging an Großbritannien.

Lob vom Bundestrainer

In der abschließenden Pressekonferenz war Bundestrainer Otto Becker voll des Lobes für seine Reiter: „Ich bin wirklich stolz, wie mein Team den heutigen Tag gemeistert hat“, sagte er. Es sei insbesondere vor der einmaligen Aachener Kulisse ein ganz besonderer Titelgewinn gewesen. Und auch die anderen Medaillenträger waren voll des Lobes für die Aachener Veranstalter: Der für Belgien startendende Abdel Said schwärmte ebenso von der tollen Atmosphäre wie der britische Reiter Harry Charles, der betonte: „Ich wünschte, die Weltmeisterschaften würden jedes Mal in Aachen stattfinden.“

„Ich wünschte, die Weltmeisterschaften würden jedes Mal in Aachen stattfinden.“ Harry Charles

Vor dem großen Einzelfinale am Sonntag führen Daniel Deußer und Otello de Guldenboom sowie Steve Guerdat (SUI) mit Dynamix de Belheme mit je 0,86 Strafpunkten das Ranking an. Auf Rang drei folgen Ben Maher (GBR) mit Point Break (1,01). Marcus Ehning und Coolio stehen aktuell auf Rang vier (1,78), Sophie Hinners und Iron Dames Singclair auf Platz fünf (1,84). Richard Vogel belegt Rang 14 (5,38) und darf somit auch im Finale starten.

Es bleibt also spannend in der Soers, mit einer sehr guten Ausgangsposition für die deutschen Gastgeber.

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