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Ein ganzes Wochenende klassische Vielfalt

Passend zum WM-Jahr 2026 machte der Bundesberufsreitertag Station beim CHIO Aachen, erstmals mit DRFV-Programm. Es waren zwei spannende Tage, an denen die Vielfältigkeit des Pferdesports im Fokus stand. Das Thema: „Klassische Ausbildung macht Spitzensport möglich“. Es gab Vorträge, es wurde diskutiert, Ansätze erarbeitet, geritten und gefahren.

„Reiten, um reiten zu lernen, nicht für den Erfolg“ war einer der Kernsätze der prominent besetzten Podiumsdiskussion mit Reitmeister und DRFV-Präsident Hubertus Schmidt und Dressur-Europameisterin Katharina Hemmer, Olympiasieger Lars Nieberg, Vielseitigkeitsprofi Jérôme Robiné und dem Fahrer und Fahrrichter Franz Schiltz. Alle waren sich einig, dass die klassische Ausbildung die Grundlage für alle Pferde, für alle Disziplinen ist. Dabei sind die ersten zehn Minuten einer Trainingseinheit immer gleich, egal ob bei einem Freizeit- oder Grand Prix-Pferd. Das Wichtigste ist, dass die Losgelassenheit auf dem gesamten Weg nicht verloren geht. Grundsätzlich sollte man sich mit dem Pferd auseinandersetzen, sich Zeit nehmen und auf das Pferd individuell eingehen. Ausbilderinnen und Ausbilder sollten ihre Vorbildfunktion leben, Werte weitergeben, auf die Basis achten und Möglichkeiten schaffen, dass Kinder ans Pferd kommen.

In der Gesprächsrunde zum Thema „Turnier transparent – Info-Stewards am Abreiteplatz“ mit den BBR-Vorstandsmitgliedern Ulrike Lautemann und Markus Scharmann sowie der internationalen Richterin Nicole Nockemann, wurde klar, wie wichtig es ist, dass es immer um ein Miteinander aller Beteiligten gehe. Laien muss der Sport erklärbar und transparent gemacht werden. Christian Zink, Executive Coach, sprach in seinem Impulsvortrag zu „Sieger denken anders“, Blockaden, Entscheidungsstärke und Fokus unter Druck und warum mentale Stärke oft entscheidender ist als Technik oder Talent. Um die Planungen für die WM 2026 ging es im Vortrag von Birgit Rosenberg, CHIO Aachen-Sportchefin.

Beim World Café beteiligten sich alle zehn Fachgruppen des Deutschen Reiter- und Fahrer-Verbandes und sorgten mit ihren vielseitigen Themen für spannende Gespräche. Die Themenstände umfassten Fragestellungen zum Dressursport in der Zukunft, zur Ausbildung junger Springpferde, warum Vielseitigkeit Pflicht für Reiter und Pferd ist, zur Ausbildung im Geschirr, zum Jagdreiten, zum Gesundheitssport als Schlüssel moderner Reitausbildung, zur Verantwortung des Berufsreiters heute und in der Zukunft, zu Amateurausbildern, warum der Einstieg ins Turnierreiten neue Wege braucht und zur Zukunft des Pferdewirtberufs. Parallel zum World Café gab es eine Führung über das CHIO Aachen-Turniergelände.


Die Praxisdemonstrationen führten das Motto Vielfältigkeit konsequent weiter. Die Jagdhornbläser der Rheinland-Meute eröffneten mit einer Fanfare, bevor die Vielseitigkeitsprofis Jérôme Robiné und Konstantin Harting die Vorteile vielseitiger Ausbildung demonstrierten und anschaulich vermittelten, wie man dem Pferd am Sprung ein gutes Gefühl gibt und Vertrauen aufbaut und wie wichtig es ist, dass der Reiter in Balance sitzt. Mit ihrer Equipage betrat danach die Rheinland-Meute der Deutschen Schleppjagdvereinigung die Albert-Vahle-Halle und zeigte die Arbeit mit den faszinierenden Hunden in Verbindung mit den Pferden. Andreas Wintgens hatte seinen Vierspänner mit nach Aachen gebracht. Das Wichtigste beim Fahren sei das Nachgeben, betonte der Experte. Vierspänner fahren ihre Pferde unabhängig voneinander, jedes für sich. Im Training ist es u.a. auch möglich, die Vorderpferde im Schulterherein zu fahren, während die Stangenpferde weiter geradeaus traben. Da bedarf es großes Geschick an den Leinen.

Den Abschluss machten Hubertus Schmidt und Katharina Hemmer. Die beiden zeigten klassische Ausbildung par excellence. Mitgebracht hatten sie den zehnjährigen Louisdor-Finalisten Special Gold v. San Amour-Weihegold. „Das Pferd soll leicht und locker, aber in sicherer Anlehnung gehen“, betonte Hubertus Schmidt. „Und bei jeder Übung, in jeder Phase des Trainings muss man immer das richtige Maß finden.“ Man müsse das Pferd gymnastizieren dürfen, auch einmal rund machen dürfen, betonte der Reitmeister, dabei aber immer seine Linie in der Ausbildung beibehalten. „Man darf die Losgelassenheit nie verlieren, in keiner Phase des Trainings und der gesamten Ausbildung“, so der Reitmeister. Das Credo: Wenn wir richtig ausbilden, bekommen wir auch keine schlechten Bilder. 

DRFV-Präsident Hubertus Schmidt: „Das war ein herausragendes Wochenende. Sehr, sehr abwechslungsreich. Für mich persönlich war es eine gute Gelegenheit, auch mal andere Facetten des Reitsports, wie den Gesundheitssport, näher kennenzulernen. Und der Praxissonntag bot ebenfalls ein total vielfältiges Programm. Uns ist es gelungen, einiges auf die Beine zu stellen.“ 

Personelle Neuigkeiten aus den Mitgliederversammlungen: Für den DRFV wurde Rolf Schettler als Nachfolger von Wolfgang Egbers zum Stellvertretenden Präsidenten gewählt. Carolin Lux übernimmt ab sofort von Fabian Scholz das Amt des Geschäftsführers und ist nun sowohl beim DRFV wie auch bei der BBR für die geschäftsführenden Geschicke zuständig. Fabian Scholz fungiert zukünftig als Beirat. Dr. Ute Gräfin Rothkirch wurde als Vorstandsmitglied wiedergewählt. Bei der BBR wurde Markus Lämmle, Leiter der Landesreitschule im Haupt- und Landgestüt Marbach, neu und einstimmig in den Vorstand gewählt. Ulrike Lautemann und Markus Scharmann sind als Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt. 

Das Fazit des Ersten Vorsitzenden der BBR, Hannes Müllers: „Das war das beste bundesweite Berufsreiterwochenende, das wir je hatten. Ich bin begeistert, dass es uns gelungen ist, den DRFV so sichtbar zu machen wie noch nie – mit Inhalten der klassischen Reitlehre, die alle Ausprägungen des Umgangs mit Pferden verbindet. Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren, Jagdreiten und Gesundheitssport. Und wir hatten schon lange nicht mehr so ein prominent besetztes Podium mit so klaren Statements.“

Fotos: SehrWieViel

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