Richard Vogel und United Touch S siegten im Großen Preis von Aachen. Foto: Lisa van Bebber
Richard Vogel und United Touch S siegten im Großen Preis von Aachen. Foto: Lisa van Bebber

Sonne, Spannung und Siege in der Soers

Richard Vogel und United Touch S siegten im Großen Preis von Aachen. Foto: Lisa van Bebber
Richard Vogel und United Touch S siegten im Großen Preis von Aachen. Foto: Lisa van Bebber

Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen füllte sich das Turniergelände in der Soers auch am letzten Tag des (TS)CHIO Aachen schon am frühen Morgen mit zahlreichen Besuchern. Denn schon bevor am Nachmittag der ebenso beliebte wie prestigeträchtige Rolex Grand Prix auf dem Programm stand, gab es internationalen Hochklasse-Springsport zu sehen.

Los ging es mit dem Preis des Aachen-Laurensberger-Rennvereins, einer anspruchsvollen Springprüfung auf Fünf-Sterne-Niveau. Hier sicherte sich der schwedische Spitzenreiter Henrick von Eckermann im Sattel von Glamour Girl den Sieg. Die 15-jährige KWPN-Stute blieb unter ihrem Reiter fehlerfrei in der Bestzeit von 67,30 Sekunden. Den beiden dicht auf den Fersen waren Erynn Ballard und sein elfjähriger, französisch gezogener Wallach Fave d’Authuit. Das für Kanada startende Paar kam ohne Fehler in 67,69 Sekunden ins Ziel. Christian Ahlmann und Sheeran WL konnten, nachdem sie am Freitag Sechste geworden waren und gestern einen Abwurf hinnehmen mussten, zu ihrer Form zurückfinden. Mehr noch: Heute blieben sie wieder fehlerfrei und waren obendrein auch noch richtig schnell. Mit 68,46 Sekunden sicherten sich der erfolgreiche Aachen-Routinier und sein 2016 geborener AES-Hengst den dritten Rang. 

Siegeshymne für Victory Music Z

Janika Sprunger und Victory Music Z entschieden die Youngster-Tour für sich. Foto: Lisa van Bebber
Janika Sprunger und Victory Music Z entschieden die Youngster-Tour für sich. Foto: Lisa van Bebber

In der Siegerehrung der Youngster-Tour ertönte die Musik für Victory Music Z – passender hätte es, dem Namen nach, kaum sein können. Die Zangersheider Stute sicherte sich die Goldschleife im Finale der Ein-Sterne-Tour für achtjährige Pferde, in dem ein Stechen über Sieg und Platzierungen entschied. Und Victory Music Z stellte in beiden Runden ihre Qualität unter Beweis. Vorgestellt von Janika Sprunger, blieb die Vigo d’Arsouilles-Tochter ohne Fehler und hielt mit 45,56 Sekunden die Konkurrenz auf Abstand. Der Sieg ging damit in die Schweiz. Zu Platz zwei sprangen Philipp Weishaupt und Aberdeen Z. Der von Aganix du Seigneur abstammende Wallach entstammt ebenfalls der Zangersheider Zucht. Auch er legte zwei Nullrunden hin und beendete das Stechen in 46,30 Sekunden. Rang drei ging an Rene Dittmer und den von Casallabstammenden Holsteiner Cajero mit null Fehlern und einer Zeit von 47 Sekunden. 

Hochspannung im Rolex Grand Prix

Sophie Hinners und Iron Dames Singclair legten mit Dreifach-Null vor. Foto: Lisa van Bebber
Sophie Hinners und Iron Dames Singclair legten mit Dreifach-Null vor. Foto: Lisa van Bebber

Spannend bis zur allerletzten Sekunde blieb es einmal mehr im Rolex Grand Prix, dem jährlichen Programmhighlight, in dem zwei Umläufe – und oft genug noch ein Stechen – den Sieger von 450.000 Euro Preisgeld und dem heißbegehrten Eintrag auf der Siegertafel neben dem Hauptstadion trennen. So auch in diesem Jahr: Von 40 qualifizierten Paaren schafften es 17 in den zweiten Umlauf, zehn davon fehlerfrei. In der anspruchsvollen zweiten Runde behielten dann noch einmal sieben Paare eine weiße Weste – und bei drei von ihnen reichte es für Doppel-Null. Die Erste fehlerfreie Reiterin war Sophie Hinners, die im Sattel von Iron Dames Singclair förmlich durch den Parcours flog. Harmonisch, schnell und nervenstark präsentierte sich die Reiterin mit ihrem schwedisch gezogenen, elfjährigen Wallach dem Aachener Publikum, das auf den voll besetzten Tribünen die Sonne und hochspannenden Weltklasse-Springsport genoss.

Direkt nach ihr kam Richard Vogel in den Parcours und legte nach: Mit seinem Erfolgspferd United Touch S blieb auch er im zweiten Umlauf fehlerfrei. Dank der raumgreifenden Galoppade und gewaltigenSprungkraft des 14 Jahre alten Hengstes –und der beeindruckenden Nervenstärke seines Reiters – gaben die beiden ein beinahe müheloses Bild ab, wie sie ein Hindernis nach dem anderen hinter sich ließen. Fast wäre es also ein Stechen um den Sieg geworden, wie es der CHIO Aachen in seiner langen Tradition wohl noch nie gesehen hat: Ein Stechen zwischen zwei Reitern, die sich auch privat gut kennen und sogar einen gemeinsamen Stall betreiben. Dafür, dass dieser Fall nicht eingetreten ist, das Stechen an Spannung aber doch kaum zu überbieten war, sorgte der Argentinier José María Larocca. Mit seinem KWPN-Wallach Finn Lente legte er einen fulminanten Auftritt hin und blieb als letzter Starter des zweiten Umlaufs ebenfalls zum zweiten Mal fehlerfrei.

Wie nah diese drei Reiter und ihre Pferde am heutigen Tag der Perfektion waren, zeigte sich dann auch im Stechen. Sophie Hinners musste als Erste in den Parcours. Konzentriert, schnell, aber nicht mit dem letzten bisschen Risiko suchte sie sich ihren Weg und kam zum dritten Mal fehlerfrei über die Ziellinie, die Zeit stoppte bei 51,62 Sekunden. Dass genau das der Plan war, offenbarte die Reiterin in der Pressekonferenz nach der Platzierung: „Ich wusste, ich brauche eigentlich gar nicht erst zu versuchen, Richie im Hinblick auf die Zeit zu unterbieten. Also bin ich mehr auf Sicherheit geritten und wollte null bleiben, in der Hoffnung, dass die anderen beiden mehr riskieren, dafür aber vielleicht einen Fehler machen würden.”  

Dann kam Richard Vogel, der einmal mehr mit Nervenstärke brillierte und alles daransetzte, eine schnelle Zeit nach Hause zu holen. Was ihm mit 45,57 Sekunden und über sechs Sekunden Abstand zu seiner Stallkollegin gelang – und auch alle Stangen blieben oben. Doch auch José María Larocca zeigte noch einmal, was in ihm und seinem Pferd steckte: Er zauberte die dritte Dreifach-Null auf den heiligen Rasen im Springstadion und machte ebenfalls einiges an Tempo gut. Am Ende bescherten ihm 47,36 Sekunden Platz zwei und damit den größten Erfolg seiner Karriere. „Es ist eine große Ehre, hier im Großen Preis von Aachen auf dem Podium zu stehen”, zeigte er sich nach Prüfungsende mehr als zufrieden. 

Für Richard Vogel ist mit dem heutigen Tag nicht nur ein Traum in Erfüllung gegangen, sondern gleich mehrere. Nach seinem Sieg bei den Dutch Masters im März gewann er nun auch den Rolex Grand Prix in Aachen und steht somit kurz davor, nach Scott Brash als zweiter Rolex Grand Slam-Gewinner in die Geschichte einzugehen, wenn er bei den Spruce Meadows Masters im September seine Position verteidigen kann. „Ich weine nicht oft, und wenn dann eher nicht aus erfreulichen Gründen. Aber heute war ein guter Tag, um genau das zu tun”, sagte er.

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