
2023 war die Stute Quinn G. überragende Weltmeisterin der fünfjährigen Dressurpferde, damals nicht nur wegen ihrer eigenen Herkunft unter dänischer Flagge, sondern auch mit dänischer Reiterin. 2024 wiederholte sie ihren Triumph mit ihrer neuen Besitzerin und Reiterin Fiona Bigwood. Und nun ist sie auf dem besten Weg, auch siebenjährig allen davon zu tanzen.
Quinn G. ist eine Quaterhit-Fassbinder-Tochter, gezogen vom Stutteri G, das auch bei den Fünfjährigen ein Eisen im Feuer hat. Als sie 2023 Weltmeisterin in Ermelo wurde, hatte Betina Jæger in ihrem Sattel gesessen und die Stute stand noch im Besitz von Helgstrand Dressage. Kurz darauf wurde sie an die britische Championatsreiterin Fiona Bigwood verkauft, eine der vielen Schülerinnen von Carl Hester. Eigentlich hätte Charlotte Dujardin Quinn G. bei den Weltmeisterschaften 2024 in Ermelo präsentieren sollen. Doch aufgrund der Sperre der dreifachen Olympiasiegerin nach der Veröffentlichung von Filmaufnahmen, wie sie bei einem Lehrgang auf ein Pferd einschlägt, stellte Bigwood ihre Stute selbst vor. Mit Erfolg. So, wie heute auch.
Bei den Siebenjährigen haben die Reiter die Wahl, ob sie auf Trense oder Kandare reiten wollen. Bigwood hatte sich für die Trense entschieden. Ihre Quinn G. ist ein hoch sympathisches Pferd! Alles bei ihr wirkt positiv. Schon beim Einreiten sah die Fuchsstute motiviert aus bis in die Schweifspitzen, dabei aber trotzdem in innerer wie äußerer Losgelassenheit. Sie begann mit einer locker-elastischen Trabtour, immer aktiv ab- und unterfußend bei sicherem Takt. Im Schritt marschierte sie fleißig und absolut geregelt mit gutem Raumgriff los. Im Galopp wünschte man sich eine ausgeprägtere Schwebephase, doch die Lektionen gelangen alle weitgehend fehlerfrei. Die Linkspirouette war schon sehr ausgereift, die nach rechts hingegen noch groß. Was das Gesamtbild etwas störte, war eine gewisse Unruhe der Reiterin im Sattel. Das tut der Qualität der Stute aber keinen Abbruch.
Am Ende war Quinn G. das einzige Pferd, das ein Gesamtergebnis von über 80 Prozent erhielt: 80,177 Prozent. Die Endnoten errechnen sich bei den Siebenjährigen aus den Wertnoten für Grundgangarten, Durchlässigkeit und Perspektive zusammen mit den technischen Noten für die Ausführung der Lektionen. Quinn G. erhielt für Trab und Galopp eine 8,4, für den Schritt 8,7, für die Durchlässigkeit 8,6 und für die Perspektive 8,8. 74,553 Prozent lautete die technische Bewertung.
Platz zwei Marke Fry
Ein ganz anderer Typ Pferd ist der zweitplatzierte KWPN-Hengst Ilegro v. Inclusive aus einer Vollschwester zu Charlotte Dujardins Olympiasieger Valegro. Wie dieser kam auch Ilegro bei Van Olst Horses zur Welt und denen gehört der imposante Braune auch noch. Und wenn Van Olst hinter einem Pferdenamen steht, sitzt meist Charlotte Fry (GBR) im Sattel. So auch hier.
Es ist ein gewohntes Bild: die zierliche, elegant zu Pferde sitzende Reiterin und ihre kraftvollen Hengste, wie Everdale und allen voran Weltmeister Glamourdale. Einen ähnlichen Wow-Effekt erzielt auch Ilegro im versammelten Trab – Kadenz, Schwung, Bergauftendenz, alles da (Wertnote: 9,7). Die Traversalen sind ein Highlight. Auch zeigte Ilegro sich im Trab mit recht schönem Seitenbild. In der Verstärkung kam der Hengst allerdings ins Laufen. Sein Schwachpunkt ist der Schritt. Der ist geregelt, aber begrenzt in Vor- und Übertritt (7,0). Im Galopp begannen die beiden stark, jeder Galoppsprung unter den Schwerpunkt mit deutlicher Hankenbeugung sicher ins Bergauf angelegt. Die Pirouetten gelangen entsprechend gut. Allerdings war die Anlehnung im Galopp deutlich fester als im Trab. Nach der Rechtstraversale kam beim fliegenden Wechsel auf der Mittellinie einmal deutliche Spannung auf und auch die Serienwechsel waren noch schwankend. Die Wertnote für den Galopp: 8,8.
Die technische Bewertung des Rittes lag bei 70,268 Prozent. Neben den erwähnten Bewertungen der Grundgangarten gab es für die Durchlässigkeit eine 8,2 und für die Perspektive ebenfalls eine 8,8. Das machte genau 85 Prozent im Bereich Qualität, ergab eine Endnote von 77,634 Prozent und Platz zwei für den Valegro-Neffen.
Traumpferd auf Rang drei
Platz drei ging an einen Vertreter der deutschen Delegation, den Trakehner Hengst TSF Gaspard ND v. His Moment-Imperio, gezogen von Dr. Angelica Lauritz, im Besitz von Nicole Derlin, der er auch den Namenszusatz „ND“ verdankt. Optisch ist Gaspard ein wahrgewordener Mädchentraum, so schön, wie ein Pferd nur sein kann. Ein typischer Trakehner mit edlem kleinen Kopf, großen ausdrucksvollen Augen und harmonischem Körper. In seinem Sattel sitzt mit Cecilie Hedegaard eine 24 Jahre junge Dänin, die den Hengst sehr gefühlvoll präsentierte, immer bemüht, „der Hand hinterher zu reiten“.
Die eigentlich feine Kandarenführung ging beim Antraben nach der Schrittreprise allerdings kurzzeitig ganz verloren. Das ist zwar auch nicht im Sinne des Erfinders, aber das kleinere Übel gegenüber anderen Paaren, bei denen die Kandare waagerecht durchfiel und genauso anstand wie der Trensenzügel. Ein wenig hinter den Zügel kam Gaspard in den Volten, wobei die Reiterin sichtlich bemüht war, ihn vor sich zu halten. Allerdings ging in diesen Momenten auch das Gleichmaß der Bewegung verloren. Im aus den Volten zu entwickelnden Schulterherein fand er seine Balance dann wieder.
Grundsätzlich trabt Gaspard mit Schwung und Schulterfreiheit, könnte allerdings mit den Hinterbeinen deutlicher über den Rücken in Richtung Schwerpunkt durchfußen. Besonders in der Verstärkung wurde das deutlich. Im versammelten Schritt fehlte es etwas an Versammlung. Der starke Schritt war fleißig, geregelt und mit genügend Raumgriff und guter Dehnung gezeigt. In den Galopppirouetten zeigte der Hengst große Versammlungsbereitschaft, die Viererwechsel waren schnurgerade und sicher nach vorne-oben durchgesprungen.
Vermeidbare Faktoren, die die technische Bewertung des Rittes drückten, waren ein „geklauter“ fliegender Wechsel nach der ersten Traversale sowie die beiden Grußaufstellungen, in die Gaspard etwas hineinstolperte. Alles in allem kamen die beiden auf 68,750 Prozent. Dass es unter dem Strich 77,075 Prozent wurden, lag an den Noten für die Grundqualität: 8,7 im Trab, 7,7 im Schritt, 8,8 im Galopp, 8,5 für die Durchlässigkeit, 9,0 für die Perspektive.
Drei weitere deutsche Finalisten
Zweitbestes deutsches Paar waren Laura Strobel und der westfälische Hengst Zulu GV v. Zarathustra MT-Sorento, gezogen und im Besitz vom Gestüt Vorwerk bzw. dessen Besitzerin Elisabeth Max-Theurer. Mit 76,076 Prozent insgesamt (Technische Wertnote: 69,733/Qualität: 82,40) wurden sie Vierte. Besonders hervorzuheben war bei den beiden die Galopptour, mit schon sehr ausgereiften Pirouetten und schnurgeraden fliegenden Wechseln. Überhaupt präsentiere Strobel den Rappen mit sehr viel Geschick und Gefühl.
Zwei Plätze dahinter reihte sich Strobels frühere Lehrmeisterin und Chefin ein, Dorothee Schneider, mit Segantini FRH. Der Hannoveraner Secret-Fidermark-Sohn aus der Zucht von Dr. Christine Feichtinger gehört inzwischen Maik Kanitzky, der auch noch andere Pferde bei Schneider in Beritt hat. Bereits letztes Jahr waren die beiden bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde am Start und belegten Rang fünf. In der heutigen Qualifikation war es der sechste Platz mit 74,711 Prozent (69,822/79,60).
Noch ein weiteres deutsches Pferd hat sich auf direktem Weg fürs Finale qualifiziert: der westfälische Wallach Elliot the Dancer v. Escolar-Vitalis (Z.: Leo Hermanns, B.: Jutta Hildebrand/Susanne Margossian). Für ihn und seinen Ausbilder Stefan Wolff ist es bereits die dritte Weltmeisterschaft. Fünfjährig erreichte der Fuchs das Finale noch nicht. Letztes Jahr wurde er Siebter. Dieses Pferd wirkt, sobald er antrabt. Dann fängt er tatsächlich an zu tanzen. Ohne eilig zu werden, trabte der Wallach ebenso erhaben wie fließend und ausbalanciert in Selbsthaltung zu einer verdienten 9,0. Leider schlichen sich im Galopp Fehler ein. Beide Pirouetten missglückten, in den Viererwechseln kam Spannung auf. Wäre die Galopptour qualitätiv so gut gewesen wie der Trab, wären die beiden ganz vorne gelandet. So wurde es Rang zehn mit 74,331 Prozent (68,661/80,0).
Ergebnisse der weiteren deutschen Paare
Neben den vier Platzierten waren noch vier weitere Pferde für Deutschland unter den 41 Startern in der Qualifikation der Siebenjährigen, die nun morgen früh im kleinen Finale noch einmal die Chance haben, das Ticket für die Entscheidung am Sonntag zu lösen.
Das ist zum einen der Oldenburger Wallach Zewano v. Zackerey-Romanov (Z.: Alessandro Alemani), den Franz Trischberger für die Besitzer Sandra und Norbert Nuxoll vorstellt. Er kam heute auf 73,506 Prozent (67,410/79,60) und landete damit auf Rang 16.
Platz 20 (72,015 Prozent insgesamt/66,428/77,6) wurde es für den heute etwas umweltorientierten Westfalen-Hengst Rocketeer NRW v. Rock Forever-Franziskus aus der Zucht von Thomas Holling. Im Sattel saß Laurin Hofmann, der den gekörten Hengst für den Besitzer Wilhelm Holkenbrink präsentiert, bei dem ja sowohl der Vater als auch der Muttervater stationiert sind.
Direkt dahinter reihte sich die Oldenburger Stute Füchtels High Light OLD v. Floriscount-Damon Hill ein, gezogen und im Besitz des Ehepaars von Merveldt, vorgestellt von deren Tochter Patricia Seddig. Diese Stute, die heute mit 71,788 Prozent bewertet wurde (69,375/74,20), hat einen bemerkenswerten züchterischen Hintergrund. Ihre jüngste Schwester Füchtels Hedda v. Bonds wurde dieses Jahr zur Oldenburger Siegerstute gekürt. Die andere Schwester, Füchtels Hailey v. Don Martello, ist mit Patricia Seddig bei den Sechsjährigen am Start. Die Mutter des Erfolgs ist die Stute High Heels v. Damon Hill-Roadster, Vollschwester unter anderem zum Grand Prix-erfolgreichen Damon’s Hope.
Schließlich folgte auf Rang 26 die Hannoveraner Stute Rumours v. Revolution-Bequia (Z.: Michael Procter c/o Hof Brüning) mit ihrer Besitzerin Maren Müller-Bentes im Sattel. Die großrahmige Tochter des selbst einst als Dressurpferde-Weltmeister gefeierten Revolution wurde mit 70,204 Prozent bewertet, 65,982 Prozent für die technische Ausführung der Lektionen, 75,80 Prozent für die Qualität.
Zwei weitere deutsche Paare zum Finale der Fünfjährigen
Im Anschluss an die Qualifikation der Siebenjährigen fand das kleine Finale der fünfjährigen Dressurpferde statt, wo die besten drei sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg ins Finale am Sonntag vorrücken konnten. Gelungen ist dies einem KWPN Hengst, einem Hannoveraner Hengst und einer Oldenburger Stute.
Sieger der Prüfung wurde mit starken 89,90 Prozent in Summe der KWPN-Hengst Roman Empire v. Romanov-Sir Sinclair, der Vollbruder zum letztjährigen Weltmeister Red Viper, der in der Qualifikation der Sechsjährigen Dritter war. Züchter des Erfolgs ist der Stal Zogland. Im Sattel sitzt Bart Veeze.
Über Platz zwei freuen sich Beatrice Hoffrogge und die Oldenburger Stute Because of you v. Benicio-Dimaggio aus der Zucht des Zuchthof Hollen von Jan Callender und im Besitz von Lara Steimle Lochmann. Auch die beiden hatten heute eine Sternstunde, die mit 88,60 Prozent belohnt wurde.
Der dritte Qualifikant ist der Hannoveraner Hengst So Special v. Secret-Bon Coeur (Z. u. B.: Pia Sophie Wahlers) mit Jessica Lynn Thomas im Sattel. Der wunderschöne Fuchs war vierjährig Zweiter in Ermelo gewesen. Heute wurden es 84,20 Prozent und von den Richtern gab es den Hinweis, dass es hätten mehr sein können, wäre die Anlehnung leichter gewesen.





