Calvin Böckmann und The Phantom of the Opera waren schnellstes Paar von allen im Gelände der EM Blenheim. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Calvin Böckmann und The Phantom of the Opera waren schnellstes Paar von allen im Gelände der EM Blenheim. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

EM Blenheim: Mega Geländetag für Deutschlands Buschreiter!

Calvin Böckmann und The Phantom of the Opera waren heute schnellstes Paar von allen im Gelände von Blenheim. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Calvin Böckmann und The Phantom of the Opera waren heute schnellstes Paar von allen im Gelände von Blenheim. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Nach der Dressur war Deutschlands Führung in der Mannschaftswertung bei den Europameisterschaften der Vielseitigkeitsreiter in Blenheim noch eine knappe. Nun ist der Vorsprung riesig. Alle sechs deutschen Paare haben geliefert, Mannschafts- und Einzelreiter. Eine sensationelle Leistung in einem anspruchsvollen Kurs, der die britischen Olympiasieger in die Knie zwang.

Libussa Lübbeke und Caramia machten den Anfang für die deutsche Mannschaft und erfüllten alle in sie gesetzten Erwartungen. Mit kühlem Kopf, auch als sie einmal blitzschnell umschalten und die Alternative wählen mussten, kamen sie hindernisfehlerfrei ins Ziel. Das war die Order von Bundestrainer Peter Thomsen gewesen: nicht der Zeit hinterher jagen, lieber auf Sicherheit reiten und gut ins Pferd hineinhorchen. Das tat Libussa, das gelang auch allen anderen deutschen Paaren.

Einzelreiter Nicolai Aldinger war der nächste Deutsche auf der Starterliste mit seinem Timmo. Auch sie kamen ohne Probleme nach Hause. Anders als Libussa Lübbeke, die ziemlich cool war als sie ins Ziel kam, natürlich ihr Pferd überschwänglich lobte und erklärte, der Grund für ihre Ruhe sei ihre Familie, die immer dabei sei und dass sie Caramia eben schon seit Geburt kennt, war Nicolai Aldinger ganz aus dem Häuschen vor lauter Glück. „Ich habe ihm die Linie gezeigt, er hat gesagt ,Ach ja, dann mach ich das'“, beschrieb er sein Reitgefühl an schwierigen Passagen. „Das ist schon ein super Gefühl, wenn man so harmoniert …“ Er wirke „total euphorisiert“, hieß es im Interview. Aldinger: „Das ist richtig! Das ist ja auch der Spaß am Geländereiten, sonst würde ich das ja mit dem Dressurreiten nicht machen“, strahlte er zurück.

Eine „Traumrunde“ (Peter Thomsen) brachten Malin Hansen-Hotopp und Carlitos Quidditch als zweites Paar fürs Team ins Ziel. Das gleiche galt für Jérôme Robiné mit Black Ice und ebenso den zweiten Einzelreiter Calvin Böckmann, der mit seinem Holsteiner The Phantom of the Opera die schnellste Runde des Tages drehte und sich damit auf Rang vier in der Einzelwertung katapultierte.

Und auch Michael Jung und Chipmunk demonstrierten Geländereiten vom Feinsten, wie man es von ihnen gewohnt ist. Die Führung in der Einzelwertung mussten sie allerdings an Laura Collett und London abgeben, die einen Hauch schneller gewesen waren. Jung war dennoch überglücklich mit seinem 17-jährigen „Chip“. „Er wird immer besser, immer ausbalancierter, immer cleverer am Sprung. Das macht einfach nur Spaß!“, war er hin und weg von dem Contendro-Sohn, der ihm letztes Jahr noch das vierte Olympiagold seiner Karriere beschert hatte, das dritte in der Einzelwertung.

Stand der Mannschaftswertung

In der Mannschaftswertung führt Deutschland nun mit 113,7 Minuspunkten vor den Iren mit 150,7 Minuspunkten. Team GER kann sich morgen im Parcours also 37 Strafpunkte leisten, ohne den Mannschaftstitel zu gefährden. Knapper ist der Abstand zwischen den Iren und den drittplatzierten Schweizern, die aktuell 161,3 Minuspunkte auf dem Konto haben. Die Franzosen liegen auf Platz vier mit 167,1 Minuspunkten noch in Medaillennähe.

Riesiges Pech hatten die Briten, die den Deutschen gestern nach der Dressur noch im Nacken saßen. Doch als erst Yasmin Ingham an Hindernis 22 aus dem Sattel ihres Rehy DJ kam, und kurz darauf Piggy French an Sprung 20c das gleiche Schicksal ereilte, war das britische Team geplatzt. Da half es auch nicht, dass Laura Collett und London an die Spitze stürmten und Tom McEwen mit seinem Holsteiner Diarado-Sohn JL Dublin auf Platz drei hinter Michael Jung.

Knappe Entscheidung in der Einzelwertung

Einen Springfehler dürfen die Führende Laura Collett und London sich mit 26,6 Minuspunkten nicht leisten. Jung und Chipmunk sind ihnen mit 28,3 Minuspunkten dicht auf den Fersen. Umgekehrt hat Jung einen Abwurf „gut“ gegenüber Tom McEwen und JL Dublin, die aktuell 33 Minuspunkte auf dem Konto haben.

Platz vier belegen zwei Paare mit jeweils 36,5 Minuspunkten, also weniger als ein Abwurf von einer Medaille entfernt. Es sind Calvin Böckmann mit The Phantom of the Opera und die Österreicherin Lea Siegl mit dem fantastischen Brandenburger Van Helsing P.

Ebenfalls unter den Top Ten: Malin Hansen-Hotopp und Carlitos Quidditch auf Rang sieben mit 41,8 Minuspunkten und Jérôme Robiné mit Black Ice direkt dahinter (43,6). Nicolai Aldinger und Timmo liegen auf Rang 15 mit 51,9 Minuspunkten. Libussa Lübbeke und Caramia sind 21. (58,3).

Fazit des Bundestrainers

Man darf sagen, Peter Thomsen hatte heute einen guten Tag als Bundestrainer. „Dass es so gut läuft, habe ich mir erträumt, aber am Ende muss es auf dem Papier stehen“, beschreibt er seine Gemütsverfassung vor dem Start.

Nun ist sein Traum in Erfüllung gegangen. Und das hat handfeste Gründe: „Wir hatten gewaltigen Respekt. Aber positiven Respekt. Wir wussten, wenn man ganz konzentriert reitet, wenn man keinen Fehler macht, wenn man die Zeit auch nicht zu sehr im Auge behält, dann ist es eigentlich nichts Besonderes gewesen. Aber wenn man zu sehr der Zeit hinterher jagt, dann ist es eben gefährlich. Und das haben alle perfekt umgesetzt“, so der rundum zufriedene Bundestrainer.

Von den 55 Paaren auf der Starterliste sind 53 zum Gelände angetreten. Zwei Reiter hatten vorher zurückgezogen. Sieben Paare schieden aus, vier Reiter gaben auf. Die Fehlerquellen waren bunt über den Kurs verteilt. Keinem Reiter, keinem Pferd ist etwas Schlimmes passiert.

Aber es gab auch kein Paar, dass es innerhalb der erlaubten ins Ziel geschafft hat. Das sorgte für Diskussionen. Hatte Mark Phillips zu schwierig aufgebaut? Dazu Peter Thomsen: „Wir haben es in den Equipechef-Meetings immer wieder gesagt, dass die Zeit normalerweise nicht richtig gemessen ist. Die Ground Jury und der TD (technische Delegierte) haben gesagt, nein, das ist richtig bemessen. Und dann haben wir uns der Herausforderung gestellt.“

Und sie mit Bravour gemeistert. Thomsen: „Das Gute bei uns war, die Reiter haben sich nicht nervös lassen. Sie haben genau richtig in die Pferde hineingehorcht, sind immer gerade Wege geritten und haben insofern auch gute Ergebnisse abgeliefert.“

Doch zum Feiern ist es noch zu früh. „Die Devise heißt dranbleiben. Der Ergebniszettel ist morgen fertig, nicht heute“, so Thomsen.

Der Tag beginnt morgen früh um acht Uhr mit der zweiten Verfassungsprüfung. Das Springen startet um 11 Uhr britischer Zeit, bei uns entsprechend eine Stunde später.

Alle Infos gibt es auch hier.

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