

Am 18. Juli 2026 wurde Jeanine Klose-Piontek die höchste reiterliche Auszeichnung zuteil: Das Goldene Reitabzeichen, überreicht von Hermann Bender. Vor der malerischen Kulisse am Schloss Wickrath gab es eine emotionale Verleihung, die den Werdegang und die Erfolge der ambitionierten Reiterin würdigte.
Ihren besonderen Blick und ihr tiefes Verständnis für Pferde entwickelte Jeanine bereits im Kindesalter. Schon damals zog es sie nicht zu den unkomplizierten Schulpferden, sondern vielmehr zu denen, die andere lieber stehenließen – nicht, weil sie das Schwierige suchte, sondern, weil sie verstehen wollte. Mit dem zweijährigen Pfote begann schließlich die erste gemeinsame Reise: Aus einem rohen Jungpferd und einer jungen Reiterin wurde über Jahre ein erfolgreiches Team. Gemeinsam erarbeiteten sie sich den Weg vom Anreiten bis in die schwere Klasse des Springsports. Doch Pfote war weit mehr als ein erfolgreiches Sportpferd: Er lehrte Jeanine, dass sportlicher Erfolg nicht allein von außergewöhnlicher Qualität abhängt, sondern dass es darauf ankommt, jedes Pferd individuell zu verstehen, den eigenen Weg immer wieder zu hinterfragen und eine gemeinsame Sprache zu entwickeln.
Nach dem Abitur entschied sich Jeanine zunächst bewusst für ein Biologiestudium, bevor sie sich ganz ihrer Berufung als Reiterin und Trainerin widmete. Parallel dazu entwickelte sich genau der Weg weiter, den Pfote entscheidend geprägt hatte: Immer häufiger wurden ihr Pferde anvertraut – Pferde mit schwierigen Geschichten, verlorenem Vertrauen oder misslungenem Ausbildungsbeginn. Auch immer mehr Dressurzüchter übergaben Jeanine ihre jungen Pferde – zunächst nach schwierigen Ausbildungsanfängen, später von Beginn der Ausbildung an.


Genau auf diesem Weg begegnete Jeanine einem Pferd, das ihren weiteren Lebensweg prägen sollte: Fritz Lakritz, der im Rahmen der Verleihung des Goldenen Reitabzeichens an seine Reiterin ebenfalls für seine sportlichen Leistungen geehrt wurde, und zwar mit dem Namenszusatz “OLD” des Oldenburger Zuchtverbandes. Fritz war damals ein fünfjähriger Wallach, uns ebenso am Anfang seiner Ausbildung, wie Jeanine am Beginn ihres Weges als Dressurausbilderin. Er besaß einen außergewöhnlich starken Charakter, einen unerschütterlichen eigenen Willen und gleichzeitig so viel Sensibilität, dass kleinste Missverständnisse genügten, um aus diesem selbstbewussten, extrovertierten Pferd einen stillen, in sich gekehrten Partner werden zu lassen. Doch Jeanine lernte, Fritz zu verstehen, und aus ihrer besonderen Verbindung entstand weit mehr als eine erfolgreiche Karriere. Zu den sportlichen Höhepunkten ihres gemeinsamen Weges zählen die Siege in der Ein- und Zwei-Sterne-S-Dressur auf dem Schafhof in Kronberg, der Drei-Sterne-Sieg in Aachen sowie bedeutende Platzierungen auf Drei-Sterne-Niveau beim Longines Pfingstturnier in Wiesbaden und Elmlohe im Rahmen der Derby Stars von Morgen-Tour.
Doch mit Fritz trat nicht nur ein besonderes Pferd in Jeanines Leben: Durch ihn lernte sie auch ihren Ehemann Pablo kennen. Beide verband von Anfang an dieselbe Überzeugung: Dass jedes Pferd individuell betrachtet werden muss und nachhaltiger Erfolg dort entsteht, wo Vertrauen wichtiger ist als Zeitdruck. Aus dieser gemeinsamen Überzeugung entstand später PAJE – Pferde für die Zukunft. Der Leitsatz „vom Fohlen bis zum Grand-Prix-Pferd“ beschreibt dabei nicht nur ihre tägliche Arbeit, sondern auch Jeanines eigenen Weg. Auf diesem Weg durfte sie inzwischen viele weitere Pferde, die sie von klein auf begleitet und ausgebildet hat, bis zur Drei-Sterne-Klasse vorstellen. Dabei ist jeder sportliche Erfolg weit mehr für sie als ein Sieg oder eine Platzierung: Er ist das Ergebnis unzähliger gemeinsamer Stunden, kleiner Fortschritte und einer Partnerschaft, die über Jahre gewachsen ist.
Fotos: Silke Thelen





