Danubio und Linus Keller waren einer der Lichtblicke beim Bundechampionat in Warendorf. (Foto Thamm)

Erkenntnisreiches Finale 

Das Finale der vierjährigen Hengste wird bei den Bundeschampionaten in Warendorf stets mit Spannung erwartet. In diesem Jahr war die Spannung aus verschiedenen Gründen noch ein wenig größer. Und das obwohl spürbar weniger Zuschauer vor Ort waren. Am Ende brachte die Prüfung zahlreiche Erkenntnisse auf verschiedenen Ebenen. 

Schon am Vormittag zeigte sich bei den vierjährigen Ponyhengsten, dass das neue Format in dem die Vierbeiner alleine auf dem Viereck eine Dressurpferdeprüfung der Klasse A, statt eine Reitpferdeprüfung zu absolvieren haben, durchaus noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden muss. Vorweg sei gesagt, dass die Großpferdehengste mit der Neuerung besser umzugehen wussten, als die Ponys. Trotzdem gab es auch hier Momente in denen sich zeigte, dass man den Pferden viel zumutet, indem man sie alleine in die Arena schickt. Auch die Richter machten das in ihren Kommentaren deutlich: „Das sind junge Pferde, sie sind erst vier Jahre alt und die meisten dieser Pferde sind auch noch keine oder nur wenige Dressurpferdeprüfungen gegangen und schon gar nicht in dieser Atmosphäre.“ Im weiteren Prüfungsverlauf hieß es weiter: „Wir haben gesehen, dass es manchmal nicht so einfach ist mit diesen vierjährigen Pferden hier alleine auf dem Viereck. Das ist für die Pferde sehr anspruchsvoll, aber natürlich auch für die Reiter und wir freuen uns sehr, dass die hier so gut funktioniert hat.“ Gut funktioniert hat die Prüfung insbesondere für einen Reiter, der mit seinem Pferd das Thema pferdegerechte Ausbildung regelrecht zelebrieren konnte. Dazu im weiteren Textverlauf mehr. Als erstes Fazit kann man nach vier Finalprüfungen in denen die Vierbeiner alleine auf das Viereck mussten sagen: Es ist gut, dass die Verantwortlichen versuchen, die Bedingungen im Sinne des Tierwohl zu verändern und zu verbessern. Nach diesem ersten Test ist es aber unabdingbar, dass die gewählten Veränderungen noch einmal kritisch und im Sinne der Pferde, der Reiter, der Richter und aller weiteren Beteiligten auf den Prüfstand gestellt werden. Denn das Ziel harmonischere Bilder auf dem Viereck zu sehen, ist zumindest im Gesamtbild der Prüfung nicht aufgegangen. Ein Medaillenträger hat gezeigt, dass eine korrekte Grundausbildung ohne zu viel Druck dazu führt, dass ein Pferd auch unter diesen Bedingungen vertrauensvoll und weitestgehend entspannt eine solche Prüfung absolvieren kann. Aber auch dieser Hengst hätte sich wahrscheinlich mit einem weiteren Pferd auf dem Viereck ebenso wohl gefühlt.

Die Prüfung wurde aber auch mit so großer Spannung erwartet, weil die Hengste die Finalqualifikation, die weiterhin eine Reitpferdeprüfung ist, mit Höchstnoten beendeten. Einen so starken Jahrgang vierjähriger Hengste hat man auch bei den Bundeschampionate nicht in jedem Jahr. Vier Gesamtergebnisse über 9 machten deutlich mit welcher Bewegungsstärke der Vierbeiner im Finale zu rechnen ist. Mit einer Endnote von 8,66 hatte man bereits den Einzug in ebensolches verpasst. Die Leistungen der Hengste im Finale unterstrich durchaus den Gesamteindruck aus der Qualifikation am Ende platzierte sich aber keines der Paare an gleicher Stelle wie in der ersten Prüfung.

Am Ende triumphierte mit Pramwaldhof’s Bonds in Gold ein bewegungsstarker Sohn des Bonds, seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Mit 9,0 für den Trab, 10,0 für den Galopp und 9,4 für den Gesamteindruck honorierten die Richter die großen Bewegungen des Hengstes. Gekonnt in Szene gesetzt von Sina Aringer schien er mit der Atmopsphäre gut zurecht zu kommen. Spannungsfrei präsentierte aber auch er sich nicht. Der Vierjährige ließ sich aber auf seine Reiterin ein und ließ sich von ihr eindrucksvoll präsentieren. Vor der Platzierung machte er außerdem einen sympathischen und dem Menschen durchaus zugewandten Eindruck. Gute Eigenschaften für einen Hengst, der in der Zucht eingesetzt wird. Denn ausschließlich gute Grundgangarten machen noch keinen Champion. In der Finalqualifikation war der Hengst übrigens noch Vierter gewesen.

Silbermedaille trotz Schreckmoment

Das Nachsehen, wenn man eine Silbermedaille überhaupt so bezeichnen sollte, hatte am Ende Be my Guest FBW. Unter Dionne Korringa hatte er mit einer Gesamtnote von 9,7 in der Finalqualifikation aufhorchen lassen. Hier erhielt er nicht nur für seine Grundgangarten Höchstnoten, sonder auch eine 10 für die Rittigkeit. Seine Reiterin beschrieb den Hengst nach der ersten Prüfung als absolutes Traumpferd. Insbesondere in Bezug auf seinen Charakter konnte sie kaum aufhören zu schwärmen. Und in der Tag wirkte der hübsche Dunkelfuchs auch stets hochsympathisch, wenn man ihn und seine Menschen in der Interaktion beobachtete. „Wie er alleine auf dem Viereck zurechtkommen wird kann ich nicht einschätzen. So etwas kann man einfach zu Hause nicht üben. Diese Atmosphäre hier ist da ein großer Faktor“, erklärt sie weiter. Im Finale sah es zunächst so aus, als würde das Paar an die Leistung der ersten Prüfung anknüpfen können. Der Hengst ist ein kapitales Vorderpferd, sehr maskulin und präsent. Stets im bergauf bewegt er sich mit viel Aktion. Anfangs sah es auch so aus, als würde er gut alleine auf dem Viereck zurecht kommen. Bis er sich erschrak und sein Heil in der Flucht suchte. Er rannte einmal quer über das Viereck in Richtung Ausgang, wo auf dem Arbeitsplatz die anderen Pferde für die Prüfung vorbereitet wurden. Ein Bein hatte das Viereck schon verlassen, als Korringa ihn stoppen konnte. Sie schaffte es Be my Guest FBW zu beruhigen und der Hengst ließ sich auf eine störungsfreie Fortführung der Prüfung ein. Bis die Noten verkündet wurden dauerte es dann eine gewisse Zeit. Wie schon in der Prüfung der Ponyhengste standen die Richter hier vor einer Aufgabe, um die sie nicht zu beneiden waren. Mit einer Note von 7,5 für die Durchlässigkeit ließen sie den Traum von einer Medaille für das Pferd nicht platzen. Die Begründung lautete, dass sie von einer sehr hohen Ausgangsnote den entsprechenden Abzug für die Störung gemacht haben. Hinzu kam dann noch ein Abzug von 0,2 für das Verlassen der Linie. Mit einer seiner Endnote von 9,1 hätte der Bonds-Sohn sogar den Titel gewonnen, abzüglich des Verlassens der Linie landete er dann mit 8,9 auf dem Silberrang.

Das, was man sich für jedes Pferd wünscht

Bronze gewann ein Paar, welches ganz klar von dem neuen Modus profitieren konnte. In der ersten Prüfung noch an sechster Stelle platziert konnte es sich im Finale durch gutes Reiten und sinnvolle Ausbildung deutlich nach vorne arbeiten. Für das Haupt- und Landgestüt Marbach am Start zelebrierte Linus Keller im Sattel von Danubio pferdegerechtes Reiten. Man hätte den Beiden gerne noch stundenlang zugeschaut, denn da war es: Das harmonische Bild, das sich Alle gewünscht hatten. Ein korrekt sitzender, fein einwirkender Reiter, der seinen noch jugendlich daherkommenden Sportpartner in jedem Moment der Prüfung zu unterstützen wusste, ohne mehr von ihm zu verlangen als gut gewesen wäre. Ein vertrauensvoll mitarbeitendes Pferd, das hochkonzentriert jede gestellte Aufgabe annahm. Mit 8,5 (Trab und Galopp) und 8,7 für die Grundgangarten konnte er nicht gleichziehen mit den sich spektakulär bewegenden Hengsten auf Rang eins und zwei, aber jeder Dressurreiter würde sich sicherlich über ein Pferd freuen, welches mit Grundgangarten in dieser Güte aufwarten kann. Danubio sah dabei nicht nur zufrieden, sondern auch sitzbequem aus. Das kam daher, dass er von hinten nach vorne durch den Körper arbeitete und sich somit mit und nicht gegen seinen Reiter bewegte. Die 9,0 für die Durchlässigkeit und den Gesamteindruck erschien im Vergleich recht sparsam. Für eine höhere Bewertung wünschten sich die Richter eine bessere Balance auf der Mittellinie. Am Rande des Vierecks waren sich Viele einig: Wenn man nach der Definition von Durchlässigkeit sucht, dann fand man sie in dieser Vorstellung. Damit profitierte der Hengst klar vom neuen System, denn in einer Reitpferdeprüfung mit anderen Pferden auf dem Viereck wäre er gegen deutlich maskulinere Konkurrenten mit aufwendigeren Bewegungen vielleicht ein wenig untergegangen. So hatte dieses Paar die Bühne für sich und nutzte diese, um Werbung für den Sport zu machen. Wenn junge Pferde grundsätzlich so vorgestellt und dann auch noch mit Medaillen dafür belohnt würden, dann hätte man deutlich mehr Argumente um die Kritiker in ihre Schranken zu weisen. Der klare Sieger dieser Prüfung war am Ende eigentlich Danubio. Dieser Sieg zeigte sich zwar nicht in Form einer Schärpe, aber wie im echten Leben geht es nicht immer um den materiellen Gewinn – der Damaschino I-Sohn ist der Sieger auf einer anderen Ebene. Er darf ein junges Pferd sein und er darf sich offenbar genau so entwickeln, wie man es jedem Pferd nur wünschen kann.

Für die Bundeschampionate sei der Wunsch erlaubt, dass die Verantwortlichen sich im Sinne der Pferde noch einmal konstruktiv mit dem neuen Modus auseinandersetzen. Das sie den Reitern und Richtern zuhören und die in diesem Jahr gemachten Erfahrungen dazu nutzen die Veranstaltung sinnvoll weiterzuentwickeln. Für den Sport und für Alle, die mit so viel Begeisterung und Leidenschaft jedes Jahr nach Warendorf reisen. Insbesondere aber natürlich für die vierbeinigen Protagonisten. Dass ein Pferd wie Danubio in diesem Jahr eine Medaille gewinnen konnte, erfreute sorgte sogar bei Menschen die sich sonst eher für spektakuläre Pferde begeistern können für Zuspruch. Und das ist auf jeden Fall ein positiver Aspekt, den der Finaltag mit sich bringen konnte.

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